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Freitag, 25.09.2020

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Thomas Godoj: Ein Superstar wie du und ich

Popsänger gab in Nürnberg ein Konzert - 22.12.2008

Thomas Godoj

© dpa


Wer in Deutschland Superstar werden will, bewegt sich im Rahmen der durch Bohlen & Co. klar abgesteckten Mittelmäßigkeit und wird sich hüten, daraus auszubrechen – überhaupt geht es bei den Casting-Shows ja nicht so sehr um Musik, sondern um Nobodys, die ihre Star-Träume stellvertretend für den Rest der Nation zu verwirklichen versuchen.

Thomas Godoj aus Recklinghausen hat schon lange vor DSDS versucht, als Sänger diverser Bands seiner Existenz als Hartz-IV-gebeutelter Studienabbrecher zu entkommen, gelungen ist ihm dies allerdings erst dadurch, dass er sich erfolgreich dem Casting-Wahn gestellt hat. Auf der Bühne merkt man dem Dreißigjährigen seinen Hintergrund als «echter» Rockmusiker genauso an, wie den Drang, sein Superstar-Image zu durchbrechen: Im Licht der Scheinwerfer bewegt er sich lässig wie im Wohnzimmer, verliert sich zwischen den Songs jedoch in fahrigen, flapsigen Monologen, die irgendwo anfangen und nirgendwo hinführen – bis die ersten Fans schon «Singen! Singen!» rufen. Eine aalglatte Rockshow sieht anders aus.

Wenn er dann endlich singt, klingt seine Stimme nach drei Wochen Tour hörbar abgerieben, was allerdings in schönem Kontrast zum glatten, überraschungsarmen Poprock seiner fünfköpfigen Band steht. Klar, «Too Young To Grow Old» ist ein schöner Midtempo-Rocker, «When The Tears Are Falling» eine hübsche Kuschelballade und «Autopilot» zeigt wenigstens ansatzweise kompositorischen Einfallsreichtum.

Aber als die Band zum Schluss Elvis Presleys «Suspicious Minds» in Grund und Boden rockt, wird der Unterschied zwischen einem soliden und einem hervorragenden Song mit einem Schlag klar. Immerhin: Im lauen Tümpel des normierten Poprocks ist Godoj eine heiße Nummer.

Peter Gruner

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