Licht und Schatten eines Wohn-Experiments

5.12.2010, 16:00 Uhr
Julia Thomas und Thomas Steigerwald arbeiten in ihrem Fürther Büro an einem Beitrag.

Julia Thomas und Thomas Steigerwald arbeiten in ihrem Fürther Büro an einem Beitrag. © Stefan Hippel

Es ist bereits der zweite Film, den Julia Thomas und Thomas Steigerwald — er ist auch Geschäftsführer des Vereins — über die ungewöhnliche Genossenschaft gedreht haben. In einem Komplex hinter dem Hauptbahnhof, in der Nachbarschaft zum Karl-Bröger-Zentrum, leben seit eineinhalb Jahren 74 Menschen mit den unterschiedlichsten Lebensvorstellungen zusammen.

„In unserem ersten Werk über das Projekt ging es um die erste Idee bis zum tatsächlichen Einzug“, erzählt Julia Thomas von Medien Praxis, „in der neuen dreiteiligen Reportage haben wir uns mit den ursprünglichen Vorstellen, den Krisen und der anschließenden Versöhnung auseinandergesetzt.“ Die 45- jährige Redakteurin stieß vor sechs Jahren zum Verein, der seine Büroräume in Fürth hat. Sie kam von Berlin nach Mittelfranken: „Ich wollte Geschichten von Menschen erzählen — und zwar ohne reißerische Darstellung.“
 

Immer wieder sonntags

Ihr Kompagnon Thomas Steigerwald gehört zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Vor 15 Jahren schloss dieser einen Lizenzvertrag mit der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien (BLM) ab. Derzeit sendet der Verein jeweils sonntags um 18.15 Uhr auf der Frequenz von Franken Fernsehen seine Beiträge. Dort werden sie um 20.15 Uhr und um 22.15 Uhr auch noch einmal wiederholt. Um 20.15 Uhr sind sie außerdem auf Franken Sat zu sehen, dann sogar europaweit.

74 Menschen, Senioren und Alleinerziehende mit ihren Kindern, wohnen in diesem Haus in Nürnberg zusammen.

74 Menschen, Senioren und Alleinerziehende mit ihren Kindern, wohnen in diesem Haus in Nürnberg zusammen. © privat

Ihr Geld bekommen die Fernsehmacher zum einen von Franken Fernsehen, das die Werbezeit für den Sendeplatz vermarktet, zum anderen fördert die BLM die Produktionen, „und außerdem steckt viel ehrenamtliche Arbeit drin“, betont der 55-jährige Steigerwald. Er begann seine Karriere bei einer Jugendzeitung, landete später bei der Nürnberger Medienwerkstatt, baute das Nürnberger Medienzentrum Parabol mit auf, und gründete dann Medien Praxis. „Wir haben damals mit der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bundesfamilienministerium zusammengearbeitet, und die wollten einen Verein als Ansprechpartner.“ Die Reportage über das Nürnberger Experiment macht für ihn deutlich, wie spannend und schwierig zugleich solche neuen Wohnformen sind. „Es gibt große Träume und Erwartungen, aber auch persönliche Verletzungen“, meint Steigerwald. Im TV-Film kommt all das zur Sprache. Der erste Teil wird heute zu den genannten Zeiten gesendet, die beiden anderen folgen an den nächsten Adventssonntagen.

Wie es mit Medien Praxis weitergeht, steht derzeit in den Sternen. Die BLM hat angekündigt, ihre Förderung für den Verein drastisch zu kürzen. „Die Fixkosten für Technik, Miete und Honorare bleiben uns“, sagt der Geschäftsführer, „und ob wir das Minus durch erhöhtes ehrenamtliches Engagement und Einsatz ausgleichen können, ist mehr als fraglich.“



www.medienpraxis.tv