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Würzburg: Riemenschneider trifft Veit Stoß

Museum am Dom zeigt Münnerstädter Meisterwerke der fränkischen Bildhauer - 07.12.2019 07:59 Uhr

Ein Blick in die Riemenschneider/Stoß-Ausstellung im Würzburger "Museum am Dom". © Michaela Schneider


Es ist das Jahr 1490. Der Stadtrat von Münnerstadt, einer wohlhabenden Stadt an der Handelsstraße zwischen Nürnberg und Erfurt, beauftragt Tilmann Riemenschneider, einen neuen Hochaltar für die Pfarrkirche St. Maria Magdalena zu fertigen. 1492 schließt der Würzburger Bildhauer die Arbeit an dem zwölf Meter hohen Werk ab, dieses wird ohne Fassung aufgestellt.

Wenige Jahre später hält sich mit Veit Stoß gerade ein anderer Bildhauer bei seiner Tochter in Münnerstadt auf. Aus Nürnberg musste er zuvor fliehen, nachdem er einen Schuldschein gefälscht hatte und aufgeflogen war. Wie es die Fügung will, beauftragt der Münnerstädter Stadtrat nun Veit Stoß, die Holzskulpturen des neuen Altars zu bemalen und vier Tafelbilder mit der Kilianslegende zu fertigen. Und so kreuzen sich in Münnerstadt bis heute die Wege zweier der bedeutendsten Bildhauer der Spätgotik. Persönlich begegneten sich die beiden Männer wohl nie.

Restaurierung der Kirchenfenster

"Riemenschneider X Stoß. Schnittpunkt Münnerstadt" ist jetzt eine neue Sonderausstellung im Würzburger Museum am Dom überschrieben. Zu sehen sein wird sie bis Ende August 2020. Der Zeitraum ist länger als sonst üblich, aus praktischem Grund, denn Ausstellungsanlass ist die Restaurierung der mittelalterlichen Farbfenster im Chor der Münnerstädter Pfarrkirche. Dafür mussten die Werke von Riemenschneider und Stoß ausgelagert werden – und statt sie "nur" zur Sicherung ins Depot zu stellen, entschied man sich für eine Sonderausstellung.

Den sonst hoch oben im Kirchenraum platzierten Kunstwerken inklusive der vier farbenprächtigen Veit-Stoß-Tafeln und einiger Riemenschneider-Werke können Besucher nun auf Augenhöhe begegnen. Um den Ausstellungsraum im Untergeschoß im Museum am Dom nicht für einen zu langen Zeitraum zu blockieren, hat Diözesankonservator und Ausstellungskurator Wolfgang Schneider "Riemenschneider X Stoß" – farblich und durch hohe Stellwände auch räumlich abgetrennt – inmitten der Dauerausstellung platziert. Bei der Gestaltung arbeitete er mit dem jungen Team des Würzburger "bungalow kreativbüro" zusammen – und so präsentiert sich das Museum am Dom außergewöhnlich frisch, zeigt erstmals Mut zur Wandfarbe und durchdesignten Textelementen.

Bei der Ausstellungstour erfahren die Besucher Biographisches über die Bildhauer Riemenschneider und Stoß, auch Hintergründe zur erwähnten Urkundenfälschung sind ausgeführt. Es geht um Münnerstadt um 1500, Hintergründe zur Altarentstehung, den Glauben der Menschen im Spätmittelalter und die Bedeutung prachtvoller Altäre in jenen Tagen. Zu sehen sind – allerdings in Kopie – auch Druckgrafiken von Veit Stoß. Originale könnte sich das Diözesanmuseum kaum leisten, diese zählen zu den großen Seltenheiten. Zehn Motive von Veit Stoß sind heute noch bekannt, von denen 15 Abzüge erhalten blieben.

Elisabeth und Kilian

Der eigentliche Blickfang sind aber – natürlich – die großen Figuren und Tafel aus der Münnerstädter Pfarrkirche. Die "Elisabeth von Thüringen" – in sich gekehrt, mit dem Anmut einer Königstochter – entspricht wohl am intensivsten jener künstlerischen Handschrift, die man heute mit Riemenschneiders Werken verbindet. Die Figur das Kilian, Patron des Landesherrn, blickt selbstbewusst und mit gerechter Strenge auf die Gläubigen – oder nun auf die Ausstellungsgäste.

Interessant sind bei den fünf Figuren (zudem Gottvater mit dem Leichnam Christi, Johannes der Evangelist und Johannes der Täufer) aus Lindenholz nicht nur die bekannten Vorderansichten, sondern auch die Innen- und Hinteransichten wie auch der nahe Blick, vor dem nun – anders als sonst in erhabener Altarhöhe – selbst die vielen Holzwurmspuren nicht länger verborgen bleiben.

InfoDas Würzburger Museum am Dom ist ganzjährig von Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.

MICHAELA SCHNEIDER

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