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Späte Rache: Der Kieler "Tatort" im Check

Neuer Fall blickt auf ein zerrüttetes Vater-Sohn-Verhältnis - 15.12.2019 08:26 Uhr

In "Borowski und das Haus am Meer" müssen der Ermittler mit der samtenen Stimme (Axel Milberg) und seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) klären, wer Heinrich Flemming auf dem Gewissen hat. © © NDR/Sandra Hoever


Um was geht's? Mitten in der Nacht läuft den Kommissaren Borowski (Axel Milberg) und Sahin (Almila Bagriacik) plötzlich ein Kind vors Auto. Der verwirrt wirkende Junge erklärt ihnen, dass sein Opa von einem Hund angefallen worden sei und nun im nahen Küstenwald läge.

Was passiert dann? Am nächsten Morgen wird tatsächlich die Leiche des Großvaters am Strand gefunden. Und rasch besteht Gewissheit: Heinrich Flemming (Reiner Schöne), Gründer einer reformpädagogischen Bewegung in Dänemark, ist keines natürlichen Todes gestorben.

Und jetzt? Bei Dorfpfarrer Johann Flemming (Martin Lindow), der seinen an Alzheimer erkrankten Vater vor kurzem bei sich aufnahm, erhoffen sich die Ermittler wertvolle Informationen. Je tiefer die Kommissare nun in der Familiengeschichte der Flemmings wühlen, desto näher kommen sie dabei einem Vater-Sohn-Konflikt, dessen Ursprung in Deutschlands NS-Vergangenheit liegt.

Die Geschichte hinter der Geschichte: Die im Film von Heinrich Flemming ins Leben gerufene reformpädagogische Bewegung weist Parallelen zu der in den 1970er Jahren gegründeten Tvind-Bewegung auf, einem alternativen Schulsystem und typischen Produkt der antiautoritären Erziehung, die wegen ihrer fragwürdigen Methoden rasch in die Kritik geriet.

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"Borowski und das Haus am Meer": Der Kieler "Tatort" in Bildern

Im neuen "Tatort" aus dem hohen Norden eskaliert ein jahrzehntelanger Familienstreit. Borowski (Axel Milberg) und Sahin (Almila Bagriacik) müssen Licht ins Dunkel bringen, was gar nicht so leicht ist.


Die Erklärung des Films: Als Rattenlinien bezeichnet man die Fluchtrouten deutscher Kriegsverbrecher und hochrangiger Vertreter des NS-Regimes nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges ins Ausland.

Die Randnotiz des Films: Die dänische Sprache wird von etwas mehr als fünf Millionen Menschen gesprochen. Auf den politisch zu Dänemark gehörenden Färöer Inseln und in Grönland ist sie zweite Amtssprache. Die dänische Minderheit in Deutschland umfasst einer Studie zufolge etwa 100.000 Menschen. Die Hälfte davon leben in Südschleswig direkt an der Grenze zu Dänemark.

Was noch so hängen bleibt: Sahin verpönt sowohl Eier als auch Mayonnaise. Borowski hat seine Abneigung vor Smartphones offensichtlich überwunden und die Schwestern des Pflegeheims, in dem Flemings Frau arbeitet, tragen eine ziemlich gewöhnungsbedürftige Kluft, die ein wenig aus der Zeit gefallen scheint.

Unser Fazit: Niki Steins zwar tempoarmes, aber inhaltsreiches Drama bewegt und besitzt in Martin Lindow als Pastor Flemming einen echten Trumpf im Ärmel. Außerdem spielt sich dieser fürchterliche Vater-Sohn-Konflikt an beeindruckenden Schauplätzen ab, die Kameramann Arthur W. Ahrweiler in viele herrliche und stimmungsvolle Bilder gegossen hat. Gut gemacht.

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Michael Rosmann Nordbayern.de E-Mail

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