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Babys auf dem Rücken? Wöhrl liegt daneben und sagt "sorry"

In der "Höhle der Löwen" stand das Bauchgefühl der Wissenschaft im Weg - 25.09.2019 11:08 Uhr

Dr. Susanne Kluba, Nicole Klingen (mit Sohn Bosse) und Dr. Mitko Stange aus Düsseldorf präsentieren mit "Medibino" einen Babykopfschutz gegen Verformungen. © TVNOW / Bernd-Michael Maurer


"Medibino" heißt das Produkt, das Dr. Dr. Susanne Kluba, eine Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin, am Dienstagabend den fünf Löwen und einem Millionenpublikum präsentieren durfte. Es handelt sich um ein ringförmiges Kissen aus hochwertigem Material, das Eltern dem Kopf eines auf dem Rücken liegenden Babys unterschieben, damit sich der Druck der Masse besser verteilt und der Kopf nicht flach aufliegt - denn das kann laut Kluba zu Verformungen des Schädels führen.

Dagmar Wöhrl, die Ex-Bundestagsabgeordnete aus Nürnbergs wohl prominentester Unternehmerfamilie, runzelte da bereits die Stirn. "Was mich ein bisschen verwundert, ist, dass Sie etwas entwickelt haben, damit das Baby auf dem Rücken schläft", so die 65-Jährige. Wöhrl begründet ihre Verwunderung damit, man habe ihr damals, bei der Geburt ihres Sohnes, gesagt, Kinder sollten nicht auf dem Rücken schlafen. Die Gefahr des Erstickens und auch des plötzlichen Kindstods sei zu hoch, weshalb Kleinkinder auf der Seite liegen sollten.

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Die Wissenschaftlerin zeigte sich gut vorbereitet und bezog sich in ihrer Antwort auf eine Empfehlung der US-amerikanischen pediatrischen Gesellschaft aus den 1990er Jahren, wonach die Rückenlage als "protektiver Faktor" gegen den plötzlich Kindstod beschrieben wird. Sie weiß, wovon sie redet, schließlich habe sie genau zu diesem Thema auch habilitiert, wie sie weiter ausführt.

Anders als Kluba reagierte Wöhrl nun nicht mit einer fachlich ausargumentierten Antwort, sondern leicht trotzig emotional: "Das hab ich noch nie gehört." Eine Replik, die im Netz ihrerseits jede Menge Reaktionen wie diese erzeugte:

Der Vorwurf: Eine fähige Wissenschaftlerin präsentiert den aktuellen Forschungsstand zu einem Thema und die Investoren, Nils Glagau und Ralf Dümmel ließen übrigens ähnliche Ansichten wie Wöhrl durchblicken, ignorieren das, weil sie es nicht glauben möchten oder nicht in Betracht ziehen, dass sich Empfehlungen aus der Wissenschaft über Jahrzehnte hinweg auch immer wieder ändern können.

Nun wäre Dagmar Wöhrl aber nicht Dagmar Wöhrl, würde sie sich auf Twitter nicht direkt in die entbrannte Debatte einmischen. "Sorry", schreibt sie dort einsichtig und: "Es war für mich emotional". Es habe sie hart getroffen, "dass ich meine Kinder scheinbar einem hohen Risiko ausgesetzt habe."

In die Diskussion mischten sich schließlich auch Ärzte ein, wie der Internist und Endokrinologe Prof. Dr. Harald Schneider, der auf Twitter schrieb: "Bitte legt Eure Babys in Rückenlage, ihr vermindert das Risiko für plötzlichen Kindstod!" Dagmar Wöhrl retweetete diesen Beitrag übrigens, was zeigt: Sie hat verstanden. Ihren Humor hat sie obendrein auch nicht verloren:

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