Dienstag, 24.11.2020

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48-Stunden-Odyssee: Marathonläufer verirrt sich in New York

Italiener wird erst zwei Tage nach dem Laufevent gefunden - 04.11.2015 13:44 Uhr

48-Stunden-Odyssee: Marathonläufer verirrt sich in New York

04.11.2015 © Montage: nordbayern.de


Am Sonntag startete sein Abenteuer - so, wie für viele tausend andere Laufbegeisterte auch: mit der Teilnahme am prestigeträchtigen New-York-Marathon im Stadtteil Staten Island. Für alle endet der berühmte Lauf in der US-Metropole mehr oder minder nach einigen Stunden. Doch für Gianclaudio P. Marengo dauerte das Abenteuer zwei Tage lang und wurde zur Tortur.

Erst nach besagten 48 Stunden wurde Marengo von einem Polizisten außer Dienst in der New Yorker U-Bahn gefunden, sichtlich verwirrt und noch immer in in Laufkleidung. Der 30-jährige Italiener ist der englischen Sprache nicht mächtig, weilte zum ersten Mal im "Big Apple" und verirrte sich nach dem Lauf.

Verlust von U-Bahn-Plan und Hotelkarte

Ursprünglich weilte Marengo mit einer Gruppe von sieben Italienern beim Marathon, seit Monaten hatte er sich auf den Lauf vorbereitet. Die Teilnahme diente einer Rehabilitationsmaßnahme ehemals Drogenabhängiger, die in San Patrignano, einer Drogenentzugsklinik an der Adria-Küste, ihre Sucht zu therapieren versuchen. "Er ist sicherlich eine fragile, verwundbare und sehr emotionale Person", wird die Entzugsklinik in der New York Times zitiert, "nach Jahren der Drogenabhängigkeit fand er eine Chance in San Patrignano wieder gesund zu werden."

Ausgestattet mit einem U-Bahn-Plan, einer Karte für das Hotel und etwas Essen startete Marengo beim Marathon an der Seite von Antonio Boschini, der als medizinische Unterstützung für die kleine italienische Gruppe diente. Doch Marengo war der unsportlichste, irgendwo auf der Strecke verlor man sich aus den Augen. Während des Laufes verlor Marengo dann Hotelkarte und Stadtplan.

Nach einigen Stunden bemerkten die anderen Gruppenteilnehmer, dass etwas nicht stimmte. "Er fand den Weg zum Hotel nicht, also blieb er im Central Park", erinnerte sich Boschini, doch hier war er nicht aufzufinden. Später wurde das italienische Konsulat informiert, dieses alarmierte die Polizei.

"Am Flughafen warfen sie ihn raus"

Derweil startete Marengos Odyssee in der fremden Stadt. "Er hat die Nacht im Park verbracht", erfuhr Boschini hinterher. Da die Reisegruppe aus Italien am Montag den Rückflug in die Heimat gebucht hatte, ging Marengo zum John F. Kennedy Flughafen, um seine Mitstreiter hier zu finden. Doch da er immer noch seine Laufkleidung anhatte, wurde er von Ordnungskräften verwiesen. "Er ging zum Flughafen und wartete, aber sie dachten, er sah wie ein Obdachloser aus, also warfen sie ihn raus", berichtete Boschini.

Also fuhr Boschini ziellos mit der U-Bahn umher, wo er einem Polizisten außer Dienst auffiel. Am Dienstagmorgen las Officer Man Yem auf seinem Smartphone einen Artikel über einen vermissten Läufer - als er aufblickte, saß er just diesem in der U-Bahn gegenüber. "Er fiel mir sofort auf, aufgrund seiner Eigentümlichkeit und seines Aussehens", wird der Polizist in der New York Times zitiert.

Yam gab sich als Polizist zu erkennen, zusammen stiegen sie aus der U-Bahn. Dann kaufte er dem sichtlich verwirrten Italiener einen Kaffee und Donut. "Was am wichtigsten war: er lächelte," berichtete Yam, "er realisierte, dass er gefunden wurde und in guten Händen war." Marengo wurde umgehend ins Krankenhaus gebracht. Das italienische Konsulat teilte mit, dass er geringfügig dehydriert war, ansonsten fehlte ihm nichts. Am Dienstag ging Boschini in die Klinik, um Marengo, den Marathonmann, abzuholen. Dann hatte dessen zwei Tage andauernde Odyssee in der fremden Stadt ein Ende.

Alex Truica

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