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Erstmals seit Zweitem Weltkrieg: 70 Millionen Menschen auf der Flucht

80 Prozent der Flüchtlinge leben dem UNHCR zufolge in einem Nachbarland - 19.06.2019 08:35 Uhr

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg waren 2018 70 Millionen Menschen auf der Flucht. © Victoria Jones/PA Wire/dpa


Vermutlich liege die Zahl der Flüchtlinge sogar noch höher als die offiziell errechneten 70,8 Millionen, sagte der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi. Denn von den vier Millionen geflohenen Venezolanern sei nur ein Teil erfasst. 2017 waren weltweit 68,5 Millionen Männer, Frauen und Kinder auf der Flucht. Deutschland gehört laut dem Bericht zu den Ländern weltweit, die 2018 am meisten Flüchtlinge beherbergten (1,1 Millionen). Grandi lobte die Bundesregierung für ihre Flüchtlingspolitik. "Deutschland ist ein Modell, dem andere Länder folgen sollten", empfahl er. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe 2015 Mut bewiesen, und er sei überzeugt, dass die Geschichte ihr Recht geben werde. Im vergangenen Jahr sahen sich laut UNHCR weltweit jeden Tag 37.000 Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen.

Häufig in ein Nachbarland

Die mit Abstand meisten, 41,3 Millionen, lebten als Flüchtlinge im eigenen Land. 25,9 Millionen Männer, Frauen und Kinder flohen über die Grenzen. Jeder zweite davon war 2018 minderjährig. 80 Prozent der Flüchtlinge leben dem UNHCR zufolge in einem Nachbarland. Als weitere Gruppe zählt das UNHCR die Asylsuchenden, von denen 2018 3,5 Millionen registriert wurden. 2,9 Millionen Flüchtlinge kehrten 2018 in ihre Heimat zurück. Dem stehen 13,6 Millionen Menschen gegenüber, die sich im vergangenen Jahr auf die Flucht machten. 80 Prozent aller Flüchtlinge sind seit fünf Jahren oder mehr unterwegs, ein Fünftel seit mindestens 20 Jahren. "Konflikte ziehen sich länger und länger hin, wir scheinen die Fähigkeit verloren zu haben, Frieden zu schließen", warnte Grandi. Während neue Krisen weitere Menschen vertrieben, blieben bisherige Krisen ungelöst. Grandi hob den Klimanotstand als kritischen Faktor hervor. So würden vorhandene Krisen durch den Kampf um schwindende Ressourcen verschärft, wie derzeit in der Sahel-Region in Westafrika zu sehen sei.

Fünf Länder im Fokus

In Ländern wie im ostafrikanischen Somalia kehrten Dürren inzwischen nahezu jährlich wieder und vertrieben Menschen aus ihrer Heimat, warnte er. Zwei Drittel aller Flüchtlinge stammten 2018 unverändert aus fünf Ländern: Syrien (6,7 Millionen), Afghanistan (2,7 Millionen), Südsudan (2,3 Millionen), Myanmar (1,1 Millionen) und Somalia (900.000). Zum fünften Mal in Folge war die Türkei das Land, das mit 3,7 Millionen die meisten Flüchtlinge beherbergte. Es folgten Pakistan (1,4 Millionen), Uganda (1,2 Millionen), der Sudan (1,1 Millionen) und Deutschland (1,1 Millionen). 

epd

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