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Diese drei Tabak-Maßnahmen könnten eine Million Krebsfälle verhindern

Deutschland ist in punkto Tabakkontrolle hinten dran - Das würde helfen - 31.05.2020 11:51 Uhr

Eine Million weniger Krebsfälle bis 2050: Das Krebspräventions-Zentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums glaubt an diesen Effekt - wenn die Politik drei Maßnahmen durchsetzt. © Sebastian Kahnert, dpa


Der Vorrang wirtschaftlicher Interessen behindert nach Ansicht des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) den Kampf gegen den Krebs. "Drei Tabakkontrollmaßnahmen könnten bis 2050 eine Million Krebsfälle vermeiden", sagt Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des DKFZ. Würden wiederholte Steuererhöhungen, ein umfassendes Tabakwerbeverbot sowie eine einheitliche neutrale Verpackung für alle Zigarettenmarken umgesetzt, bliebe vielen Menschen ein schlimmes Schicksal erspart. Das sei das Ergebnis von Modellrechnungen von DKFZ-Forschern, die im Fachjournal "Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention" veröffentlicht wurden.

Mons betonte anlässlich des Weltnichtrauchertages (31. Mai): "Leider fehlt der politische Wille, diese Schritte zu gehen." Die Lobby der Tabakindustrie sei in Deutschland weitaus stärker als die der Vertreter der Gesundheitsinteressen der Bevölkerung. Deutschland sei im Kampf gegen den gesundheitsschädlichen Tabakkonsum europäisches Schlusslicht.

Potenzial zu weniger Rauchern ist da

Ohne zusätzliche Tabakkontrollmaßnahmen dürfte es im Jahr 2050 einen Raucheranteil von 14,8 Prozent bei den Männern und von 10,2 Prozent bei den Frauen geben, wie die Wissenschaftler auf der Basis des heutigen Rauchverhaltens und des derzeitigen jährlichen Rückgangs der Raucherquote errechneten. Bei einer sofortigen Einführung der drei vorgeschlagenen Maßnahmen würden demnach in 30 Jahren voraussichtlich nur noch 9,7 Prozent der Männer und 6,7 Prozent der Frauen zum Glimmstängel greifen. Daraus ergebe sich die Zahl einer Million vermeidbarer Krebserkrankungen.

Schritt 1: Mehr Werbeverbote als bisher

Das DKFZ spricht sich für ein Außenwerbeverbot für Tabakprodukte aus, etwa an Litfaßsäulen und Plakatwänden. "Es konterkariert alle schulische Aufklärung über die Gefahren des Rauchens, wenn die Jugendlichen nach der Schule an den Haltestellen mit Zigarettenwerbung überschüttet werden", sagte Mons. Deutschland hinke da im europäischen Vergleich hinterher. Allerdings wollte der Bundestag an diesem Freitag erstmals über ein schrittweises Verbot der Plakatwerbung ab 2022 beraten.

Schritt 2: Zigaretten anders verpacken

Erfolgversprechend wäre nach Ansicht Mons auch eine einheitliche unscheinbare Verpackung nur mit dem Hinweis auf die Marke, wie sie Australien erstmals eingeführt habe. Damit werde der Versuch der Unternehmen vereitelt, durch die farbliche Gestaltung der Packung für sich zu werben. Und die Warnhinweise und abschreckenden Bilder kämen dann auch besser zur Geltung. "Marlboro Red und Gauloises Blau sehen dann identisch aus." Insbesondere für Jugendliche verliere die Verpackung an Attraktivität.

Schritt 3: Die Gruppe der "preissensiblen" Raucher

Auch der dritte Schritt - die stufenweise Erhöhung der Steuern - zielt besonders auf die Gruppe der "preissensiblen" jungen Raucher ab. Vorstellbar seien jährlich zehn Prozent für eine Dauer von zehn Jahren. Mons: "Zehn Prozent mehr Steuern führt in der Regel zu fünf Prozent weniger Absatz." Das sei die Erfahrung aus Steuererhöhungen vor 15 Jahren. Seitdem habe es nur Erhöhungen in homöopathischen Dosen gegeben. "Da ist noch viel Luft nach oben", betonte Mons.


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dpa

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