Donnerstag, 17.10.2019

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Lady baut Angst vor Hunden ab

Für manche Menschen ist die Begegnung mit den Vierbeinern ein Alptraum - 04.01.2019 18:00 Uhr

Hundetrainer Norbert Reppert mit seiner Labradorhündin Lady, die der Autorin gerade Pfötchen gibt. Reppert versucht mit Lady, Menschen Angst vor Hunden zu nehmen. © Foto: Eduard Weigert


Ein Spaziergang in der Natur ist für viele eine entspannende Angelegenheit. Für jemanden mit Angst vor Hunden kann sich das schnell ins Gegenteil umkehren. Jede Begegnung mit einem Vierbeiner ist eine Herausforderung, verursacht Stress, im schlimmsten Fall sogar Panik. Und dann reagiert man meistens unkontrolliert.

"Wenn uns Angst ergreift, wird der Verstand ausgeschaltet", sagt Norbert Reppert, Inhaber der Nürnberger Hundeschule "DOGS Training". Man wird etwa ganz starr vor Schreck und fixiert das Objekt seiner Angst mit den Augen. Bei einer Begegnung mit einem Hund ist diese Reaktion allerdings kontraproduktiv. Denn der interpretiert diese Haltung als Drohgebärde, weil sie sich selbst so verhalten, wenn sie sich gegenseitig taxieren und vor einem Angriff stehen. Besser ist es, die Aufmerksamkeit des Tieres gar nicht erst auf sich zu lenken.

"Stehen bleiben, ‚zum Baum werden’ und tief ausatmen, so geht viel Spannung raus", empfiehlt Reppert. Gut ist auch, die Arme zu verschränken und sich leicht abzuwenden. "Zeig dem Hund die Hosennaht", gibt der Trainer seinen Kunden einen leicht zu merkenden Tipp. Auf keinen Fall sollte man versuchen wegzurennen, denn genau das würde den Jagdtrieb des Hundes anregen. Auch wenn er dabei nix tun und nur spielen will, für den Angstgeplagten verschlimmert sich die Situation dadurch nur.

Bei Reppert kann man trainieren, die Angst Stück für Stück zu überwinden. Dabei kommt Lady ins Spiel, seine zehn Jahre alte Labradorhündin. Ihr nähern sich Betroffene in kleinen Schritten: erst von weitem, durch einen Zaun getrennt, bis sie schließlich in der Lage sind, sie selbstständig an der Leine zu führen. Mit diesen kleinen Erfolgserlebnissen wird die Angst nach und nach überdeckt.

"Wie ein schwarzer Fleck, den man mit weißer Farbe übermalt", beschreibt es Reppert. Außerdem wichtig: "Wir beschäftigen uns mit der Frage: Wie kommuniziert ein Hund?", erklärt der 46-Jährige. Was "sagt" ein Hund, wenn er Ohren und Rute nach hinten gerichtet hat? Bei welchen körperlichen Anzeichen ist Vorsicht geboten? "Wir lernen, die Hundesprache zu verstehen. Mit diesem Wissen fällt uns der Umgang mit Hunden leicht", so der Experte.

Sich Ängsten wirklich zu stellen, heißt, dass man seine Komfortzone verlassen muss. Deshalb geht es für Fortgeschrittene mit Norbert Reppert und Lady aus dem geschützten Raum der Hundeschule auch raus in die Natur, um das erlernte Wissen in unkalkulierbaren Situationen auszuprobieren. Wer diesen Praxistest besteht, sieht dem nächsten Spaziergang meist gelassener entgegen. An Norbert Reppert wenden sich zudem Menschen, die beruflich mit fremden Hunden konfrontiert werden, zum Beispiel im häuslichen Pflegedienst.

Aber woher kommt eigentlich die Angst vor Hunden? Hat es etwas mit einem Urinstinkt zu tun? Schlummert bei manchen im Unterbewusstsein noch die Verknüpfung zum Raubtier Wolf? Oder sind es eher konkrete schlimme Erlebnisse, die solche Ängste auslösen? Das mag in manchen Fällen so sein, überlegt der Hundeverhaltenstherapeut, der für seine Arbeit auch einiges über die menschliche Psyche wissen muss. "Kinder kommen ohne Vorbehalte auf die Welt, das meiste, vor dem wir Angst haben, ist anerzogen oder wurde uns vorgelebt."

Der Autorin dieses Textes fallen dabei Spinnen ein, vor denen es ihr ordentlich gruselt. Dazu ein Bild aus Kindertagen: Die Mutter, wie sie starr vor Schreck einen fetten schwarzen Krabbler in der Zimmerecke fixiert . . .

MANUELA PRILL

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