Theater

Theater Erfurt startet im Herbst in "Griechische Spielzeit"

21.6.2022, 17:03 Uhr
Alexander Prior, Generalmusikdirektor des Theaters Erfurt.

© Michael Reichel/dpa Alexander Prior, Generalmusikdirektor des Theaters Erfurt.

Vor der Pandemie oder nach der Pandemie? Die Frage beschäftigt das Theater Erfurt vor der kommenden Spielzeit 2022/23. "Es gibt hinter jeder Entscheidung, die wir treffen, hinter jeder Überlegung ein großes Fragezeichen", sagte Generalintendant Guy Montavon am Dienstag in Erfurt mit Blick auf das Programm ab Herbst. Eine dieser Fragen sei, ob dann überhaupt gespielt werden könne. "Da wir prinzipiell gut gelaunt sind und prinzipiell voller Energie sind, sagen wir: Ja, wir spielen."

Garantieren könne er das aber nicht. Die Corona-Infektionszahlen sprächen eher dagegen. Hinzu komme der Krieg in der Ukraine und steigende Kosten. "Die Leute haben Bedenken, ins Theater zu kommen, haben Bedenken, Geld auszugeben." Hinzu komme die Unsicherheit des Hauses mit Blick auf steigende Corona-Zahlen.

Nichtsdestotrotz sei eine Spielzeit geschaffen worden, die "für meinen Begriff genau dem Zeitgeist entspricht, in dem wir uns im Moment befinden", sagte Montavon. Mit der "Griechischen Spielzeit" und ihren Stücken sei es möglich, in Selbstreflexion zu gehen, Dinge zu hinterfragen. Außerdem würden eher unbekannte Ecken des Landes beleuchtet. "Griechenland ist nicht nur alte Vasen, schöne Strände, sondern hat auch eine lange Geschichte", so der Intendant.

"Wir haben in den letzten Jahren auch immer mal so sehr gummiweiche Motti gehabt und diesmal ist es mit Griechenland schon eine Steilvorlage, mit der man arbeiten kann", sagte Chefdramaturg Arne Langer. Von der Richard Strauss-Oper "Elektra" und Nestor Taylors "Eleni" über das Ballett "Zorbas" von Mikis Theodorakis und die Gioacchino Rossini-Oper "Die Belagerung von Korinth" bis zu Felix Weingartners Oper "Orestes" werde ein Bogen durch die griechische Geschichte gespannt.

Mit Strauss' "Elektra" wird der neue Generalmusikdirektor (GMD) des Theaters Erfurt, Alexander Prior, Anfang Oktober die Spielzeit eröffnen. Elektra sei "eine perfekte Art anzufangen", sagte der 29-Jährige am Dienstag in Erfurt. Auch mit seinem letzten Orchester habe er mit "Elektra" den Auftakt gegeben. "Das ist also irgendwie eine "good luck charm"-Oper (deutsch: Glücksbringer-Oper) für mich."

Als Dirigent wird er zudem in den Produktionen "Telemaco" und "Oreste" sowie in fünf Sinfoniekonzerten zu erleben sein. "Es wird eine Hammer-Saison", zeigte sich der junge Chef des 64-köpfigen Orchesters optimistisch. "Ich bin so dankbar, hier in diesem Haus zu arbeiten, ein Teil dieses Teams zu sein und mit diesem großartigen Orchester zu arbeiten", sagte Prior. Er sei der glücklichste Junge in Deutschland.

Die Energie und Fantasie Priors sei nicht zu zügeln, sagte Intendant Guy Montavon. Auch er blickte trotz aller Fragezeichen mit Hoffnung in die neue Spielzeit. Mit den bekannten aber auch unbekannten Stücken und insgesamt 14 Premieren solle das Publikum motiviert und wieder ins Theater geholt werden. "Es hat sehr viel Energie gekostet, die Jahre ohne Theater, ohne Publikumsverkehr zu überstehen", sagte Montavon.

183 statt 577 Veranstaltungen fanden coronabedingt statt. Rund 38.500 Gäste kamen. Damit erreichte das Theater eine Corona-Auslastung von knapp 80 Prozent. Ab Donnerstag werde ähnlich optimistisch auch das Abo wieder aktiviert, sagte Verwaltungsdirektorin Angela Klepp-Pallas. Dass wie in der Vergangenheit wieder 3500 Abonnenten zusammenkäme, das sei eher nicht zu erwarten. Aber die Hoffnung sterbe bekanntlich zuletzt.