16°

Samstag, 11.07.2020

|

zum Thema

Zuschauen beim Zocken

Die YouTube-Reihe "Let’s Play Showmasters" verbindet Computerspiele mit analoger Kleinkunst - 09.06.2020 11:00 Uhr

Unterstützt von einer Live-Band und einer Gamemasterin spielt sich der Fürther Tausendsassa Tim Steinheimer (rechts) vor Publikum durch ein Computerspiel. © Foto: Kathinka Schroeder


Dieses beliebten Formats hat sich nun Tim Steinheimer angenommen und es um Elemente von Late-Night-Show, Stummfilmvertonung und Kleinkunstabend erweitert. Das Ergebnis nennt sich "Let’s Play Showmasters" und ist zur Abwechslung mal wirklich innovativ. Die erste Staffel ist frisch online gegangen.

Tim Steinheimer kennt man als Musiker, Moderator und emsigen Netzwerker im Nürnberger Großraum. Sein Studium der Szenischen Künste hat den jungen Mann aus Fürth nach Hildesheim verschlagen, was ihn aber nicht davon abhält, weiterhin regelmäßig in der alten Heimat künstlerisch aktiv zu sein – wie jetzt mit dem neuen Showformat "Let’s Play Showmasters", das eine Brücke zwischen analoger und digitaler Welt schlägt – von der Kleinkunstbühne hinein ins Internet.

Und das geht so: Tim Steinheimer betritt die Bühne, wo ein unbekanntes Computerspiel auf ihn wartet. Kein Blockbuster, sondern kleine, eher unbekannte und tendenziell schrullige Indie-Games wie das Rätselspiel "Donut County", wo man ein alles verschlingendes Loch durch eine amerikanische Kleinstadt steuern darf, oder "Octodad", bei dem zwei Spieler gemeinsam einen Oktopus lenken, der unerkannt in einer menschlichen Familie lebt.

Assistiert von Gamemaster Nadiah Riebensahm legt Steinheimer los und kommentiert sein Tun. Der Clou: Die Tonspur des Spiels ist leise gedreht, dafür spielt eine Liveband, hochkarätig besetzt mit Dominik Back am Schlagzeug, Julia Fischer an den Tasten, Luna Burkert an der Querflöte und Ferdinand Roscher am Kontrabass. Munter improvisieren die Musiker zu den Gaming-Versuchen an PC und Playstation, ganz so, als gelte es, einen Stummfilm zu vertonen. Steinheimers Part ist der des ahnungslosen Gamers. Tatsächlich kennt er die Spiele beziehungsweise die vorbereiteten Szenen nicht oder hat sie höchstens mal ganz kurz angespielt – weshalb es auch passieren kann, dass er vor laufender Kamera schlimm versagt. Doch Spaß, Humor und Ironie werden groß geschrieben bei diesem flotten, originellen Projekt, das letzten Herbst prompt mit dem Deutschen Multimediapreis ausgezeichnet wurde.

Drei Jahre haben Steinheimer und sein inzwischen 25-köpfiges Team an der Idee gebastelt, Live-Show und Gaming zusammenzubringen. Für die Aufzeichnung der ersten Staffel mieteten sie die Kulturfabrik Löseke in Hildesheim an und zeichneten dort vor Publikum an zwei Abenden acht Episoden auf: fünf halbstündige und drei jeweils zehnminütige Folgen von "Let’s Play Showmasters", die nun auf YouTube kostenlos geguckt werden können.

Aktuell hirnt das Kollektiv, wie es mit dem Format weitergehen kann. Denkbar ist, in abgespeckter Version auf Tour zu gehen oder es im Audioformat aufzulegen. Mit den professionellen "Let’s Play"-Anbietern auf YouTube können und wollen sich die "Showmasters" hingegen nicht messen. "Dafür müssten wir jede Woche drei Videos raushauen, um überhaupt in den Algorithmus von YouTube reinzukommen. Das wäre ein Fulltime-Job, neben dem Studio ist das nicht zu stemmen. Wir tun, was wir können, erwarten uns jetzt aber keine Klick-Millionen …"

Infowww.showmasters.de

STEFAN GNAD

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Kultur