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Ulf ist da: Nürnberg feiert die Literatur

Würze für die Buchstaben-Suppe: Das Festival der Unabhängigen Lesereihen - 13.09.2019 20:20 Uhr

Die wortreichen Sieben: Lara Sielmann, Tillmann Severin, Tristan Marquardt, Chris Möller, Clara Kopfermann, Ayna Steigerwald und Frederik Skorzinski (von links) haben das Unabhängige-Lesereihen-Festival (Ulf) organisiert. © Foto: Roland Fengler


 

Ulf, das ist das Festival der Unabhängigen Lesereihen, dessen erste Ausgabe noch bis morgen in Nürnberg stattfindet. Und mit dessen Hilfe eine frische Buchstaben-Brise hineinwehen soll in eine Stadt, in der die Literatur nicht die allergrößte Lobby hat, in der Autoren über mangelnde Infrastruktur, Förderung und Wertschätzung klagen. Über 25 Lesereihen aus dem deutschsprachigen Raum, die ihr Programm fernab von den Regeln und Konventionen der großen Institutionen gestalten, sind zu Gast, rund 100 Autoren treten auf.

"Warum hier?"

Es ist das erste Festival dieser Art. Eine der meistgestellten Fragen an die Organisatoren war im Vorfeld: "Warum Nürnberg?" (und ja, da schwingt wohl ein "ausgerechnet" mit). Weil es zentral liegt im Dreieck Deutschland, Österreich, Schweiz, und weil der Z-Bau ideale Voraussetzungen bietet für einen viertägigen Literatur-Marathon, der die Grenzen dessen, was man unter einer klassischen Lesung versteht, locker einreißt. "Unser Programm soll komplex und nahbar zugleich sein", sagte Tristan Marquardt vom siebenköpfigen Organisations-Team bei der gut besuchten Eröffnung.

Wie das aussehen kann, das zeigte das Nürnberger Duo Suppkultur. Das Konzept: Andreas Thamm setzt einen Topf Suppe oder Eintopf auf (im Z-Bau gab‘s Kartoffel-Zucchini), Stephan Goldbach spielt Kontrabass und beide zusammen empfangen einen oder mehrere Gäste, die nicht nur lesen, sondern auch beim Würzen des bis dahin noch recht naturbelassenen Gerichts helfen sollen.

Währenddessen werden die Autoren zu ihrer Arbeit befragt – an diesem Abend sind es Ronya Othmann aus München (nochmals zu erleben am heutigen Samstag um 18 Uhr), der aus Nürnberg stammende und in Braunschweig lebende Joshua Groß sowie der englischsprachige Elnathan John aus Nigeria. Die Texte sind bisweilen komplex, die Suppen-Performance ziemlich nahbar – Mission erstmal erfüllt.

Dass das Programm im Z-Bau und an verschiedenen Orten in der Innenstadt so üppig gestaltet werden konnte, liegt auch an den zahlreichen Förderern. Das Ulf-Team wurde unter anderem von der Kulturstiftung des Bundes, dem bayerischen Kunstministerium, dem Bezirk Mittelfranken und dem Nürnberger Kulturreferat unterstützt.

Die erkrankte Kulturreferentin Julia Lehner ließ die Botschaft überbringen, dass Literatur für die Kulturhauptstadtbewerbung 2025 eine bedeutende Rolle spielen soll. Das Festival, das sich nun freilich erst einmal beweisen muss, könnte Nürnberg jedenfalls tatsächlich auf die Landkarte der jungen, zeitgenössischen Literatur hieven, die nicht nur mit Worten spielt, sondern auch mit Neuen Medien, neuen Formaten, ungewöhnlichen Leseorten – und Brücken schlägt zu anderen Kunstformen.

Fortsetzung folgt hoffentlich. Und hoffentlich wieder in Nürnberg.

www.ulf-festival.de 

SUSANNE HELMER

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