Testverweigerer

Kultusministerium zieht die Daumenschrauben an

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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In den vergangenen Monaten hatte das Kultusministerium bei Testverweigerern unter den Schülern (beziehungsweise ihren Eltern) die Augen zugedrückt. Ab sofort wird die Schulpflicht - in Präsenz! - wieder in den Vordergrund gerückt. Einen Anspruch auf Distanzunterricht gibt es nicht mehr. Eltern, die nicht alles tun, um ihren Kindern den Schulunterricht zu ermöglichen, droht spätestens nach den Herbstferien ein Bußgeld.

In den vergangenen Monaten hatte das Kultusministerium bei Testverweigerern unter den Schülern (beziehungsweise ihren Eltern) die Augen zugedrückt. Ab sofort wird die Schulpflicht - in Präsenz! - wieder in den Vordergrund gerückt. Einen Anspruch auf Distanzunterricht gibt es nicht mehr. Eltern, die nicht alles tun, um ihren Kindern den Schulunterricht zu ermöglichen, droht spätestens nach den Herbstferien ein Bußgeld. © Sebastian Gollnow/dpa

Es gibt eine kleine Gruppe von Schülerinnen und Schülern, die tatsächlich seit Dezember ihre Schule nicht mehr von innen gesehen haben. Wie viele das sind, darüber gibt es nur Schätzungen.

Jeder Fall ist ein Drama

Anje Döllinger, die Direktorin der Schulämter für Schwabach und für den Landkreis Roth, hat keine konkreten Zahlen parat. "Es sind wenige", sagt sie, "vielleicht einige Dutzend an unseren Grund- und Mittelschulen". Aber: Jeder einzelne Fall sei natürlich ein persönliches Drama.

Der Hintergrund: Ohne aktuellen Schnelltest dürfen Kinder nicht in die Schule kommen. Die ganz überwiegende Mehrheit der Schülerinnen und Schüler macht zwei- oder dreimal pro Woche vor Ort unter Aufsicht einen Selbsttest (Mittelschulen, Realschulen, Gymnasien) oder einen so genannten Pool-Lollitest (Grundschulen).

Beides läuft nach anfänglichen Probleme inzwischen routiniert ab. Oder, um es mit den Worten des Abenberger Schulleiters Wolfgang Amler zu sagen: "Unsere Kiddies sind da inzwischen echt die Experten."

Aber: Es gibt auch Eltern, welche die Tests, die ihre Kinder absolvieren müssen, ablehnen. Einige wenige lassen extern Schnelltests machen - und schicken dann ihre Kinder damit zur Schule.

Eltern als Ersatzlehrer

Aber es gibt auch Mütter und Väter, die ihre Kinder komplett zu Hause beschulen. "Ich will gar nicht sagen, dass das die Eltern schlecht machen. Manche bekommen diese Wissensvermittlung auch ganz gut hin", sagt Schulamtsdirektorin Antje Döllinger.

Aber Schule sei ja mehr. Ohne Schule wachse bei den Kindern die Kontaktarmut, der Sozialverband sei elementar für die Persönlichkeitsentwicklung. Je länger die Kinder zu Hause bleiben, desto größer werde die Hemmschwelle, wieder in die Schule zu kommen, so Döllinger.

Vor diesem Hintergrund sei die "klare Ansage" aus München nachzuvollziehen. Diese "klare Ansage" heißt: Es gibt keinen Anspruch mehr auf Distanzunterricht. Wer die Tests weiter ablehnt und deshalb nicht zur Schule kommt, fehlt jetzt "unentschuldigt".

Er kann damit auch die jetzt wieder geforderten Leistungsnachweise nicht erbringen. Was zum Beispiel für Viertklässler Auswirkungen auf die komplette Schullaufbahn haben kann. "Denn wie läuft dann der Übertritt auf die weiterführende Schule", fragt Anje Döllinger - und hat selbst noch keine Antwort parat.

Bußgeld bis zu 1000 Euro

Aber: Nicht nur die Schülerinnen und Schüler haben ein Problem. Den Erziehungsberechtigten drohen Bußgelder von bis zu 1000 Euro. Denn grundsätzlich ist die Schulpflicht ein hohes Gut.

Antje Döllinger betont zweierlei: Grundsätzlich gelten die verschärften Maßnahmen zwar ab sofort. "Bis zu den Herbstferien gibt es aber eine Karenzzeit."

Im Gespräch bleiben

Eine Übergangszeit also, die man nützen will, um mit den betroffenen Eltern weiter im Gespräch zu bleiben oder wieder ins Gespräch zu kommen. "Wenn die Schulleitungen vor Ort nicht weiterkommen, stehen auch wir vom Schulamt dafür zur Verfügung", bietet sie an.

Jeder einzelne Fall müsse dabei individuell betrachtet werden. "Denn wir haben ja die ganze Bandbreite", berichtet die Schulamtsleiterin. Es gibt also Eltern, die als Corona-Skeptiker sämtliche Maßnahmen in der Schule grundsätzlich ablehnen.

Es gibt auf der anderen Seite aber auch Eltern, die panische Angst haben, dass sich ihre Kinder in der Schule anstecken und das Virus nach Hause tragen.

Die einzige Ausnahme

Der letztgenannte Fall ist übrigens eine der wenigen noch verbliebenen Möglichkeiten, die Schulpflicht auszusetzen. "Wenn es beispielsweise Eltern mit einer bestimmten Grunderkrankung gibt, die nicht geimpft werden können und die sich keinesfalls infizieren sollten, dann kann das Kind mit ärztlichem Attest von der Schulpflicht befreit werden.

"Eine Beurlaubung vom Präsenzunterricht aufgrund einer individuell empfundenen Gefährdungslage ist dagegen nicht mehr möglich", schreibt das Kultusministerium.

Antje Döllinger hofft, dass sie skeptische Eltern noch überzeugen kann, "dass die Tests eine gute Sache und Schule ein sicherer Ort ist".

Endlich wieder alle da

Im Idealfall läuft es so wie an der Grund- und Mittelschule in Abenberg. "Wir haben inzwischen wieder alle Kinder in Präsenz an der Schule", berichtet Schulleiter Wolfgang Amler.

Es habe zwar auch in der Burgstadt etwa ein halbes Dutzend Eltern gegeben, die ihren Kindern die Selbst- oder Lollitests an der Schule, aber auch externe Schnelltests in einem Schnelltestzentrum nicht zumuten wollten. In Kooperation mit dem Gesundheitsamt habe man aber eine recht pragmatische Lösung gefunden, berichtet der Schulleiter: "Die Eltern haben sich zusammengeschlossen und ganz offiziell ihre eigene genehmigte Teststation eröffnet."

Aber sind da nicht Tricksereien Tür und Tor geöffnet? Vielleicht in der Theorie. Aber wie alle anderen Teststationen kann natürlich auch die privat organisierte jederzeit kontrolliert werden.

Wolfgang Amler will sich da nicht groß einmischen. "Für mich ist wichtig, dass alle Kinder da sind." Und über den Herbst und Winter hinweg auch weitgehend da bleiben werden. Zuletzt habe es in einer Klasse zwar eine Corona-Infektion gegeben. Aber bis auf den betroffenen Schüler beziehungsweise bis auf die betroffene Schülerin musste niemand in Quarantäne. Die anderen Testergebnisse in der Klasse blieben negativ. Amler: "Wahrscheinlich auch ein Verdienst unserer Lüftungsgeräte."

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