Klimaschutz-Initiative

Landkreis ERH soll nachhaltiger werden

Hans von Draminski
Hans von Draminski

Erlanger Nachrichten

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17.10.2021, 12:27 Uhr
Laut Auskunft des Bündnisses der Klimaschutz-Vereine ist die Solarenergie-Produktion im Landkreis ERH noch ausbaufähig.

Laut Auskunft des Bündnisses der Klimaschutz-Vereine ist die Solarenergie-Produktion im Landkreis ERH noch ausbaufähig. © Hans von Draminski

Stefan Jessenberger, Vorsitzender des Vereins "Energiewende ER(H)langen e.V." hat die Kreisgruppen Erlangen und Höchstadt-Herzogenaurach des Bund Naturschutz (BN) mit ins Boot geholt, außerdem den Landesbund für Vogelschutz und den "Solarmobil Verein Erlangen". Der Anlass ist ernst, wie Jessenberger betont: Die Starkregenereignisse in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hätten gezeigt, dass Klima-Extreme aufgrund der Erderwärmung bereits ein gefährliches Niveau erreicht haben - in den genannten Bundesländern starben über 170 Menschen "durch ein Schlechtwetter-Ereignis", erinnert Jessenberger.

Zu viel Erderwärmung

Der Zusammenschluss der Umwelt-Initiativen will dem verstärkt entgegensteuern. "Die Erderwärmung beträgt derzeit weltweit zwischen 2,7 und 3,1 Grad Celsius", weiß Jessenberger. Eindeutig zu viel. Ob Deutschland die selbst gesetzten Limits zur Kohlendioxid-Einsparung einhalten kann, ist nach aktuellem Stand offen. Dies ist aber Voraussetzung, wenn das von der Weltklimaschutzkonferenz gesetzte 1,5-Grad-Ziel der maximalen Erderwärmung erreicht werden soll.

"Selbst tätig werden, wo es möglich ist"

Der offene Brief der Umweltinitiativen soll Signal sein, "sich nicht auf andere zu verlassen", so Jessenberger, sondern selbst tätig zu werden, wo es möglich ist: "Jede Kommune, jeder Landkreis muss einen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten", betont Jessenberger.

Nur noch Energie aus regenerativen Quellen

Zu den vorrangigen Zielen zählt es aus Sicht der Umweltschützer, dass sich der Landkreis bis 2030 nur noch mit Energie aus zu 100 Prozent regenerativen Quellen versorgt, also den Strom für Privathaushalte und öffentliche Gebäude unter anderem in deutlich größeren Mengen als bisher aus Photovoltaik und Windkraft bezieht. "Da darf man nichts dem Zufall überlassen, der Landkreis muss auch seine Kommunen unterstützen, wenn diese entsprechende Projekte auf den Weg bringen wollen", meint Jessenberger.

Energie-Agentur gründen

Zu diesem Zweck soll, so die Idee, eine kreiseigene Energie- und Klimaschutz-Agentur gegründet werden, entweder als ein auf Kreisebene verortetes Amt oder als externe Einrichtung. Hier soll Expertenwissen gebündelt werden, beispielsweise hinsichtlich der energetischen Sanierung von Gebäuden. Derzeit würde laut Jessenberger bundesweit im Jahr nur rund ein Prozent öffentlicher Bauten energetisch saniert, nötig seien zum Erreichen der Klimaschutzziele aber vier bis sechs Prozent. Analog dazu soll der Landkreis seine Sanierungsrate bis 2030 auch auf sechs Prozent erhöhen.

Beratung für Bürger

Besagtes Energie-Amt oder -Agentur soll, so die Vision, Bürgerinnen und Bürger bei energetischen Fragen beraten. Mittel- und langfristig würden Ausbildungsplätze geschaffen und "grüne Berufe" gefördert, sind Jessenberger und seine Mitstreiter überzeugt. Auch das klimaneutrale Bauen - Stichwort Passiv- beziehungsweise Aktivhaus - soll stärker als bisher gefördert werden. Und last not least soll auch der fortschreitenden Bodenversiegelung der Kampf angesagt werden, denn auch diese befördert nachweislich Starkregenereignisse und anderes Extremwetter.

Reduzierung des Viehbestands

Ein weiterer Eckpfeiler des Forderungs-Katalogs ist die Forcierung ökologischen Landbaus, gekoppelt mit einer deutlichen Reduzierung des Viehbestands. "Da muss es eine substanzielle Änderung geben", ist Stefan Jessenberger überzeugt. "Es geht darum, die vorhandenen Flächen anders zu bewirtschaften", führt Rainer Hartmann, Vorsitzender der Erlanger BN-Kreisgruppe, aus. Und Christoph Daniel, Erlanger Vorsitzender des Landesbund für Vogelschutz (LBV) ergänzt: "Eine Reduktion der Tierzahlen reduziert auch den Eintrag von Gülle in die Böden - dann könnte man auch andere Feldfrüchte als Mais anbauen."

Weichen stellen

Die Metropolregion Nürnberg hat einen "Fonds für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung", dem, geht es nach den Klimaschützern, auch der Landkreis ERH beitreten sollte. Dass der Forderungskatalog sich wahrscheinlich nicht voll durchsetzen lässt, ist den Umweltinitiativen klar. Er soll aber als Basis dienen, um Impulse zu setzen und Weichen in die richtige Richtung zu stellen.

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