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Alles, was Sie zur Mondfinsternis in Franken wissen müssen

Am 27. Juli bietet sich am Himmel über der Region ein seltenes Schauspiel - 27.07.2018 11:04 Uhr

Dieser Blutmond war im Jahr 2015 in der Schweiz zu sehen. Am 21. Juli wird sich der Mond über Franken in den Schatten der Erde schieben. © Thomas Schneider/epd


Wenn keine Wolken aufziehen, ist das beeindruckende Himmelsphänomen auch in unserer Region gut zu sehen. Übertroffen wird diese Mondfinsternis-Dauer erst am 9. Juni 2123 – dann um zwei Minuten. Passend zum Anlass haben wir für Sie Fragen und Antworten zu dem Himmelsphänomen zusammengetragen. 

Wie entsteht das Farbenspiel?

Steht der Mond hoch oben am Sternenhimmel, sieht er normalerweise weiß aus. Weiß erscheint er nämlich immer dann, wenn er direkt von der Sonne angestrahlt wird und alle Spektralfarben reflektiert, aus denen das Sonnenlicht zusammengesetzt ist. Bei einer Mondfinsternis kann er aber auch orange leuchten oder sogar rot. Diese Farben entstehen, wenn sich die Erde zum Teil oder auch ganz in den direkten Strahlengang zwischen Sonne und Mond schiebt.


+++ Mondfinsternis in Franken: So fotografieren Sie den Blutmond +++


Das Sonnenlicht, das dann noch an der Erde vorbei auf den Mond fällt, muss zuvor die Erdatmosphäre zumindest zum Teil durchdringen – je nachdem, wie weit fortgeschritten die Finsternis ist. Je länger der Weg dieses Sonnenlichts durch die Erdatmosphäre aber ist, desto mehr werden dessen kurzwellige blauen, violetten und grünen Anteile an kleinsten Partikeln und Molekülen gestreut, die sich in der Atmosphäre befinden. Blau, Violett und Grün wird damit aus dem weißen Licht praktisch herausgefiltert.

"Das Licht, das nahe dem Erdschatten auf den Mond fällt, hat den längsten Weg hinter sich", erklärt der Weihenstephaner Meteorologe Hans Häckel. "Auf diesem langen Weg sind alle Farben außer dem besonders langwelligen Dunkelrot verloren gegangen." Dort, wo das Sonnenlicht dagegen nur die oberen, dünneren Atmosphärenschichten kurz durchquert, bleibt mehr dagegen Gelb und Orange übrig, das den Mond entsprechend beleuchten kann.

Was passiert am Tag?

Nachts hebt sich der Mond optisch besonders gut vom dunklen Himmel ab. Wer sich die Mühe macht und genauer hinschaut, kann ihn aber durchaus auch tagsüber entdecken – obwohl das Tageslicht seine Helligkeit meistens überstrahlt. Besonders prägnant steht ein möglichst voller Mond am sonnenlichtdurchfluteten Tageshimmel.

Aber selbst ab- oder zunehmender Mond lässt sich ausmachen. Wer ohnehin gerade den Himmel erkundet, der kann ja mal versuchen, einige Sterne zu finden. Sie lassen sich tagsüber ebenfalls erkennen – wenngleich sie auf Grund ihrer Größe beziehungsweise großen Entfernung zur Erde natürlich besonders stark vom Sonnenlicht überstrahlt werden.

Woher kommen die Ringe?

"Mondhof" heißt der farbige Kranz aus Lichtringen, der manchmal um den Mond herum zu sehen ist. Er entsteht durch die Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Der Innerste der Lichtringe (Aureole) ist meist bläulich bis weißlich und wird von einem gelblichen umschlossen, den dann wiederum ein rötlicher umrandet. Diese Abfolge kann sich mehrfach wiederholen. "Die Kränze entstehen durch die Beugung des Lichts an den Wassertropfen oder Eiskristallen in den Wolken", erläutert Meteorologe Hans Häckel aus Weihenstephan. "Durch die Umlenkung der Lichtstrahlen kommt es zu Überlagerungen, also Interferenzen, die dann farbige Ringe hervorbringen."

Warum fehlt das Funkeln?

Die Sterne funkeln, weil ihr Licht die Atmosphäre der Erde durchdringen muss, die mehrere Kilometer dick ist", erläutert John Graham, Astronom des Carnegie Institute of Washington. "Diese Atmosphäre ist voller Luftströmungen und Turbulenzen. Sie wirken wie kleine Linsen und Prismen, die das Licht der Sterne mehrere Male pro Sekunde ein bisschen hin- und herschieben." Da viele Sterne so winzig klein am Himmel stehen, erscheint uns dies wie ein Funkeln oder Blinken. Der Mond ist von der Erde aus betrachtet aber viel zu groß, als dass sich dieser minimale Versatz optisch bemerkbar machen würde. Die Abweichungen gleichen sich hier aus.

Am besten mit Fernglas!

Am Freitag wird der Mond kurz nach 21 Uhr am Osthorizont aufgehen. Die Sonne beginnt am Westhorizont mit ihrem Untergang. Also wird der Himmel zu Beginn der Mondfinsternis noch hell sein. Zu diesem Zeitpunkt hat der Mond den Kernschatten der Erde bereits berührt. Gegen 22 Uhr befindet er sich vollständig in diesem Kernschatten. Da ist es dann auch dunkel genug, um den Blutmond zu sehen. Allerdings ist die gute Sicht vom Wetter abhängig. Die Phase der totalen Mondfinsternis wird in unserer Region von 21.29 Uhr bis 23.13 Uhr andauern. Das astronomische Phänomen lässt sich mit bloßem Auge sehen. Noch eindrucksvoller wird es jedoch mit einem Fernglas.

Wo kann ich die Mondfinsternis sehen?

Wer in einem dicht bebauten Viertel wohnt, sollte sich schon vorher einen geeigneten Beobachtungsort suchen oder in einen östlichen Vorort fahren, um die störende Lichtglocke der Stadt hinter sich zu lassen. Wer auf dem Land in einem Mittelgebirgstal wohnt, sollte sich ebenfalls über einen höheren Beobachtungsposten Gedanken machen. Die Nürnberger Regiomontanus-Sternwarte auf dem Rechenberg nutzt dieses besondere Datum - an dem auch der Mars außergewöhnlich gut zu sehen ist -, um ihr Sommerfest zu feiern. Der Eintritt ist frei. Und Hintergrundinformationen der Experten gibt es kostenlos dazu.

Von 20 bis 2 Uhr hat die Sternwarte Neumarkt hoch über der Oberpfälzer Stadt für die Mondfinsternis geöffnet. Zum anderen steht der Rote Pla­net Mars in Erdnähe, Venus und Co sind ebenfalls gut durch entsprechende Telesko­pe zu sehen.

Die Sternwarte auf dem Feuerstein bei Ebermannstadt (Kreis Forchheim) hat ab 21 Uhr geöffnet. Rund um Weisendorf (Kreis Erlangen-Höchstadt) gibt es einen Astro­treff, der Teleskopbesitzer und Interessen­ten zur Beobachtung auf eine Anhöhe nörd­lich von Weisendorf einlädt, die über einen Feldweg hinter einer ehemaligen Fabrik zwischen Weisendorf und Oberlindach nördlich links der Staatstraße 2263 zwi­schen Herzogenaurach und Höchstadt ver­läuft. Beginn ist bei Einbruch der Dunkel­heit.

Von Christian Satorius und Gudrun Bayer

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