24°

Sonntag, 05.07.2020

|

zum Thema

Welt in Flammen: Der Münchner "Tatort" im Check

Schreckliches Ereignis sorgt im neuen Fall für Entsetzen - 07.06.2020 17:22 Uhr

Batic (Miroslav Nemec), Kalli (Ferdinand Hofer) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) müssen in "Lass den Mond am Himmel stehn" den rätselhaften Mord an einen 13-jährigen Jungen aufklären.

© Bavaria Fiction GmbH / BR / Hendrik Heiden


Was man wissen muss: Judith Kovacic (Laura Tonke) ist Mutter eines 13-jährigen Sohnes. David (Lenn Kudrjawizki), ihr zweiter Ehemann, arbeitet als Chirurg in einer Klinik. Zu dritt führen sie ein finanziell sorgenfreies und glückliches Leben in einem adretten Anwesen am Rande Münchens. Eines Morgens geht die heile Welt der Kovacics jedoch von einem Moment auf den anderen in Flammen auf. Denn Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) teilen den Eltern mit, dass ihr Kind tot ist.

Was noch wichtig ist: Emil (Ben Lehmann) wurde erschlagen, in eine Rettungsdecke gewickelt und dann in die Isar geworfen. An einem Waldparkplatz, der der Polizei als Treffpunkt für anonymen Sex bekannt ist und einige Kilometer entfernt vom Fundort der Leiche liegt, stellen die Beamten das Fahrrad des Jungen sicher. Hier endet auch die Handyspur des Teenagers. Das Gerät bleibt zunächst verschwunden. Münchens ergraute Aufklärer sind zwar erleichtert, als nach der Obduktion feststeht, dass kein sexueller Missbrauch stattfand. Dennoch fragen sie sich, was der 13-Jährige dort zu suchen hatte?

Was jetzt passiert: Einer der letzten, der Emil lebend gesehen hat, ist dessen Nachbar Basti Schellenberg (Tim Offerhaus). Die Familien der beiden Kinder sind gut miteinander befreundet, was zur Folge hat, dass Antonia und Martin Schellenberg über Emils Tod mindestens genauso schockiert sind wie dessen Eltern. Aus Ermangelung an wirklich heißen Spuren landen Batic und Leitmayr, denen der Fall sichtlich aufs Gemüt schlägt, immer wieder bei den zwei Familien, kauen mit ihnen die letzten Erinnerungsfetzen an die Tatnacht durch und verhelfen somit einer unfassbaren Tragödie Stück für Stück ans Tageslicht.

Bilderstrecke zum Thema

"Lass den Mond am Himmel stehn": Der Münchner-"Tatort" in Bildern

Im letzten "Tatort" vor der Sommerpause suchen Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) den Mörder eines kleinen Jungen.


Was sonst so hängen bleibt: Als Jugendlicher versuchte sich Franz Leitmayr am Bau von Lautsprecherboxen und Ivo Batic verbindet mit seiner Schulzeit keine guten Erinnerungen.

Das Zitat des Films: Franz Leitmayr erweist sich als ein Kenner Voltaires und bemüht dessen Zitat "Den Lebenden schuldet man Respekt, aber den Toten schuldet man nichts als die Wahrheit".

Die erste Randnotiz des Films: Palindrome sind Wörter, Wortfolgen oder Sätze, die rückwärts gelesen den gleichen Text oder wenigstens einen Sinn ergeben.

Die zweite Randnotiz des Films: Dieser Münchner "Tatort" ist eigentlich ein österreichischer. Denn Regisseur Christopher Schier, Kameramann Thomas W. Kiennast sowie die beiden Autoren Stefan Hafner und Thomas Weingartner tragen allesamt einen rot-weiß-roten Pass in der Tasche.

Die Beobachtung des Films: Das Buch, das Hannah stets bei sich hat und in dem sie ein Foto ihres Liebsten aufbewahrt, heißt "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins", stammt von Milan Kundera und wurde wenige Jahre nach seinem Erscheinen 1988 hochkarätig besetzt verfilmt.

Unser Fazit: "Lass den Mond am Himmel stehn" ist ein trauriger "Tatort", in dem die sorgsam eingefangenen Bilder beeindrucken. Sie bringen den Film zum Schweben und verleihen ihm trotz all der Tragik etwas Schönes, Malerisches. Allein das lässt dieses Drama hinter hübschen Fassaden zu einem wirklich sehenswerten letzten Fall vor der Sommerpause mutieren. Zum Schluss setzen die Autoren ihrem intelligenten Krimi mit einem Kniff aber sogar noch die Krone auf. Dann stehen Kommissaren wie Zuschauern vor Verwunderung die Münder offen. Eins.

Bilderstrecke zum Thema

So viel würden Tatort-Ermittler im echten Leben verdienen

In einer der beliebtesten deutschen Fernsehsendungen decken Sie Morde auf und Jagen Verbrecher: die Tatort-Kommissare. Dabei machen sie fast immer einen guten Job. Lesen Sie hier, wie viel die Ermittler im echten Leben für ihre Arbeit verdienen würden.


Michael Rosmann Nordbayern.de E-Mail

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur