Dienstag, 20.10.2020

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ÖDP-Kreisverband sammelt Argumente gegen Center Parcs

Die Ökodemokraten schießen aus vollen Rohren gegen den Freizeitpark - 16.10.2020 05:25 Uhr

ÖDP-Kreisverband ist überzeugt, dass der Center Parc nicht ins Seenland passt und wollen den Freizeitpark deshalb mit allen Mitteln verhindern.

© Center Parcs


Bereits im August hatte der Kreisverband eine Pressemitteilung verschickt, in der unmissverständlich klar gemacht wurde, dass das "gigantische Projekt" nicht zum Seeland und zu seinem bislang propagierten Sanften Tourismus passt. Jetzt hat die ÖDP noch eine Schippe draufgelegt und sämtliche Argumente, die aus ihrer Sicht gegen das Millionen-Projekt sprechen, auf einer Internetseite gesammelt.


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Während andere Parteien (mit Ausnahme der Linken) noch überlegen, in welchen Wind sie ihr Fähnchen drehen sollen, waren die Mitglieder im ÖDP–Kreisverband fleißig und haben eifrig Daten und Fakten gesammelt, die ihrer Meinung nach ganz klar gegen den Center Parc sprechen, der aus ihrer Sicht viel verspricht, aber nur wenig halten wird. Denn weder die Klimaneutralität inklusive der Umweltzertifikate, noch die in Aussicht gestellten Gewinne für die Region, hält die ÖDP für glaubwürdig und führt etliche Gründe auf, die gegen Center Parcs sprechen.

Das Betriebsergebnis

Seit Jahren macht die Center Parcs Gruppe laut ÖDP-Recherchen keine Gewinne. "Es hat wohl System, Kosten zu produzieren, die dann den Erlös so schmälern, dass keine Gewinne anfallen", hat ÖDP-Vorstandsmitglied Kilian Welser recherchiert, der studierter Betreibswirt ist. Seine Vermutung: "Wer keine Gewinne hat, muss natürlich auch keine Steuern bezahlen."

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Belegen lässt sich das aus seiner Sicht mit mehreren Zahlen: Zum Beispiel hatte die Firmengruppe im Geschäftsjahr 2016/17 ein negatives Ergebnis von rund 56 Millionen Euro eingefahren. Im Jahr darauf (2017/18) war es ein Minus von rund 46 Millionen Euro. Und auch beim neuesten Center Parc in Leutkirch, fällt der Jahresüberschuss der Anlage ins Auge: Im Geschäftsjahr 2017/18 lag er bei 0,00 Euro. Der gleiche Gewinn wurde im Geschäftsjahr 2016/17 im Park in der Bispinger Heide erzielt: 0,00 Euro.

Abwasser

Rund 160.000 Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr wird der Freizeitpark nach Berechungen der ÖDP voraussichtlich für seine 800 bis 1000 Ferienhäuser und das große Spaßbad "Aquamundo" jährlich benötigen. Das ist entspricht in etwa der Hälfte des Volumens des Kleinen Brombachsees. Dieselbe Menge fällt noch einmal als Abwasser an, das über Kläranlagen entsorgt werden muss. Für die ÖDP ein No-Go: "Wasser ist ein kostbares Gut und wird in Zukunft noch wertvoller."


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Der Ressourcenverbrauch ist nach Berechungen der ÖDP enorm. Das tropische Spaßbad und die 800 Ferienhäuser verbrauchen enorme Mengen an Energie. Zum Beispiel rechnete man beim Center Parc in Leutkirch mit bis zu 13 Megawatt Wärmebedarf und 8 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Die Erfahrung in anderen Parks zeige, dass Center Parcs es "nicht ansatzweise geschafft hat", diese enorme Menge Energie regenerativ zu erzeugen.

Deshalb würde wahrscheinlich auch im Fränkischen Seenland zum Großteil auf fossile Energieträger wie Gas oder Öl zurückgegriffen werden müssen, prognostizieren die Ökodemokraten, die stark bezweifeln, dass ein derartiger Park jemals klimaneutral sein kann.

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Umweltzertifikate

Die Aussage, dass vergleichbare Ferienparks von Center Parcs, die es bereits gibt, durch den WWF (World Wide Fund for Nature) und die DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) entsprechend zertifiziert seien, stimmt laut Recherchen der ÖDP so nicht.


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Auf Anfrage des Kreisverbandes sagte ein WWF-Manager: "Der WWF vergibt selbst keine Zertifizierungen und arbeitet mit Center Parcs nur im Rahmen des WWF-Kinderprogramms zusammen." Auch die Rückfrage beim DGBN habe laut ÖDP ergeben, dass es nur einen Park gibt, der eine Vorzertifizierung hat. Der neueste Park in Leutkirch habe 2017 lediglich eine Absichtserklärung unterschrieben und das Zertifikat angestrebt. Das Fazit der ÖDP: "Aktuell besitzt Center Parcs keine abgeschlossene Zertifizierung durch den WWF oder DGBN."

Sanfter Tourismus

Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen gibt es nach Ansicht der ÖDP eine stabile Anzahl von Übernachtungen. Das lässt sich auch anhand der Statistik des Landesamtes für Statistik belegen. "Corona und der Trend in Deutschland Urlaub zu machen haben in den Sommermonaten 2020 schon zu Überlastungen geführt. Ein Mehr an Besuchern ist nicht nötig", schlussfolgert die ÖDP, die sich auch im Fränkischen Seenland das Motto "Entschleunigung statt Beschleunigung, Zeitwohlstand statt Materialismus", für Gäste und Einwohner wünschen würde und sich klar gegen ein "immer höher, schneller und weiter" ausspricht.

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Insbesondere das Konzept des Sanften Tourismus sollte für das Fränkische Seenland erhalten werden. Ebert: "Wir sind der Meinung, dass die Stärke des Fränkischen Seenlands gerade darin liegt, dass es familiär und überschaubar ist und Großkapital bisher fernbleibt. Ein Center Parc mit großem Badetempel für bis zu 4000 Gäste wäre hier ein Paradigmenwechsel in die völlig falsche Richtung." Sein Vorstandskollege Kilian Welser ergänzt: "Das ist momentan die absolut falsche Zeit, um Bäume abzuholzen. Es wäre stattdessen die richtige Zeit, um noch mehr Bäume zu pflanzen."

Weitere Infos unter: www.stopp-centerparcs-brombachsee.de


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MARKUS STEINER

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