Neuer Band der Zirndorfer Geschichtswerkstatt

14.12.2014, 16:00 Uhr
„Zirndorfer Geschichte und Geschichten“ mit unterhaltsamer Note: Klaus Übler präsentiert den siebten Band der Geschichtswerkstatt.

„Zirndorfer Geschichte und Geschichten“ mit unterhaltsamer Note: Klaus Übler präsentiert den siebten Band der Geschichtswerkstatt. © Foto: Sabine Rempe

Das Schreiben vom Königlichen Landgericht in Nürnberg schlug einen strengen Ton an: In Zirndorf sei so bald wie möglich eine Kleinkinderbewahranstalt einzurichten. Die „Nützlichkeit und Nothwendigkeit“ einer solchen Einrichtung liege ja wohl vor Augen. Man schrieb das Jahr 1856 und schlug sich mit Sorgen herum, die 158 Jahren später vertraut klingen. Schon damals trugen viele junge Frauen zum Unterhalt der Familie bei und suchten dringend eine, nun ja, Kindertagesstätte.

Die Statuten, die der Kleinkinderschulverein 1878 für eine solche Einrichtung erließ, lassen allerdings keine Zweifel, wie sich manches verändert hat. Fordert Paragraph zwei doch streng, dass es darum gehe, die Kleinen „vor allem zur Gottesfurcht“ anzuleiten. Anvertraut wurden die Zwei- bis Sechsjährigen „einem gestandenen Frauenzimmer von sittlichem Charakter“.

Ungezählte solcher Dokumente und persönliche Erinnerungen haben die sieben Mitglieder der Geschichtswerkstatt zusammengetragen und geprüft und in anregende Texte eingearbeitet. Jetzt gibt es den siebten Band von „Zirndorfer Geschichte und Geschichten“, der im Untertitel „Historische Gebäude, Freizeit und einen Sonnenblick“ in den Fokus rückt. „Wir sind sehr kritisch und gründlich, das ist natürlich mit viel Arbeit verbunden“, sagt Klaus Übler (70) von der Geschichtswerkstatt. Seit 25 Jahren besteht der Kreis, zu dem neben Übler, Heinz Brune, Ronald Davis, Werner Langer, Renate Wichert-Henselin, Uwe Zwerner und Thomas Zwingel gehören. Als Mitarbeiterin engagiert sich Veronika Dorrer.

Das Ergebnis der Rückschau ist in detaillierten Geschichten nachzulesen. Dazu gehört zum Beispiel die Erinnerung an jene Tage, als in Zirndorf ein Kino eröffnet wurde. Im März 1913 ersuchte der Gastwirt Hans Finsterer den Stadtrat um Erlaubnis, ein modernes Lichtspieltheater im „Roten Ross“ eröffnen zu dürfen. Die Räte reagierten findig – sie forderten eine Lustbarkeitsabgabe von fünf Pfennig pro Zuschauer oder mindestens drei Mark pro Tag.

Die Zirndorfer kamen nun in den Genuss, Filme wie „Leben oder Tod. Erstklassiges Drama“ zu sehen. Im Januar 1914 kündigt die Lokalzeitung einen Reißer an: „Der wilde Jäger. Großes Drama aus den Bergen. Sensationell! Ein Schlager der Gegenwart! Spannend!“ In den fünfziger Jahren gab’s sogar zwei Kinos. Mitte der 60er siegte das Fernsehen. „Ka-Li“ und „Union Theater“ mussten schließen.

Erinnerungen an jene Zeiten, als es im Winter regelmäßig viel Schnee gab, weckt der Beitrag „Vom Unfug des Schlittenfahrens“. Heute kaum mehr vorstellbar, aber vor 100 Jahren packten sich die Zirndorfer Kinder, sobald es schneite, ihre Schlitten und sausten im Ort die kleinen Hänge herunter. Grund genug für den Gemeinderat, 1909 in eine erregte Diskussion über dieses Thema einzusteigen. Lehrer Strobel plädierte damals dafür, dass Kinder sich austoben können. Andere befürchteten Gefahren für die Rodler. Eine Kommission sollte schließlich geeignete Hänge finden. Allerdings: „Bis zum Ende des Winters hatten die Herren nicht genügend Zeit gefunden, diese Aufgabe zu erledigen.“

Manchmal, auch das lehrt der Blick in den Rückwärtsspiegel, ist es ein Glück, wenn die Mühlen nicht ganz so schnell mahlen. Ein Beispiel bietet das Anwesen Kirchenweg 1. Errichtet wurde das Gebäude Anfang des 19. Jahrhunderts. 1912 stellt ein Nachbar den Antrag, das Haus abzureißen, um Platz für einen „Kunstbrunnen“ zu gewinnen. Die Nordbayerische Zeitung berichtet aus einer Stadtratssitzung: „Im übrigen ist der Magistrat der Ansicht, dass es dem hiesigen Orte eine Zierde wäre, wenn dieses Haus verschwinden würde.“ Doch das Haus verschwand nicht. Später eröffneten im Kirchenweg 1 ein Hutgeschäft und ein Friseur, für lange Zeit folgte anschließend ein Textilhaus. Seit 30 Jahren sind die Räume hinter der Fachwerkfassade als Café zum Treffpunkt geworden. Der Sandsteinquaderbau, der glücklicherweise erhalten blieb, zählt heute zu den mehr als 50 Zirndorfer Baudenkmälern.

„Zirndorfer Geschichte und Geschichten“, Band 7, ist in der Bücherstube Zirndorf, im Städtischen Museum, in der Tourist-Information und direkt bei der Geschichtswerkstatt erhältlich.

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