Online-Forum zur Ostendstraße

Noch mehr Staus? Neben Kritik auch viel Zustimmung für geplante Neugestaltung

Ressort: Lokales Online..Datum: 18.10.16..Foto: Edgar Pfrogner..Motiv: Kreatives Frühstück, Porträt Wolfgang Heilig-Achneck, Mitarbeiterportrait
Wolfgang Heilig-Achneck

Lokalredaktion

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22.10.2021, 11:34 Uhr
Der künftige Seetor-Campus soll bis Ende 2022 stehen. Für Bewohner und Beschäftige in dem Komplex auf dem früheren Coca-Cola-Gelände stehen künftig ausschließlich Tiefgaragen-Parkplätze zur Verfügung. Vom Ostring aus wird eine eigene Zufahrt angelegt, deshalb sieht das Baureferat keine Beeinträchtigung ihrer Pläne für den Um- und Ausbau der Ostendstraße.

Der künftige Seetor-Campus soll bis Ende 2022 stehen. Für Bewohner und Beschäftige in dem Komplex auf dem früheren Coca-Cola-Gelände stehen künftig ausschließlich Tiefgaragen-Parkplätze zur Verfügung. Vom Ostring aus wird eine eigene Zufahrt angelegt, deshalb sieht das Baureferat keine Beeinträchtigung ihrer Pläne für den Um- und Ausbau der Ostendstraße. © e-arc-tmp-20200124_131936-1.jpg, NN

Durchgehende Radwege, mehr Grün, Straßenbahnen, die nicht mehr im Stau stecken bleiben, dazu mehr Sicherheit - all das erhoffen sich die städtischen Planer von ihrem Entwurf für eine Neugestaltung der Ostendstraße zwischen Ostring und Lechnerstraße.

Erbärmlicher Zustand

Nach dem bereits vor Jahren abgeschlossenen ersten Abschnitt zwischen der Tullnau und dem Ostring gilt die Fortsetzung als überfällig: Unter dem erbärmlichen Zustand der Fahrbahn leiden alle Verkehrsteilnehmer. Doch bis zu einem möglichen Baubeginn gehen mindestens noch volle zwei Jahre ins Land.

Als Knackpunkt gilt der Bereich der Straßenbahn-Haltestelle Lechnerstraße: Dort steht für den Autoverkehr, so die Planung, künftig in jeder Richtung nur noch eine Fahrspur zur Verfügung. "Das Einfädeln wird nie flüssig laufen", gab ein Teilnehmer eines Online-Forums zu bedenken, bei dem das Baureferat erstmals die Neuplanung rund 180 interessierten Bürgern vorstellte.

Stopp wegen Haltestelle

Mit Diagrammen und Berechnungen versuchte Baureferent Daniel Ulrich indes zu belegen, dass sich für die Autofahrer unter Strich wenig ändere. Zum einen werden sie schon bisher - aus Rücksicht auf querende Fußgänger - zum Stopp bei jedem Straßenbahn-Halt gezwungen. Zum anderen seien die Grünphasen für Fußgänger deutlich länger bemessen, wenn diese vier statt nur zwei Spuren überqueren müssen.

Entscheidender Faktor sei aber nicht der Straßenquerschnitt, sondern die Kapazität der Kreuzungen - nämlich der am Mögeldorfer Plärrer und der am Mittleren Ring. "Da kommen künftig nicht mehr Fahrzeuge durch als bisher - und die kommen selbst in den Spitzenzeiten auch in der Lechnerstraße gut durch - in beiden Richtungen", verspricht auch Verkehrsplaner Frank Jülich. Die künftige Kapazität liege sogar über dem bisherigen Bedarf. Auch der Ausflugsverkehr zum Tiergarten ist offenkundig locker zu verkraften.

