Zarte Geschichte: "Der Besuch" im Theater Pfütze

14.11.2016, 15:18 Uhr
Emil will nur spielen, aber für Elise ist er ein ungewohnter Eindringling. Bis sie merkt, wie lustig es zu zweit sein kann.

Emil will nur spielen, aber für Elise ist er ein ungewohnter Eindringling. Bis sie merkt, wie lustig es zu zweit sein kann. © Foto: Wolfgang Keller

Elises trautes Heim ist bestens aufgeräumt. Die alte Dame mit dem grauen Dutt vertreibt sich die Zeit gern mit Wischen: Über der Gardinenleiste, auf dem Tisch, am Stuhl. Das Staubtuch hat sie immer griffbereit in der Schürzentasche. Nur das Lüften fällt ihr ein bisschen schwer, denn dann dringt die Welt in ihre kleine Wohnung. Kindergeschrei und Vogelzwitschern – alles nicht ganz geheuer. Elise scheut sich vor dem Draußen, denn da warten ungewohnte Dinge.

Fröhlicher Eindringling

Ziemlich grau in grau ist Elises Zimmer. Doch eines Tages bläst der Wind einen himmelblauen Papierflieger durchs offene Fenster, der ungefragt auf den Dielen liegenbleibt. Elises kleine Welt ist aus den Fugen. Und dann kommt da noch Emil reingestürmt — knallblaues Shirt, rote Hose — und macht Geräusche wie ein Flieger. Und er steigt auf den Stuhl mit seinen Straßenschuhen, will dann auch noch aufs Klo...

Elise ist fassungslos — und verbrennt den gesuchten Papierflieger schnell im Putzeimer. Doch das hilft nicht wirklich gegen Emil, der fröhlich in die Ruhe bricht.

Das Pfütze-Team um Regisseur Jürgen Decke hat die schlichte Geschichte aus Antje Damms Bilderbuch mit Fantasie und Farbe umgesetzt: Rund um die Bühne stehen auf Ständern wundersame Geräuschemacher wie eine Rührmaschine, eine Spieldose und eine Kuckucksuhr. Andreas Wagner, der Bühnenbildner, Erzähler und Tonmeister in einem ist, lenkt auch die Videokamera, die mal einen Blick ins Publikum wirft, als Elise zu viel Angst vor den Menschen hat, oder wirbelnde Papierflieger projiziert, als sie Albträume verfolgen. Er pustet auch Farbpuder aufs Papier, das per Projektion allmählich Elises Welt bunter macht.

Christine Janner als schüchterne Omi und Thomas Bosch als vergnügt reinstolpernder Emil brauchen fast keine Worte, um von der allmählich entstehenden, ungewöhnlichen Freundschaft zwischen Jung und Alt zu erzählen. Dafür gibt es witzige Effekte wie bei Elises Suche nach dem richtigen Buch zum Vorlesen: Das hohe Regal steht imaginär zwischen Bühne und Publikum, das Buch schwebt an der langen Stange zu Elise. Zarte Töne und eine kleine, feine Geschichte — „Der Besuch“ ist einen Besuch wert.

Nächste Vorstellungen: 19./20. und 26./27. November sowie 1., 3., 4. Dezember, Karten-Tel.: 09 11/ 216 27 77 (ZAC-Rabatt).

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