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Via Livestream: Stadt Nürnberg hat ihre Kulturpreisträger gekrönt

Wegen Corona findet die Preisverleihung digital statt - 11.11.2020 21:39 Uhr

In der Tafelhalle hat der diesjährige Große Kulturpreisträger der Stadt Nürnberg, das Ensemble Kontraste (hier bei der Produktion "Karneval der Tiere" zusammen mit Thalias Kompagnons)seine Heimspiele. In der Tafelhalle wäre unter normalen Umständen auch die Verleihung der Kulturpreise gewesen. Doch wegen Corona weicht man in einen Video-Stream aus.

11.11.2020 © David Häuser


Während der im zweijährigen Turnus vergebene Große Kulturpreis der Stadt Nürnberg mit 10.000 Euro dotiert ist, gibt es für die fünf weiteren Preisträger je 4000 Euro. Die Preisverleihung durch Oberbürgermeister Marcus König und Kulturbürgermeisterin Julia Lehner wurde am Mittwoch, 19.30 Uhr, digital gesendet und kann hier noch einmal angesehen werden.

Wir stellen die Preisträger und Preisträgerinnen einzeln vor:

Großer Kulturpreis für das Ensemble Kontraste

Spielt auch in kleiner Besetzung und engen Räumen: das hochflexible Ensemble Kontraste.

11.11.2020 © Stephan Minx


Das Ensemble Kontraste wird heuer runde 30 Jahre alt. Doch feiern geht in diesem Jahr aus bekannten Gründen nicht. Zum Jubiläum gibt es für „Nürnbergs drittes Profi-Orchester“, wie sich die Formation gern selber betitelt, nun eine hohe Ehrung: Es erhält den Großen Kulturpreis der Stadt Nürnberg.

Entstanden aus einem harten Kern von vier jungen Musikern der Nürnberger Symphoniker, entwickelte sich ein hochflexibles und hochprofessionelles Kollektiv, das bei seinen Projekten von der Idee über die Planung bis zur Ausführung gern alles selber in der Hand hat.

So hat das rührige Orchester in drei Jahrzehnten bedeutende Spuren in so unterschiedlichen Sparten wie Schauspiel, Puppentheater – etwa die weltweit erfolgreiche „Zauberflöte“ mit Thalias Kompagnons“ –, Videokunst, Literatur sowie Bildende Kunst hinterlassen und zudem einen großen Schwerpunkt im Bereich Filmmusik gesetzt. Der führte das Ensemble unter anderem zur Berlinale (1997 mit Georg Wilhelm Pabsts „Die Büchse der Pandora“), zum Münchner Filmfest und ins Konzerthaus Wien.

Trotz der internationalen Nachfrage, trotz vieler Ehrungen und so renommierter Medienpartner wie ZDF und Arte, sind die Konzertreihe in der Tafelhalle sowie das dortige Dichtercafé ein wichtiger künstlerischer Hafen geblieben.

Der liegt wie viele andere Aktivitäten im Moment wegen Corona trocken, doch das Ensemble Kontraste blickt entschlossen optimistisch in die Zukunft und hat sich für die aktuelle Saison ein Motto von Pierre Boulez auf die Fahnen geschrieben: „Kultur braucht keine falsche Sicherheit, sondern offene Türen und ein Risiko.“ th

Edel Extra

Bei "Edel Extra" geht es gerne bunt zu. Hier präsentiert Initiatorin Sybille Körner das Werk "Car Wash II" von Johannes Kesting.

11.11.2020 © Roland Fengler


Aus einer winzigen alten Bäckerei heraus duftet es seit gut sechs Jahren nicht nach Semmeln und Gebäck, wohl aber nach der „Förderung ästhetischer Prozesse“ – zu diesem Zweck gründete sich 2014 ein Verein umtriebiger Kunst- und Kulturschaffender unterschiedlichster Professionen, um zu ergründen, was man alles so anstellen kann mit dieser Kunst.

Es folgten Lesungen, Ausstellungen, Aktionen und manchmal auch ein lautes Schweigen sowie der zunehmende Bekanntheitsgrad des fortan als „Edel Extra“ geliebten Vereins, der geschwind zum Salz in der Kultursuppe avancierte – und das erst mal blieb, bis der Duft der Ästhetik bis nach ganz oben durchgesickert war.

Um das Experimentierlabor ist es zwar seit dem Abtritt der schillernden Gründerväter und -mütter stiller geworden, nichtsdestotrotz erfreut es mit Formaten, von denen allein die Namen („Gemeinsam Scheitern an Adorno“) preisverdächtig sind.

Honoriert wird nun die „aktive Rolle in der Gestaltung des kulturellen Lebens“ sowie die Rolle des Vereins als „unersetzliche Brücke zwischen der Subkultur und den Institutionen der Hochkultur und Bildung“ sowie die Funktion als „Plattform für die Erprobung innovativer Kunstkonzepte“. Frischer Wind wär’ da, lüften muss man selbst. was

Kunstbunker

Buntes im Untergrund: Im Kunstbunker ist viel Zeitgenössisches zu sehen, zum Beispiel diese Ausstellung mit Werken der belgischen Künstlerin Leen Voet.