"Keine Geheimnisse"

Wie das genau ermittelt wird und wie die untersuchten Alternativen aussehen, will sich Wolfgang Köhler, der Vorsitzende des Bürgervereins Mögeldorf, mit anderen Mitgliedern allerdings noch eingehender vorstellen lassen als das in dem Online-Forum möglich war. "Wir legen alles offen und haben da keine Geheimnisse", versicherte Ulrich und sagte auch die Bereitschaft zu, das Problem des Ausweich- und Schleichverkehrs durch die Blüten- und Gleishammerstraße anzugehen.

Als Vertreter von betroffenen Unternehmen, die sich auch schon in einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen haben, meldete sich Thomas Reichert zu Wort: "Wir sind nicht auf Krawall gebürstet", beteuerte der Leiter einer Prüfstelle des Tüv Süd. "Aber man beschneidet doch Kundenströme."

Dabei bleibt es im Bereich von Aldi, Kolb und Co bei vier Spuren - unterbunden wird allerdings teilweise unzulässiges Linksabbiegen, gerade aus Sicherheitsgründen. Wenn Autofahrer dafür eine zusätzliche Schleife drehen müssen, sei das in der Abwägung das geringere Übel, so Ulrich.

Schärfere Kritik kommt freilich von Anliegern. "Wir hätten uns schon gewünscht, wenigstens gefragt und einbezogen zu werden", moniert ein Hauseigentümer und zeigte sich befremdet, dass ungefragt auch Privatgrundstücke in die Planung einbezogen, vor allem aber öffentliche Parkplätze geopfert werden. Der Baureferent kontert entschieden, dass es keinerlei Anspruch auf Parkplätze im öffentlichen Raum geben könne, schon gar nicht in keineswegs unterversorgten Stadtteilen. "Und es gibt gesetzliche Regelungen dafür, dem Wohl der Allgemeinheit Vorrang zu verschaffen." Kein Kopfzerbrechen bereitet - jedenfalls offiziell - der neue Seetor-Komplex. Denn er wird vom Ostring aus erschlossen.

Richtschnur Mobilitätsbeschluss

Bei der Neuplanung orientiert sich die Stadtverwaltung - wie ausführlich berichtet - auch am Mobilitätsbeschluss des Stadtrats vom vergangenen Januar; er sieht unter anderem eine Förderung des Fußgänger- und Radverkehrs vor. Doch in der Ostendstraße gibt es bisher nicht einmal abmarkierte Radstreifen. Künftig sind für Radler Wege von 1,60 bis 2,20 Meter Breite vorgesehen. "Und auch das ist nur das dafür vorgesehene Minimum", hält Ulrich Kritikern entgegen - und darf sich auch bei der Diskussion über viel Zustimmung von Radfahrern freuen, die sich über die Chatfunktion zu Wort melden.

Die Anforderungen reichen aber weiter: Die Regierung von Mittelfranken messe inzwischen jede Planung auch an den Vorgaben, die sich aus dem Urteil des Bundesverfassungsgericht für eine Erreichung der Klimaschutzziele ergeben. Dass für die Straßenbahn ein längerer Abschnitt mit Rasengleis vorgesehen ist und insgesamt per Saldo 36 neue Bäume gepflanzt werden, sei ein entscheidender Faktor. "Wir müssen mit einer ausgereiften, möglichst rechtssicheren Planung in das Verfahren für die Planfeststellung gehen, sonst brauchen wir gar nicht erst anzutreten", sagt Ulrich.

Hohe Fördermittel

Dennoch sei durchaus mit entsprechenden Einwendungen und womöglich auch Klagen zu rechnen, die alles verzögern könnten. Ulrich baut freilich darauf, gut belegen zu können, dass die Vorteile der Neugestaltung bei weitem überwiegen, gerade auch unter ökologischen Gesichtspunkten und im Hinblick auf Fördermittel von Bund und Land - und dass die Leistungsfähigkeit auch für den Autoverkehr weiter gegeben ist. Zudem ist die Planung längst mit wichtigen Einrichtungen wie der Feuerwehr abgestimmt. "Dass hier Einsatzfahrzeuge stecken bleiben, ist nicht zu befürchten. Notfalls können sie noch auf die Radwege ausweichen."