Fieber, Kopfschmerzen, Müdigkeit

Biontech: Darum gibt es nach der zweiten Impfung häufiger Impfreaktionen

15.7.2021, 15:00 Uhr
Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit: Das sind mögliche Impfreaktionen nach der ersten zweiten Biontech-Spritze.

Kopfschmerzen, Fieber, Übelkeit: Das sind mögliche Impfreaktionen nach der ersten zweiten Biontech-Spritze. © Fabian Sommer, dpa

Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost, Fieber, Übelkeit: Der Aufklärungsbogen für die mRNA-Impfstoffe Biontech und Moderna nennt eine ganze Reihe an Impfreaktionen, die der Wirkstoff mit sich bringen kann, aber nicht muss. Diese treten meist in den ersten zwei Tagen auf und halten selten länger als drei Tage an.

Viele Menschen sprechen hier von Nebenwirkungen. Der Begriff ist aber medizinisch nicht korrekt. Als Nebenwirkungen gelten unerwünschte Folgen eines Medikaments oder Impfstoffs. Von einer Impfreaktion spricht man, wenn das Immunsystem wie gewünscht anschlägt und man sich deshalb schlecht fühlt, die Auswirkungen auf den Körper aber unbedenklich sind. Sind die Symptome deutlich stärker als das, spricht man von Impfkomplikationen.

Die Wahrscheinlichkeit einer Impfreaktion ist nach der zweiten Impfung höher als nach der ersten. Ebenso sind jüngere Leute häufiger betroffen.

Impfreaktionen: So häufig sind Fieber und Müdigkeit

Wie wahrscheinlich Impfreaktionen sind, zeigen Daten der FDA, der US-amerikanischen Behörde für Lebens- und Arzneimittel. In einer klinischen Studie litten 7,5 Prozent der 18- bis 55-jährigen Teilnehmer nach der ersten Biontech-Impfung an Fieber, nach der zweiten waren es 31,4 Prozent. Besonders hoch (über 38,9 ℃) lag die Temperatur erst bei 0,3 und dann bei 1,2 Prozent der Geimpften.

Ein starkes Müdigkeitsgefühl empfand beim ersten Mal 1,4 Prozent der Teilnehmer, beim zweiten Mal waren es 4,6 Prozent. Auch andere stärkere Impfreaktionen traten häufiger auf. Statt knapp 28 griffen 45 Prozent der Geimpften zu schmerzstillenden und fiebersenkenden Mitteln.

Für den Impfstoff Moderna nennt die FDA ebenfalls einige Unterschiede: Bei den Testpersonen - hier im Alter von 18 bis 64 Jahren - litten gut 35 Prozent in den Tagen nach der ersten Impfung an Kopfschmerzen, nach der zweiten Dosis waren es knapp 63 Prozent. Schwere Beschwerden hatten erst zwei und dann fünf Prozent der Probanden.

Auch Übelkeit und Erbrechen traten nach der zweiten Impfung mehr als doppelt so häufig auf (9,4 Prozent / 21,4 Prozent), Gelenkschmerzen etwa dreimal so häufig (16,6 Prozent / 45,5 Prozent).

Warum reagiert der Körper bei der zweiten Biontech-Spritze stärker?

Der Immunologe Carsten Watzl erklärt den Unterschied zwischen Erst- und Zweitimpfung so: Beim ersten Mal reagiert das angeborene Immunsystem auf die im Impfstoff enthaltene RNA. Die Abwehrzellen im Körpers reagieren auf typische Art und Weise und schütten Botenstoffe aus, Entzündungen entstehen: Der Mensch fühlt sich angeschlagen, hat Fieber oder Gliederschmerzen.

Bei der zweiten Impfung reagiert zusätzlich das adaptive Immunsystem hinzu, also die durch die Erstimpfung erworbene Abwehr. Das Immunsystem reagiert dadurch stärker.

Die Immunologin Martina Prelog nennt es ein gutes Zeichen, wenn der Körper auf die zweite Impfung reagiert. Die ausgeschütteten Botenstoffe und eigentlich erwünschten Entzündungsreaktionen wirken sich für den Menschen allerdings unangenehm aus.

Astrazeneca: Erste Spritze führt zu mehr Impfreaktionen

Anders als bei Biontech und Moderna verhält sich das Immunsystem bei Vektor-Impfstoffen wie Astrazeneca. Hier sind die Symptome nach der ersten Dosis stärker. Watzl erklärt hierzu, dass die enthaltenen Adenoviren bei der zweiten Spritze durch die bereits erworbene Abwehr abgefangen werden. Damit werde das angeborene Immunsystem nicht stimuliert, die Impfreaktion falle schwächer aus.