Neustart nach Corona

Volles Programm: Wie die Nürnberger Symphoniker in der neuen Saison loslegen

Nürnberg , am 03.07.2020..Ressort: Feuilleton Foto: Stefan Hippel ..i. Haus,  Redakteur Thomas Heinold, Mitarbeiterportrait
Thomas Heinold

Kultur/ Leben

E-Mail

26.5.2021, 16:45 Uhr
Dirigiert Bruckner, Mahler und hat Mussorgksy neu arrangiert: Kahchun Wong, Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, ist in der Saison 2021/2022 vielfältig im Einsatz.

© Peter Roggenthin Dirigiert Bruckner, Mahler und hat Mussorgksy neu arrangiert: Kahchun Wong, Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, ist in der Saison 2021/2022 vielfältig im Einsatz.

Die große Feier zum 75. Geburtstag fällt nicht aus, sie wurde nur verschoben. Mit „75 + 1“ wollen die Nürnberger Symphoniker, die am 1. Juni 1946 als Fränkisches Landesorchester offiziell gegründet wurden, einen Teil der Feierstimmung in die neue Saison mitnehmen - und vor allem „die Freude am Musizieren“, wie Symphoniker-Intendant Lucius A. Hemmer bei der Programmvorstellung betont.

Seine Musik steht für Hochspannung und für politisches Engagement: Fazil Say. Die Nürnberger Symphoniker werden in der Saison 2021/2022 sein Cellokonzert mit dem programmatischen Titel "Never Give Up" aufführen.

Seine Musik steht für Hochspannung und für politisches Engagement: Fazil Say. Die Nürnberger Symphoniker werden in der Saison 2021/2022 sein Cellokonzert mit dem programmatischen Titel "Never Give Up" aufführen. © YASIN AKGUL

Eines der Highlights des durch Corona so dezimierten Jubiläumsjahres ziert nun die neue Saison gleich ziemlich zum Auftakt: der Auftritt der Pianistenlegende Gerhard Oppitz, der der Solist bei Brahms' 2. Klavierkonzert sein wird.


Die Nürnberger Symphoniker - 75 Jahre in Kurzform


Chefdirigent Kahchun Wong wird dazu noch die Partitur von Beethovens 4. Sinfonie aufs Pult legen – ein klassisch-romantisches Musikereignis im besten Sinne des Wortes soll das Publikum da am Tag der Deutschen Einheit, am 3. Oktober 2021, erleben.


Symphoniker laden zum Musiksommer im Serenadenhof


Hemmer geht davon aus, dass dann mindestens 500 Menschen in der Meistersingerhalle pandemietechnisch das Konzert besuchen dürfen. Er hofft aber auf 1000. Von „Konzerten nur für Geimpfte“, die inzwischen einige private Veranstalter anbieten, hält er nichts. Die Symphoniker würden sich lieber an der „3G-Regel“ orientieren, die von Seiten des Bundes für Kulturveranstaltungen vorgeschlagen werden: Zutritt solle gleichwertig möglich sein für „Geimpfte, Getestete, Genesene“.

Ebenfalls transferiert wurde das Neujahrskonzert, das jetzt „75, nein, 76 Jahre Musik erleben“ heißt. Mit Wong als Dirigent werden über sieben Jahrzehnte Musikgeschichte durchreist, u. a. mit Bernsteins 1. Konzertsuite aus der „West Side Story“, mit Auszügen aus Schostakowitschs 15. Sinfonie und mit Miklos Rozsas „Ben Hur“-Musik.

Ein Grammy im Jahr 1993

Die spielten die Symphoniker einst für den gleichnamigen Hollywood-Filmklassiker ein – ebenso wie Lee Holdriges Titelmelodie zur TV-Serie „Beauty and the Beast“, der dem Orchester 1993 einen Grammy in der Kategorie „Best Pop Instrumental Performance“ einbrachte.

Insgesamt aber sei die Konzertsaison 2021/2022 weitgehend neu geplant, betont Hemmer. Zu seinen persönlichen fünf Programm-Highlights zählt neben dem Auftritt von Gerhard Oppitz das Konzert mit dem australischen Beatboxer Tom Thum (16. Oktober).

