Neue Integrationsbeauftragte des Landkreises

7.8.2015, 13:00 Uhr
Sie will Menschen zusammenbringen, vernetzen und vermitteln: Julia Steger.

Sie will Menschen zusammenbringen, vernetzen und vermitteln: Julia Steger. © Foto: Thomas Scherer

Frau Steger, als Ihre Stelle vor zwei Jahren auf den Weg gebracht wurde, konnte Landrat Matthias Dießl keine Auffälligkeiten unter Migranten im Landkreis ausmachen. Auffällig ist allenfalls der geringe Anteil ausländischer Mitbürger an der Gesamtbevölkerung von gerade 5,9 Prozent. Bayernweit liegt er mit 9,8 Prozent fast doppelt so hoch. Warum braucht es Sie dann?

Steger: Auch wenn akut keine Probleme bekannt sind, war es dem Landkreis als Zuzugsgebiet wichtig, sich auf diese sicher wachsende Bevölkerungsgruppe einzustellen und jemanden zu haben, der sich um deren Belange kümmert. Allerdings muss man auch sehen, dass es bisher noch keinen Anlaufstelle für Migranten gab. Möglicherweise kristallisiert sich nun heraus, dass es sie doch braucht. Das wird sich zeigen.

Böse Zungen könnten behaupten, Sie erfüllen eine Alibifunktion . . .

Steger: Das tue ich sicher nicht. Dafür sind die Akteure vor Ort, die ich bisher kennengelernt habe, viel zu erleichtert, jetzt eine Ansprechpartnerin im Landratsamt zu haben. Die Stelle basiert auch auf deren Wunsch nach einer Koordinierung und Vernetzung auf Kreisebene.

Mit den Asylsuchenden in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung in Zirndorf (ZAE) gibt es im Landkreis eine große Gruppe von Menschen, die professionelle Kümmerer bräuchten, wie ehrenamtliche Helfer dort beklagen.

Steger: Doch für sie ist der Landkreis nicht zuständig. Die ZAE ist Sache der Regierung von Mittelfranken, die Asylverfahren laufen über das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Erst wenn die Asylsuchenden einem Landkreis zugewiesen werden, fallen sie in die Zuständigkeit der örtlichen Ausländerbehörde am Landratsamt. Ich bin dann Ansprechpartnerin für Flüchtlinge, wenn ihr Aufenthaltsstatus rechtlich geregelt ist.

Was qualifiziert Sie für die Stelle?

Steger: Ich studiere Kulturwissenschaften. Derzeit mache ich meinen Master in Bamberg mit dem Schwerpunkt Integration und Migration. Kulturwissenschaften sind ein weites Feld, die, ganz einfach gesagt, ausgehend vom Individuum das Alltagsleben erforschen. Wohin das Studium führt, ist davon abhängig, wie man es gestaltet. Rückblickend ist auffällig, wie ich scheinbar gezielt auf diese Stelle hingearbeitet habe, obwohl es sie noch gar nicht gab. Unter anderem habe ich im Büro des Migranten- und Integrationsbeirates von Bamberg gearbeitet und dort bereits das gemacht, was auch hier meine Aufgabe ist: organisieren, vernetzen, Menschen zusammenbringen und vermitteln. Das liegt mir.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus?

Steger: So ganz hat sich der Alltag noch nicht eingestellt. Nach wie vor bin ich damit beschäftigt, die Akteure kennenzulernen, die sich bereits mit Integration beschäftigen — zum einen in der Ausländerbehörde am Landratsamt selbst, zum anderen im ganzen Landkreis. Ein wichtiger Partner ist die Awo Kulturbrücke in Fürth, die mit Unterstützung von Bund und Land Migranten aus der Region berät. Im Landkreis dürften letztlich alle karitativen Verbände in Einzelfällen mit Integrationsarbeit beschäftigt sein, ohne das explizit als solche zu verbuchen. Generell gibt es viele Ehrenamtliche, denen daran liegt, dass Integration gelingt. Das beginnt beim Trainer, der in seiner Fußballelf einen ausländischen Jungen hat, dem er sich besonders annimmt, und reicht bis zum Lehrer, der wochenends mit seinen Schülern aufs Integrationsfest geht.

Ein Arbeitsauftrag des Kreistages an Sie ist, mehr Willkommenskultur im Landkreis zu etablieren. Was verstehen Sie darunter?

Steger: Das heißt für mich zum Beispiel, dass man Migranten in den Behörden aktiv willkommen heißt, damit nicht der Eindruck entsteht, sie würden nur als Fall gesehen. Dazu gehört, die Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, dass ein Nicht-Deutscher keine Vorkenntnisse in unserem Verwaltungswesen hat und man ihm erklären muss, was einem selbst selbstverständlich ist. Und dazu gehört auch ein Ansprechpartner für Migranten. Ich würde mich auf jeden Fall willkommener fühlen, wenn ich wüsste, in dem Amt gibt es jemanden, der für mich zuständig ist. Wir wollen eine Behörde sein, die offen ist für Menschen jeder Herkunft.

Hat bereits jemand Ihren Rat gesucht?

Steger: Einige wenige Anfragen gingen ein. Jemand wollte Hilfe, um sich selbstständig zu machen, eine Frau hoffte, ich könnte den Austausch mit einer anderen Familie, in der die Kinder dreisprachig aufwachsen, vermitteln. Grundsätzlich kann sich jeder Migrant mit eigentlich allem an mich wenden, gleich ob bei Fragen zu Einbürgerung, Problemen bei der Wohnungssuche, mit dem Schulbesuch der Kinder oder bei der Anerkennung eines Berufsabschlusses.

Demnach hat es sich noch nicht so sehr herumgesprochen, dass es Sie gibt. Wie wollen sie die Menschen erreichen?

Steger: Ein Flyer ist in Vorbereitung, ich gehe gezielt auf Veranstaltungen. Ein wichtiger Ansatz sind Kinder und Jugendliche, den über sie komme ich an die Familien heran.

Sie haben nur zehn Wochenstunden, was lässt sich auf einer Viertelstelle schaffen?

Steger: Für den Anfang halte ich den zeitlichen Rahmen für angemessen, natürlich muss man sehr genau planen. Aber ich musste auch nicht bei Null anfangen. Es liegt bereits eine Bestandsanalyse von 2013 vor, die mir als Arbeitsbasis dient. In einem Jahr werde ich den Kreis-Gremien Bericht erstatten, dann wird man weitersehen. Bis dahin dürfte absehbar sein, wie das Angebot angenommen wird und inwieweit es gelingt, die Akteure an einen Tisch zu bringen, kurz: wie sich der Bedarf entwickelt.

Julia Steger ist per E-Mail unter j-steger@lra-fuerth.bayern.de, telefonisch unter der Nummer (09 11) 97 73 12 02 oder persönlich montags und dienstags von 8.30 bis 13 Uhr im Landratsamt Fürth zu erreichen.

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