Freitag, 16.04.2021

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Neuer Boxer-Chef mit Virus als Begleiter im ersten Amtsjahr

Der Weißenburger Heiner Pauckner (59) führt seit März 2020 den Bayerischen Amateur-Box-Verband - 28.02.2021 06:28 Uhr

„Den BC Weißenburg werde ich nie im Stich lassen“: Karl-Heinrich Pauckner, seit einem Jahr Chef von Bayerns Boxern, im Trainingsraum seines Heimatvereins.

25.02.2021 © Foto: Uwe Mühling


Als Pauckner am 1. März 2020, also vor einem Jahr, im Pleinfelder Sonnenhof einstimmig zum neuen Chef der bayerischen Boxer und damit an die Spitze von 120 Vereinen mit rund 12 000 Mitgliedern gewählt wurde, da war die Welt noch in Ordnung. Klar gab es damals schon regelmäßige Meldungen über Corona, doch die entsprechende Welle schwappte erst ein paar Tage später übers Land – und das mit damals noch ungeahnten Folgen.

"Da hatte ich gleich meine erste große Aufgabe", sagt der 59-Jährige rückblickend. Er war zuvor schon Landessportwart und mit ihm an der Spitze reagierte der BABV sehr schnell und untersagte als einer der ersten Sportverbände überhaupt das Training und sämtliche Wettkämpfe – Absagen, die sich durch das ganze Jahr ziehen sollten und Turniere genauso betrafen wie Meisterschaften bis hin zum traditionellen Weißenburger Kirchweihboxen.

So war Corona-bedingt relativ wenig los im bayerischen Boxsport 2020. Sportlich gesehen blieb vor allem die Arbeit mit den Kader-Athleten am bayerischen Landesstützpunkt in Straubing sowie am Olympia-Stützpunkt in Heidelberg. Intern durfte schon geboxt werden, doch von den sonst üblichen Veranstaltungen blieb praktisch nichts mehr.

Sportlich "ein verlorenes Jahr"

"Jeder Sportler braucht Wettkämpfe", schildert Heiner Pauckner das Hauptproblem, das natürlich auch in vielen anderen Sportarten gilt. Klar könne man sich fit halten, zum Joggen gehen oder "notfalls gegen einen Baumstamm boxen", so der Verbandschef, der Boxen für sich als "Lebenselixier" bezeichnet. Doch einen Wettkampf ersetze all das nicht. Insofern sei es auch ein "verlorenes Jahr" und sportlich betrachtet eine "Katastrophe".

Dennoch siedelt Pauckner, der früher selbst geboxt hat und Deutscher Vizemeister der Junioren war, den Infektionsschutz deutlich höher an, "denn das wichtigste Gut sind die Gesundheit und das Leben". Und er mahnt zur weiteren Vorsicht im Umgang mit dem Virus: "Man muss sehr gut aufpassen – beruflich wie privat", unterstreicht der Weißenburger, der selbst infiziert war und die Corona-Auswirkungen am eigenen Leib ziemlich heftig zu spüren bekam.

Die Krankheit und die Pandemie bremsten ihn auch beruflich über Wochen und Monate aus. Pauckner ist Fahrlehrer und betreibt gemeinsam mit Günther Meyer in Weißenburg das Schulungsinstitut BoBi. Die neu gewonnene Freizeit nutzte er nach seiner Genesung fürs Wandern, Radfahren und Relaxen. "Ich bin ziemlich heruntergefahren", sagt Pauckner.

Reichlich organisatorische Arbeit

Lieber wäre es dem neuen Präsidenten natürlich gewesen, wenn der Boxsport in gewohnter Form hätte laufen können. So aber gab es zumindest für die Übergabe der Amtsgeschäfte mehr Ruhe als erwartet und es blieb Zeit für die zahlreich anstehenden organisatorischen Aufgaben: Die Geschäftsstelle des BABV wurde nach Weißenburg verlegt und mit Patrick Bengel besetzt; der Verband stellte seine Systeme um und digitalisierte alles. Dabei galt es nicht zuletzt umfangreiche Daten in die neue Software einzupflegen.

Hier fühlt er sich rundum wohl: Heiner Pauckner (stehend, 2. von rechts) im Kreis seiner Boxsport-Freunde bei der Bayerischen Meisterschaft, die der BC Weißenburg im Oktober 2012 in Pleinfeld ausgerichtet hat. Damals war Pauckner noch Landessportwart.

25.02.2021 © Archivfoto: Uwe Mühling


Hinzu kam auch die Umstellung der Bankgeschäfte auf Online. "Das war alles ein großer Aufwand", berichtet Pauckner, der auch selbst viel Zeit investierte und möglichst oft dabei sein wollte. "Schließlich möchte ich bei all dem ja auch durchblicken", sagt er augenzwinkernd.

Trotz der sportlichen Zwangspause gab es also einiges zu tun, zu organisieren und sich selbst sowie das gesamte Team einzuarbeiten. Dabei ist Karl-Heinrich Pauckner voll des Lobes: "Wir haben lauter tolle Mitarbeiter." Natürlich galt es auch im Boxsport ständig auf die Corona-Lage zu reagieren, Hygienekonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Das alles bot Herausforderung genug.

Vieles läuft virtuell

Auch in technischer Hinsicht: Viele Gespräche und Treffen finden aufgrund der Pandemie mittlerweile online statt. "Da habe ich in meinem Alter noch einiges dazugelernt", sagt der 59-jährige Weißenburger schmunzelnd. Auch die sieben anstehenden Bezirkstage in Bayern möchte er als virtuelle Sitzungen durchführen. Als geselliger Mensch, der gern unter Leuten ist, würde Pauckner zwar lieber Präsenzveranstaltungen abhalten, sieht aber auch die Notwendigkeiten: "Wir wollen diese Termine nicht schieben."

Anders beim heimischen BC Weißenburg: Hier steht der Termin für die Jahreshauptversammlung derzeit "noch in den Sternen", wie Pauckner sagt. Beim BCW fungiert er seit 2005 als erster Vorsitzender, wird nun aber nicht mehr kandidieren. Vielmehr will er ins zweite Glied rücken, damit er sich auf seine Arbeit als BABV-Präsident konzentrieren kann. Zweifelsohne wird im Lauf des Jahres bei den Weißenburger Boxern also eine Ära zu Ende gehen. Eines ist für Heiner Pauckner aber jetzt schon klar: "Den BC Weißenburg werde ich nie im Stich lassen."

UWE MÜHLING

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