Testzentrum

Markgrafensaal: Nachfrage nach Schnelltests bricht rapide ein

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 05.10.2016..FOTO: Roland Fengler..MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait: Robert Gerner..ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Robert Gerner

Schwabacher Tagblatt

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Das waren noch Zeiten, als Oberbürgermeister Peter Reiß vorbeischaute, als der 10000. Schnelltest gemacht wurde. Seitdem der Test kostenpflichtig ist, geht die Nachfrage rapide zurück.

Das waren noch Zeiten, als Oberbürgermeister Peter Reiß vorbeischaute, als der 10000. Schnelltest gemacht wurde. Seitdem der Test kostenpflichtig ist, geht die Nachfrage rapide zurück. © Nadine Brantl Johanniter, NN

Jörg Deffner, der Koordinator der Schnelltest-Zentren des Ortsvereins Schwabach-Roth, ist nicht überrascht, am Telefon klingt er aber doch leicht frustriert. Am Samstag und am Sonntag, erzählt er, sei die Hütte noch einmal voll gewesen. An den beiden Tagen hätten sich jeweils rund 250 Interessierte auf eine mögliche Corona-Infektion testen lassen. Am Montag dann der große Einbruch: Statt 250 Bürger kamen nur noch 41. Meist herrschte im Foyer des Markgrafensaals gähnende Leere.

119 von 120 Terminen waren noch frei

Und: Die Zahlen dürften noch weiter zurückgehen. Wer sich am Dienstagvormittag online für einen Test anmelden wollte (man kann natürlich auch ohne Anmeldung kommen), der hatte von 120 ursprünglichen Terminen 115 zur freien Auswahl. Wer den Test am heutigen Mittwoch machen will, der konnte sogar noch aus 119 von 120 Terminen wählen.

Jörg Deffner kann die Argumentation nachvollziehen, dass man die Kosten für das Testen nicht ewig dem Steuerzahler aufbürden kann in einer Zeit, in der jeder Erwachsene sich längst hätte gegen eine Corona-Infektion beziehungsweise gegen eine schwere Covid-19-Erkrankung impfen lassen können. Doch der Rednitzhembacher sieht auch die andere Seite: "Wir drohen dadurch den Überblick über das Infektionsgeschehen zu verlieren", sagt er.

100 positive Schnelltests

Nun ist es nicht so, dass die Johanniter im Schwabacher Markgrafensaal die große Masse an Infizierten aus dem Verkehr gezogen hätten. 47000 Abstriche habe man seit Februar gemacht, berichtet Deffner. Etwa 100 Mal sein ein Test positiv gewesen.

"Zuletzt ging die Kurve wieder nach oben, noch am Sonntag hatten wir einen positiven Fall", erzählt er. 100 positive Tests in acht Monaten, das klingt nicht nach viel. "Aber 100 mal konnte so eben eine Infektionskette unterbrochen werden. Damit seien unter Umständen tausende Neuansteckungen vermieden worden.

Die Frage ist, wie es mit dem Testzentrum im Markgrafensaal weitergeht. Überall im Land werden jetzt Teststraßen abgebaut, weil sich das nicht mehr rentiert.

Deffner plädiert dagegen, das Angebot aufrecht zu erhalten und möglicherweise sogar auszubauen. Man überlege zum Beispiel, in Zusammenarbeit mit einem regionalen Labor künftig auch PCR-Tests anzubieten. Diese bräuchten zum Beispiel manche Flugreisende, auch einige Gastronomen und Clubs haben inzwischen auf die G3+-Regel umgestellt, um ihre Plätze wieder voll ausnutzen zu können.

3G+ bedeutet, dass nur noch Geimpfte und Genesene Eintritt finden oder eben Leute mit einem negativen PCR-Test, der viel genauer ist als ein Schnelltest.

Kleiner, aber feiner Unterschied

"Wir wollen mit unseren Testangeboten jedenfalls weiter für die Bürgerinnen und Bürger da sein", sagt Jörg Deffner. Aber gibt es einen einschneidenden Unterschied zwischen Wollen und Können.

Eines der Beispiele: Für Bürger, die ihre Angehörigen in einem Pflegeheim besuchen wollen, ist der geforderte Schnelltest weiterhin kostenlos. In der Regel erhalten Interessierte vom Heim so genannte Berechtigungsscheine, die von der Kostenpflicht befreien.

Aber: Als gewissermaßen privater Unternehmer dürfen die Johanniter diese Berechtigungsscheine nicht anerkennen. Die Betroffenen müssen zu einer kommunalen Teststrecke, erklärt Jörg Deffner. "Ich muss das 85-jährige Mütterchen also entweder zur PCR-Teststrecke des Landkreises nach Roth schicken oder zum Nürnberger Flughafen. Und das", findet Jörg Deffner, "ist erbärmlich".

Inzidenz steigt

Unterdessen gibt es in Schwabach und im Kreis Roth wieder mehr Corona-Neuinfektionen. Sie Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuansteckungen binnen einer Woche, gerechnet auf 100000 Einwohner, stieg in Schwabach sprunghaft von 99,9 auf 116,9. Auch im Landkreis Roth ging es nach oben, wenn auch nicht so stark: von 68,4 auf 75,5.

Nach wie vor gilt: Über einem Wert von 35 benötigen Ungeimpfte für viele Dinge, die sich in Innenräumen abspielen, einen aktuellen Schnelltest. Und der schlägt - womit wir wieder im Markgrafensaal wären - in Schwabach seit Montag mit 20 Euro zu Buche.

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