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Bayerischer Uni-Kater für Staatsdienst abgelehnt - doch jetzt wird Leon geehrt

"Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zur Clownbude verkommen" - 24.09.2019 15:28 Uhr

Das undatierte Foto zeigt eine Katze auf dem Gelände der Universität Augsburg. © Akilnathan Logeswaran/dpa


Seit neun Jahren hat die Universität Augsburg eine "Campus Cat". Der orangefarbene Kater Leon hält sich nahezu überall an der Uni auf - in den Gängen, in der Bibliothek und manchmal auch in Büros. Dank sozialer Medien ist Leon, den seine Besitzerin 2008 aus Italien geholt hat, inzwischen weit über Augsburg hinaus bekannt. Natürlich verfügt Leon längst über eine Instagram-Seite. Jetzt hat er auch die Politik im Freistaat beschäftigt. Der bayerische Landtag entschied am Dienstag in München. Ergebnis: Verbeamtet oder als "Dienstkater" angestellt werden kann Leon leider nicht.


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Die entsprechende Eingabe eines Leon-Fans beschied der Ausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes abschlägig. Der Rolle des Katers als Sympathieträger für die Augsburger Uni aber mussten die Abgeordneten anerkennen. Zustimmend nahm man zur Kenntnis, dass die Universität Augsburg in Aussicht stellt, Leon im kommenden Jahr anlässlich der Feiern zum 50-jährigen Bestehen der Hochschule den Titel "Dienstkater ehrenhalber" zu verleihen. Die Ehrung sei "rein ideell". Mit ihr seien keine Belastungen des Freistaats für Futter oder Tierarzt verbunden, versicherte eine Vertreterin des bayerischen Wissenschaftsministeriums.

Das Echo der Abgeordneten auf die Petition fiel unterschiedlich aus. Während die einen der Eingabe und dem Kater als Sympathie- und Werbeträger für die Uni Augsburg einiges abgewinnen konnten, zeigten sich der CSU-Abgeordnete Volker Bauer und der FDP-Parlamentarier und frühere Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch irritiert. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zur Clownbude verkommen", sorgte sich der CSU-Mann. Womöglich werde Leon in ein paar Jahren "auch noch zum bayerischen Verdienstorden vorgeschlagen", spottete Heubisch.

Zu alt für Verbeamtung

Ausschussvorsitzender Wolfgang Fackler (CSU) hingegen würdigte die "Integrationsfunktion der Katze" und wies darauf hin, dass der Freistaat Bayern schließlich auch "Diensthunde" und "Dienstpferde" halte. Die Ernennung Leons zum ersten Dienstkater in der Geschichte des Freistaats stoße freilich schon deshalb auf Hindernisse, weil der ja schließlich jemandem gehöre. Eine Verbeamtung komme wegen des vorgerückten Alters von Leon ohenhin nicht mehr in Frage, gab Tessa Ganserer von den Grünen zu bedenken, höchstens ein Angestelltenverhältnis. Doch das gebe der Stellenplan der Uni nicht her. Das war dem FDP-Mann Heubisch zu viel. "Man sollte ein Tier nicht vermenschlichen", schimpfte er.

Um das Wohl von Leon muss man sich wohl auch ohne Aufnahme in den bayerischen Staatsdienst keine Sorgen machen. Gefüttert wird er mehrfach täglich von seiner Besitzerin, die ihm das Futter notfalls auch an seinen akademischen "Arbeitsort" bringt. Zwei 24-jährige Studentinnen kümmern sich um den Auftritt des Samtpföters im Internet und für Streicheleinheiten sorgen ungezählte Studenten und Uni-Mitarbeiter. Nach einem Bericht der Augsburger Allgemeinen soll es dem normalerweise verschmusten Kult-Kater dann manchmal sogar zuviel werden. Dann sind die akademischen Finger in Gefahr.

Ralf Müller

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