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ZDF zeigt Doku über Albrecht Dürer

Film fragt: "Wie war der Nürnberger Maler wirklich?" - 04.09.2019 16:38 Uhr

Mit 29 Jahren malt Albrecht Dürer (Jakob Tögel) sein legendäres Selbstporträt. © Foto: Iris Kreidel/ZDF


Er war ein Genie, schon zu Lebzeiten berühmt und gilt bis heute als einer der größten Künstler der Renaissance: Albrecht Dürers Kunst kennt fast jeder – die "Betenden Hände", den "Feldhasen" oder die Selbstporträts. Er betrat in vielerlei Hinsicht Neuland, malte schon als 13-Jähriger das erste Selbstbildnis eines Kindes in der Kunstgeschichte, später das erste Aktbild nach einem lebenden Vorbild. Er war der erste, der mit seiner Druckgrafik für das Massenpublikum produzierte und entwickelte das erste Logo der Designgeschichte.

Unzählige Publikationen sind über den Meister aus Nürnberg, der von 1471 bis 1528 lebte, bereits erschienen. Jetzt zeigt das ZDF in der Reihe "Terra X" eine Dokumentation über "Albrecht Dürer – Superstar". Kurzweilig und pointiert wird darin der Frage nachgegangen, wer Dürer wirklich war. Dafür reiste Filmemacher Christian Stiefenhofer nach Wien, wo in der Albertina viele Dürer-Werke verwahrt werden, nach Cambridge, wo Professor Joseph Koerner seine jungen Studenten am alten Meister schult, und natürlich nach Nürnberg, wo mit Thomas Eser am Germanischen Nationalmuseum (und bald als Direktor der städtischen Museen) ein ausgewiesener Dürer-Experte arbeitet. Eser war auch Mitkurator der großen Dürer-Ausstellung, die vor einigen Jahren im Germanischen Nationalmuseum zu sehen war.

"Nürnberg ist zur damaligen Zeit ein Schmelzpunkt der Kulturen und Ideen. Die Welt vor der Haustür hat die Neugier des Jungen geweckt", erklärt Eser den Wissensdrang des jungen Albrecht Dürer, der dank seiner "produktiven Unzufriedenheit" zu einem Perfektionisten heranreift.

Mindestens ebenso groß wie sein Talent war sein Selbstbewusstsein in der Kunst und im persönlichen Auftreten. Ein Geck? "Mit seinen Locken und dem Pelz, den er gerne trug, ging er in seiner Selbstdarstellung wohl vielen Nürnbergern damals zu weit", meint Anja Grebe, die eine Dürer-Biografie geschrieben hat.

Experten-Einschätzungen wechseln sich in dem 45-minütigen Film ab mit Spielszenen sowie Besuchen in Bibliotheken oder Museumsdepots, wo Briefe oder Gemälde Dürers verwahrt werden. Nebenbei wird erklärt, wie Wissenschaftler versuchen seine Zeichnungen durch die genaue Untersuchung der verwendeten Tinte zu datieren.

Bald große Ausstellung in Wien

Jakob Tögel spielt den rebellischen Künstler, auch seine Frau und Managerin Agnes und sein Freund Willibald Pirckheimer werden in den Spielszenen lebendig.

Große Dürer-Ausstellungen sind rar, weil die empfindlichen Zeichnungen nur alle zehn Jahre ans Licht dürfen und die mehr als 500 Jahre alten Gemälde oft nicht mehr reisefähig sind. Deswegen dürfte die große Albrecht-Dürer-Schau, die am 20. September in der Wiener Albertina startet, eines des Kunst-Highlights des Jahres werden. Mehr als 200 Zeichnungen und Gemälde werden zu sehen sein, darunter der berühmte "Feldhase", "Das große Rasenstück" und die "Betenden Hände". Die wurden schon tausendfach reproduziert und haben es, wie der ZDF-Film zeigt, sogar auf den Grabstein von Andy Warhol geschafft.

InfoDer Film läuft am Sonntag, 8. September, 19.30 Uhr im ZDF. In der Mediathek steht er bereits ab dem heutigen Mittwoch. 

BIRGIT RUF

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