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Was ist maßvoll? Die "Bierkrug-Aktion" des Papiertheaters Nürnberg

Persönlichkeiten wie Ulrich Maly und Renate Schmidt gaben dem Künstler Interviews - 05.04.2021 17:06 Uhr

Der Künstler Johannes Volkmann verschenkt 100 limitierte Bierkrüge - gegen die Antwort "Was ist maßvoll?", die er auf Bierfilzen entgegennimmt.

05.03.2021 © Rudi Ott


Biermaßen sind nicht alles, aber ein maßgeblicher Teil in der jüngsten Kunst von Johannes Volkmann. „Was ist maßvoll?“ lautet die Frage seiner aktuellen Aktion, mit der er Menschen in Bayern anregt, beim Zuprosten über Wesentliches nachzudenken. Und zwar durchaus über den Stammtisch hinaus.

Wie berichtet, dürfen sich Interessierte beim Nürnberger Künstler melden. Sie bekommen kostenlos einen Bierkrug zugeschickt, auf dem „Was ist maßvoll?“ steht. Beigefügt sind Bierfilze, um Gedanken darauf zu formulieren. Im Sommer sollen eine Ausstellung und ein Theaterstück das Ergebnis vor Augen führen.

Wie Kinder die Welt sehen

Seit 25 Jahren beschäftigt sich Volkmann mit der „Gesellschaftsinszenierung“. Bereits vor der „Maßvoll“-Aktion hat sich Volkmann mit Menschen aus dem fränkischen Kulturbetrieb Gedanken darüber gemacht, ob und wann das Maß voll ist. Dazu hat der Künstler jetzt ein Leporello veröffentlicht, das die künstlerischen Abenteuer seines „Papiertheaters“ zwischen bildender und darstellender Kunst seit 1995 veranschaulicht.

Helle Köpfe wie Nürnbergs Ex-OB Ulrich Maly oder SPD-Galionsfigur Renate Schmidt, aber auch Theaterintendanten und andere Protagonisten des Kulturbetriebs machen sich in Gesprächen Gedanken über Themen, die der Rede wert sind.

Bilderstrecke zum Thema

So ein Papiertheater! Das Projekt des Künstlers Johannes Volkmann wird 25

Sein Atelier hat er in der Nürnberger Nordstadt, mit seinen Ideen reist er in die Welt.


In der „Gesellschaftsinszenieurng“ geht es zum Beispiel viel um die natürliche Wahrnehmung aus „naiver“, dabei womöglich authentischer Kindersicht auf die Welt.

Eine Stärke der Publikation ist: Die Interviewpartner stellen dem Künstler durchaus kritische Gegenfragen. Etwa, wenn Ulrich Maly über Volkmanns Idee vom „Weltgericht der Kinder“ sagt: „Ich glaube, dass Kinder eigentlich gar nicht so sehr nach Schuld suchen und nach Sühne gieren – das ist vermutlich eine Verhaltensweise, die wir uns als Erwachsene aneignen – , sondern dass sie einfach versuchen wollen, die Sehnsucht nach einer besseren Welt in Wort zu fassen.“

Die Abenteuer des Nürnberger Papiertheaters zwischen bildender und darstellender Kunst lassen sich jetzt als Leporello entfalten.

01.04.2021 © Rudi Ott


Renate Schmidt gibt Volkmanns Idee eines Kinderparlaments mit auf dem Weg: „Das darf auf keinen Fall so eine Veranstaltung werden, wo sich dann der oder die jeweilige Oberbürgermeister oder Oberbürgermeisterin hinstellt und sich mit den Kindern fotografieren lässt, und das war´s dann wieder für dieses Jahr. Es muss also im Prinzip eine gewisse Nachhaltigkeit da sein.“

Volkmanns „Gesellschaftsinszenierung“ setzt auf diese Nachhaltigkeit. Weil er Menschen quasi von der Straße weg mit ins Boot holt, indem er ihre Meinungen, Sehnsüchte, Visionen erfragt. Er bringt sie spielerisch mit auf die „Bühne“ der Öffentlichkeit und nimmt sie ernst.

"Was ist unbezahlbar?"

Nicht nur auf dem Nürnberger Hauptmarkt stieß seine Aktion „Was ist unbezahlbar?“ über die Ware der „wahren Werte“ im Jahr 2009 auf redliche Resonanz. Auch eine „Weltgipfelkonferenz der Kinder“ erwuchs aus diesem Projekt.

In der Publikation sind Fotografien von seinen Stationen in Kuala Lumpur 2017 oder im Germanischen Nationalmuseum 2018 abgebildet. Als Mann zwischen allen Papieren und Stühlen war Volkmann in Israel ebenso unterwegs wie in Afrika, auf dem Balkan und in Osteuropa.

Künstler Johannes Volkmann

05.03.2021 © Hans-Joachim Winckler


Nichts ist starr in seinem Kunstverständnis, „Der Prozess ist Kunst“ lautet ein Motto auch dieser Publikation, der viele Leser zu wünschen sind.

Die erste Serie seiner limitierten Bierkrüge mit dem Slogan „Was ist maßvoll?“ war rasch weg und wurde nachproduziert. Man muss sich die Lektüre des Leporellos nicht schön trinken. Aber wer an Volkmanns maßvollem Trink- und Fragespiel teilnehmen will, darf sich melden und beim Künstler willkommen fühlen.

Info
Kontakt für die Bierkrug-Aktion „Was ist maßvoll?“ unter
volkmann@daspapiertheater.de.
Die Publikation „Gesellschaftsinszenierung“ enthält als Leporello Gespräche mit Gerti Köhn, Christoph Leibold, Friederike Engel, Werner Müller, Helga Riedel, Markus Kosuch, Ulrich Maly, Florian Dierl, Julia Lehner und Renate Schmidt. Das Faltbuch ist im Verlag Erlesene Bücher erschienen und unter anderem in der Buchhandlung
Walther König am Neuen Museum Nürnberg in der Luitpoldstraße 5 erhältlich. Signiert und limitiert kostet es 22 Euro.

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