Montag, 24.02.2020

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Leidenschaftlicher Gesang und feuriger Tanz

„Por un beso“: Ein Abend voller Sehnsucht und Träumerei — Ricardo Volkert führte durchs Programm - 02.11.2015 17:56 Uhr

Andrea Grüner machte das Publikum im Gredinger Gredonia-Heim mit dem Flamenco in unterschiedlichsten Varianten bekannt. © Foto: Manfred Klier


Bis es so weit war, wurde das Publikum auf eine Geduldsprobe gestellt. Als der Perkussionist Jürgen „Joao“ Schneider eilig die Bühne betrat, um sein Schlagwerk aufzubauen, stand der Start unmittelbar bevor. Er habe, wie Ricardo Volkert, der Hauptakteur des Abends, schelmisch anmerkte, Gredonia wohl für eine spanische Stadt gehalten und sei Richtung Süden unterwegs gewesen. Schneider war kurzfristig für den angekündigten Cellisten Eugen Bazijan eingesprungen. 3. Bürgermeister Hermann Kratzer begrüßte die Besucher, darunter die Schwarzachkönigin Sabrina Schmidt.

„Porque no vienes? –  Warum kommst du nicht?“, stand denn auch passend in Form einer Sevillana am Anfang. Wie der Name verrät, stammt dieser zum Flamenco gehörende Volkstanz aus dem andalusischen Sevilla. Mit Kastagnettenbegleitung setzte Andrea Grüner den Traum eines einsamen Mannes in einen ausdrucksstarken Tanz um, bei dem schließlich der Traum in Erfüllung geht. „In nur vier Minuten, das ist Andalusien!“, bemerkte dazu Ricardo Volkert. Er führte kurzweilig, informativ und mit schauspielerischem Talent durch das Programm, wobei natürlich sowohl sein Spiel auf der Gitarre als auch sein Gesang im Mittelpunkt standen.

Wehklagend stimmte die Sängerin „La Picarona — die Schelmische“ eine Columbiana an: „Deine Liebe ist wie ein Wind!“ Wie Volkert anmerkte, brachten die Schiffe spanische Flamenco-Musik nach Übersee, um von dort neue Musikstile mitzubringen, etwa aus Kuba. Umgekehrt hatten spanische Immigranten die Flamenco-Form Guajira nach Kuba gebracht.

Wie auch bei den anderen tänzerischen Darbietungen war der folgende Flamenco-Tango über einen „Hallodrio“ mit dem typischen Zapateado begleitet, einer Art Stepptanz. Die vielfältige Kultur Andalusiens, das lange Zeit von den Arabern und Mauren beherrscht worden war, hatte auch jüdische Musik hervorgebracht: „Masseltoff  —  Viel Glück!“ Viel Freude und Glück fand ein Paar bei den Salinen am Meer von Andalusien, einer Hochburg des Flamenco. Der anfeuernde Gesang von La Picarona und Ricardo Volkert begleitete Andrea Grüner bei ihrem feurigen Tanz. Jürgen Schneider steuerte dazu das rhythmische Fundament bei.

„And I love her“: Selbst der Beatles-Hit der 1960er Jahre lässt sich zu einem Flamenco transformieren. Ricardo Volkert bewies es. Leise und gefühlvoll, wiederum in Tanz umgesetzt, erklang danach ein andalusisches Volkslied, bevor mit „El re le le“ eine von Eifersucht geprägte, temperamentvolle Rumba folgte. „No me quites tu risa  —  Nimm mir niemals dein Lachen“ ist ein leidenschaftliches Gedicht aus der Feder des sozial engagierten Dichters Pablo Neruda, wiederum durch einen elegischen Tanz ergänzt.

In der andalusischen Stadt Cadiz träumt ein Seemann so intensiv vom Meer, dass ihn eine Seejungfrau in ihren Bann zieht. Er landet auf dem Meeresboden, wo er fortan  salzige Algen von einem Wagen verkauft, der von einem Lachs gezogen wird.

Nach lange anhaltendem Applaus beschloss ein schwärmerischer Lobpreis auf die schöne Laura den gelungenen Abend. In einem eleganten Doppeltanz interpretierten La Picarona und Andrea Grüner diese Eigenkomposition von Ricardo Volkert.

MANFRED KLIER

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