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Wie im Märchen: So schön ist Frankens wilde Natur

Der Bildband eines renommierten Fotografen rückt unsere Heimat in den Fokus - 12.04.2021 17:35 Uhr

Der Schwingbogen im Streitberger Wald in der Fränkischen Schweiz ist Teil eines Höhlensystems, das im Laufe der Zeit eingebrochen ist.

08.04.2021


Herr Rosing, Sie haben bereits Bildbände aus der Arktis und aus dem berühmten Yellowstone-Nationalpark in den USA veröffentlicht. Was hat Franken, was diese Regionen nicht haben?

Rosing: Das mag Sie überraschen, aber inzwischen kann ich sagen: Franken – zumindest seine Gegenden, die ich besucht habe, – ist einzigartig. Wenn die in den USA lägen, ich würde extra hinfliegen.

Das hört der Franke gern... in welchen Ecken sind Ihre Aufnahmen entstanden?

Rosing: In der Fränkischen und Hersbrucker Schweiz, im Fichtelgebirge und im Steinwald – gut, Letztgenannter gehört bereits zur Oberpfalz.

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Rosing: Wie die Jungfrau zum Kind. Vor ein paar Jahren habe ich eigene Naturfotografien aus ganz Deutschland in Nürnberg ausgestellt. Die Leute kamen rein und sagten: Hier fehlt die Fränkische Schweiz. Meine vorschnelle Antwort: Die kenne ich, da gibt es Äcker und Wälder, aber nichts, was mich umhaut. Ich habe mir trotzdem einen Wanderführer gekauft. Bei meiner ersten Tour stand ich dann vor einem dieser spektakulären Steinbögen und fragte mich: Warum kannte ich das nicht? Ich war sofort infiziert.

Felsformationen, Steine, Höhlen? Ist es das, was Sie so begeistert?

Rosing: Ja, hier gibt es Höhlen wie in Asien. Wie wunderbar diese Orte sind, sieht man erst, wenn man sie ausleuchtet. Eine einfache Funzel ist da zu wenig, ich hatte immer ein Licht-Panel dabei. Dann offenbaren sich dank Algen und Sinter intensive Farben wie Grün, Orange, Schwarz. Das sind absolute Zauberwelten. Eigentlich sollte man gar nicht zu viel Werbung dafür machen...


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Was waren Ihre Lieblingsecken?

Rosing: Alles rund um Muggendorf in der Fränkischen und Königstein in der Hersbrucker Schweiz. Übrigens: Ohne die Zusammenarbeit mit Bernhard Pabst, dem der Wanderführer "Vergessene Pfade" zu verdanken ist, wäre mein Band nicht entstanden. Viele dieser Naturschönheiten sind nämlich gar nicht so leicht zu finden und obendrein noch schwer erreichbar – ich trug immer Spikes an den Schuhen.

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Daher der Buchtitel "Verborgen"?

Rosing: Ja. Bei meinen Touren musste ich mehrmals feststellen, dass selbst Einheimische nicht alles kennen. Einmal habe ich einen Wirt gefragt, wo denn dieser eine Steinbogen sei. Kenne er nicht, war die Antwort. Ich fand ihn dann wenige hundert Meter hinter seinem Haus.

Was waren Ihre Lieblingsmotive?

Rosing: Spontan fallen mir das Quackenschloss bei Muggendorf ein, der Hohle Fels bei Happurg oder die Fuchslöcher im Aufseßtal.

Was macht ein gutes Naturfoto aus?

Rosing: Die Stimmung. Ich brauche das Wetter, das andere nicht brauchen können. Wenn es im Radio heißt, schlechtes Wetter, bleibt zuhause, dann packe ich mein Auto. Weil dann weniger Wanderer und Kletterer unterwegs sind. Und weil bei Nebel, Dunst, Regen oder Schnee die besten Bilder entstehen. Absolut verheerend ist blauer Himmel. Als im Februar so viel Schnee lag, war ich wieder in Franken. Ein Märchenland! Leider kamen diese Fotos zu spät für das Buch.

Wann drücken Sie auf den Auslöser?

Norbert Rosing, 67, zählt zu den renommierten deutschen Naturfotografen. Seine Bildserien erschienen in Magazinen wie GEO und National Geographic. Aufgewachsen ist er im Münsterland, heute lebt er mit seiner Frau in Oberbayern.

08.04.2021 © Foto: Elisabeth Rosing


Rosing: Es muss zuerst im Kopf Klick machen. Das Motiv muss so sexy sein, dass ich mein Stativ aufbaue. Dann stelle ich mir die Frage: Farb- oder Schwarzweiß-Aufnahme? Anschließend versuche ich, den Charakter des Felsens oder der Höhle so ins Bild zu setzen, dass die Höhle hinterher zu mir sagen könnte: Das hast du gut gemacht.

Wie lange haben Sie an "Verborgen" gearbeitet?

Rosing: Drei Jahre, in denen ich außer einer Mexiko- und einer USA-Reise tatsächlich fast nichts anderes gemacht habe. In Muggendorf und in Königstein hatte ich Stamm-Hotels. Ich habe Buch geführt: Ich war 65 Mal in Franken – immer dann, wenn das Wetter für mich gepasst hat. Von meinem Haus am Ammersee aus sind es knapp über 200 Kilometer. Ein Katzensprung.

Haben Sie sich in Franken verliebt? Es klingt ein bisschen so...

Rosing: Total. Ich wiederhole mich. Diese Gegenden sind einzigartig. Ich habe nirgendwo sonst etwas Vergleichbares gesehen.

Verborgen, Naturschätze der Fränkischen Alb, Tecklenborg Verlag, 144 Seiten, 90 Abbildungen, 38,50 Euro, ISBN 978-3-944327-86-0

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