11°

Montag, 27.05.2019

|

zum Thema

1,2 Millionen Weltkriegsopfer wohl für immer verschollen

Beim Suchdienst des Roten Kreuzes lagern Millionen ungeklärter Vermisstenfälle - 23.01.2018 07:57 Uhr

Ob ihre Angehörigen im Bombenhagel starben (hier die Fürther Südstadt nach dem Angriff im März 1943) oder vielleicht noch am Leben sind, werden manche Suchende wohl nie erfahren. © Archiv Mayer


Mehr als 1,2 Millionen offene Vermisstenfälle aus dem Zweiten Weltkrieg lagern noch beim Deutschen Suchdienst. "Diese Schicksale werden wir nicht mehr klären können", sagte der Leiter des Suchdienstes des Deutschen Roten Kreuzes, Thomas Huber, in München. Zumal das Ende der Arbeit feststeht: In Absprache mit dem Bundesinnenministerium werden die Nachforschungen Ende 2032 eingestellt.

Es gibt aber keine konkreten Zahlen zu Vermissten der Schlacht von Stalingrad, die sich am 2. Februar zum 75. Mal jährt. Noch ist das Interesse an den Verschollenen des Weltkriegs groß. Etwa 9000 Anfragen von Enkeln und Kindern habe der Dienst im vergangenen Jahr erhalten, teilte Huber mit. "Für viele Angehörige ist das immer noch ein schwarzer Punkt auf der Familienlandkarte. Diese Fälle bearbeiten wir auch aktiv", sagte der Suchdienst-Leiter.

Klärung eines Falls kann sich über Monate ziehen

Um manche Schicksale zu klären, genügten nur zwei Blicke in die Akten. Andere Fälle können sich laut Huber aber auch über Monate ziehen. Kurz nach Kriegsende hatte der Dienst mehr als 20 Millionen Menschen gesucht. 1959 waren es noch 2,5 Millionen offene Suchanfragen.

Bilderstrecke zum Thema

Nürnberg im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs

Seit 1943 flog die Royal Air Force regelmäßig Großangriffe auf Nürnberg, den verheerendsten am 2. Januar 1945, als 521 Flugzeuge ihre tödliche Fracht über der Altstadt abluden. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Nürnberg zu 90 Prozent zerstört.


Unter den geklärten Fällen seien etwa 300.000 als vermisst gemeldete Kinder. 2010 konnten zudem zwei Brüder nach mehr als 60 Jahren wieder vereint werden. "Fälle wie dieser berühren uns", sagte Huber. Zu den weiteren Aufgaben des Dienstes gehört auch die internationale Suche nach Menschen, die in Beziehung zur Bundesrepublik stehen. Das sind etwa deutsche Staatsbürger, die in Katastrophen- und Konfliktgebieten vermisst werden, sowie Angehörige von Flüchtlingen, die in Deutschland leben. Letztere machen den Großteil von rund 1200 Suchanfragen aus, die der Dienst im ersten Halbjahr 2017 bearbeitete. 

dpa

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Panorama