11.11.2020 © Kunstbunker


Wir können den Kunstbunker guten Gewissens als rattenscharfen Untergrund für zeitgenössische Kreativideen bezeichnen. Mit dem historischen Kunstbunker im Burgviertel hat die kahle, kühle Betonhöhle zwischen Künstlerhaus und Lorenzer Straße am Bauhof 9 nichts gemein.

Mit Absicht! Was ein Haufen Kunst-Idealisten und Galeristen da 1994 als gemeinnützigen Förderverein aus dem – beziehungsweise in den – Boden stampfte, beweist bis heute Mut. Köpfchen wie Sinnlichkeit darf man gerne mitbringen zu dem, was das wechselnde Kuratorenteam so auftischt – ohne dem Mainstream nachzurennen.

Gutes Beispiel ist die aktuelle Schau, in der sich Werke der 2015 verstorbenen Filmemacherin Chantal Akerman mit denen des Konzeptkünstlers Ion Grigorescu berühren wie die Fingerspitzen bei Michelangelo. Okay, ein wenig abstrakter. Noch bis 17. Januar. müc

Jan Bratenstein

Tritt musikalisch als "The Black Elephant" auf, ist aber tatsächlich solo unterwegs: Jan Bratenstein.

11.11.2020 © Stefan Schacher


Als Musiker ist der Mann eine Mogelpackung. The Black Elephant Band steht drauf, doch drin steckt keine Band, sondern nur er selbst. Wobei das „nur“ eine echte Untertreibung ist: Denn auch mutterseelenallein ist Jan Bratenstein ein bühnengestähltes Powerpaket.

Seine bärtigen BluesPunk-/Angry-Anti-Folk-Songminiaturen glänzen mit catchy Refrains und nerdig-schlauen Texten – und klingen ein wenig so, als würde der junge Bob Dylan zusammen mit Tenacious D erst in den Comicladen gehen und dann auf die Nacht im Irish Pub an der Ecke nach allen Regeln der Kunst abstürzen.

Wenn Bratenstein nicht gerade auf irgendeiner Bühne steht (wahlweise solo, mit seiner Punkband Average Pizza oder mit dem Singer-Songwriter-Kollektiv Folk’s Worst Nightmare), dann ist der 30-Jährige aus Nürnberg-Gloho (Glockenhof) Schriftsteller, Comic-Aktivist, Moderator (etwa des wunderbaren „Sing-in“-Projekts), Kurator und Initiator – und überhaupt ein Netzwerker vor dem Herrn. gnad

Philip Krömer

Schreibt nach eigenen Worten "sprachverspielt, experimentell, doppelbödig, vielschichtig, lustig, fordernd und grenzüberschreitend": Philip Krömer.

11.11.2020 © Foto: privat


Wie er schreibt niemand. Und das ist das vielleicht größte Kompliment, das sich über Philip Krömer schreiben lässt. Der 32-jährige Erlanger gehört zu den spannendsten literarischen Stimmen – nicht nur in der Region, sondern in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur überhaupt.

„Sprachverspielt, experimentell, doppelbödig, vielschichtig, lustig, fordernd und grenzüberschreitend. Das wären so ein paar Adjektive“, sagte Krömer selbst einst auf die Frage nach seinem Schreibstil.

In seinen beiden bisherigen Veröffentlichungen, dem fantastischen „Ymir“ und dem fantastischeren „Ein Vogel ist er nicht“, zeigte Krömer seinen unverwechselbaren Stil, voller Fabulierlust und Ironie.

Daneben treibt der Autor seit Jahren die literarische Szene an. Etwa als Mitverleger des homunculus Verlags oder als Kurator verschiedener Lesungsformate (digital wie analog). Eine unverwechselbare Stimme für die Literatur aus der Region. bb

Barbara Bess

Bekannt für ihre Performanceprojekte, die brachliegende Objekte erobern: Barbara Bess.

11.11.2020 © Barbara Bess


Körper und Raum – und die wechselseitige Wirkung dieser beiden Elemente aufeinander – sind die Basis für das künstlerische Arbeiten der Tänzerin und Choreographin Barbara Bess.

Durch ihre Performance-Projekte, mit denen sie gern brachliegende Orte erobert, hat sich die gebürtige Fürtherin längst einen Namen in der regionalen Tanzszene gemacht. Ihre poetische und ästhetisch innovative Handschrift setzt sie im Interesse eines spartenübergreifenden Austauschs zwischen Künstlern ebenso ein wie für Formate, die einen zeitgenössischen Diskurs auf neuen Wegen ermöglichen.

So verbindet die Choreographin Installation, Fotografie und Video mit der Ausdruckskraft von Körpern zu atmosphärisch aufgeladenen Räumen. Gerade erarbeitet Barbara Bess das Performance Lab „Innere Landschaften - ein Projekt ästhetisch-kultureller Bildung“. bin

nn Leben

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