Bundesweiter Warntag

Darum klingeln am 8. Dezember alle Handys zur gleichen Zeit

Stefan Besner

Online-Redaktion

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29.11.2022, 08:41 Uhr
Nachdem der Warntag letztes Jahr ausfiel, soll es am 8. Dezember 2022 nun wieder soweit sein. (Symbolbild)

© Karl-Josef Hildenbrand, dpa Nachdem der Warntag letztes Jahr ausfiel, soll es am 8. Dezember 2022 nun wieder soweit sein. (Symbolbild)

Gerade die jüngste Vergangenheit hat offenbart, dass Deutschland bei Weitem nicht gefeit ist vor der zerstörerischen Gewalt, die die Natur bisweilen entfesseln kann. Seien es die Flutkatastrophe im Ahrtal oder heftige Waldbrände in Brandenburg. Um die Menschen im Notfall rechtzeitig warnen zu können, wurde der Warntag ins Leben gerufen, quasi als Probelauf für den Ernstfall. Bund und Länder sowie alle teilnehmenden Landkreise und kreisfreien Städte testen an diesem Tag ihre Warnmittel.

Nachdem der Warntag letztes Jahr ausfiel, soll es am 8. Dezember 2022 nun wieder soweit sein - und es gibt eine Neuerung: Zum ersten Mal sollen Handys als mobile Gefahrenwarnsysteme fungieren. Um etwa 11 Uhr sollen deshalb nahezu alle Geräte eine SMS erhalten. Bei der höchsten Alarmwarnstufe kommt dazu noch ein Sirenenton - auch, wenn das Handy stumm geschaltet ist.

Das funktioniert über den Mobilfunkdienst "Cell Broadcast": Jedes Smartphone, das an einer deutschen Funkzelle angemeldet ist und mit dem Dienst kompatibel ist, erhält die SMS. Über das System können innerhalb von Sekunden Millionen von Handys erreicht werden. Cell Boradcast gibt es schon seit über zwanzig Jahren und wird von den meisten Handys und Smartphones unterstützt.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat eine unvollständige Liste der empfangsfähigen Handys veröffentlicht. Demnach funktioniert das Warnsystem mit allen Apple-Smartphones ab dem iPhone 6s aufwärts und bei Apple Watches der Cellular-Variante ab Watch Series 4. Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android sind von der Android-Version 11 an aufwärts kompatibel. Bei vielen dieser Geräte ist Cell Broadcast schon bei der Auslieferung aktiviert, bei einigen Modellen muss der User die Funktion laut der IT-Website manuell aktivieren. Wie das geht, lesen Sie hier.

Warnmeldungen der höchsten Warnstufe können laut Bundesamt für Katastrophenhilfe nicht unterdrückt werden: Auch, wenn man die Funktion ausgestellt hat, bekommt man die Benachrichtigung. Ist das Gerät allerdings ausgeschaltet oder im Flugmodus ist, erhält man keine Warnmeldung.

So läuft der Warntag am 8. Dezember ab

Bei drohendem Unheil sollen potentiell Betroffene über alle zur Verfügung stehenden Kanäle alarmiert werden können: Dazu gehören unter anderem Radio- und Fernsehsender, Anzeigetafeln, Sirenen sowie entsprechende Warnapps. Das wird am 8. Dezember getestet - um 11 Uhr soll es losgehen. Die offizielle Warnapp des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) heißt NINA.

"Wir müssen uns für die Zukunft besser für Krisenlagen wie Wetterextreme, Waldbrände oder Hochwasser wappnen. Dazu gehören vor allem moderne Systeme, um die Bevölkerung bei Gefahren schnell und zielgerichtet zu warnen. Neue Systeme müssen wir testen, um sie später präzise einsetzen zu können", erklärt Nancy Faeser (SPD). Dieses Jahr werde zum ersten Mal auch eine SMS an alle Bürger versandt. Es ist der erste Test für die Warnung per Cell Broadcast.

Vergangene Warntage waren ein Desaster

Dass in Belangen Prävention noch gehörig Luft nach oben ist, wurde die vergangenen beiden Jahre eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Manch einer mag sich noch daran erinnern: 2020 kreischten die Sirenen in ganz Deutschland - oder besser: hätten kreischen sollen. Die offengelegten Mängel waren derart gravierend, dass der eigentlich im Jahresrhythmus geplante Probealarm 2021 komplett entfiel. Eigentlich hätte auch der diesjährige Warntag bereits Anfang September stattfinden sollen. Um dem Cell-Broadcasting noch ein wenig Zeit zu geben, wurde der Termin jedoch nach hinten verlegt. Andere EU-Staaten wie die Niederlande, Polen und Frankreich setzten das System bereits erfolgreich ein.

Dieser Artikel wurde am 29. November um weitere Informationen erweitert.

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