Perkussion mit dem Mundwerk

Der imitiert alle möglichen und unmöglichen Schlagzeugsounds mit Mund, Nase und Rachen. Sein Landsmann Gordon Hamilton hat ihm dafür ein Konzert auf die Kehle geschrieben, außerdem bringt dieser seine Antarktis-Suite „Far South“ mit, in der sich Eindrücke von Mozartsinfonien, Walgesängen und Eiswinden unter Extrembedingungen vermischen.

Spielt in Fredrik Högbergs Violinkonzert mit sich selbst im Duett: Isabelle van Keulen.

Spielt in Fredrik Högbergs Violinkonzert mit sich selbst im Duett: Isabelle van Keulen. © Marco Borggreve

Auch das schon erwähnte Neujahrskonzert zählt Hemmer zu seinen Top Five, seine Nummer vier ist dabei das Konzert „Von der Muse geküsst“ (13. Februar 2022). Denn Frederik Högbergs Violinkonzert beinhaltet eine Live-Videoaufzeichnung, die dann für die Streicherin Isabelle van Keulen zur Vorlage fürs Duett mit sich selbst wird. Spielt sie erst Violine, so begleitet sie diese Sequenzen dann mit der Bratsche.

Ein weiteres Highlight für Hemmer ist die Aufführung von Mahlers 9. Sinfonie – seiner letzten vollendeten – durch Chefdirigent Wong (12./13. März 2022), der damit weiter am von ihm geschärften spätromantischen Profil der Symphoniker arbeitet.

Mussorgksy neu instrumentiert

Ebenso zu dieser Kreativ-Baustelle zählt Bruckners 7. Sinfonie (16. Januar 2022), darüber hinaus präsentiert sich der gebürtige Singapurer als Arrangeur: Mussorgkys berühmte „Bilder einer Ausstellung“ hat er neu orchestriert, das Werk kommt mit dem Singapore Chinese Orchestra, ebenso wie Wong zur chinesischen Community Singapurs zählend, zur Uraufführung (7. Mai 2022).

Beethovens Neunte als Vollversammlung

Zum Ende der Saison wird Wongs fünfjähriger Chefdirigenten-Vertrag auslaufen, wie es dann weitergehen soll, werde derzeit verhandelt, so Hemmer, der dabei optimistisch in die Zukunft schaut. Das gilt auch für das Community-Projekt „Beethoven@mittendrin!“, bei dem Wong als Dirigent räumlich im Mittelpunkt der Aufführung von Beethovens berühmter 9. Sinfonie steht.

Das Community-Konzert "Beethoven@Mittendrin!" versammelt Musiker, Publikum und Chöre rund um Beethovens Neunte Sinfonie und Chefdirigent Kahchun Wong. Das geht natürlich nur ohne Social Distancing, deshalb ist das Konzert auch erst für den 12. Mai 2022 terminiert.

Das Community-Konzert "Beethoven@Mittendrin!" versammelt Musiker, Publikum und Chöre rund um Beethovens Neunte Sinfonie und Chefdirigent Kahchun Wong. Das geht natürlich nur ohne Social Distancing, deshalb ist das Konzert auch erst für den 12. Mai 2022 terminiert.

Um ihn herum gruppieren sich kreisförmig die Musiker der Symphoniker, dann die Kinder, dann das erwachsene Publikum, auf der Empore stehen schließlich Mitglied diverser Chöre der Region. Auch die Nürnberger Musikhochschule ist bei dem Projekt, das im Erfolgsfall zum Festival ausgebaut werden soll, mit von der Partie.

Sie ist die Solistin bei Fazil Says Cellokonzert "Never Give Up": Camille Thomas tritt damit bei den Nürnberger Symphonikern am 21. November 2021 auf.

Sie ist die Solistin bei Fazil Says Cellokonzert "Never Give Up": Camille Thomas tritt damit bei den Nürnberger Symphonikern am 21. November 2021 auf.

Terminiert ist dieses besondere Projekt auf den 12. Mai 2022. Hemmer hofft, dass es bis dahin keinerlei Corona-Restriktionen mehr gibt, denn bei diesem Konzert könne man nur sagen, es finde „ganz oder gar nicht“ statt. Auf dass „Freude schöner Götterfunken“ dann auch den Sieg über die Pandemie bedeutet.

Weitere Informationen, die Möglichkeit zum Kartenvorverkauf sowie Informationen zum nach wie vor ruhenden Abonnement sowie den Pandemieregeln gibt es ab sofort unter www.nuernbergersymphoniker.de

Verwandte Themen


Keine Kommentare