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Franken-Tatort: Von Lieben und Trieben in Nürnbergs Wäldern

Ton von Regisseur Färberböck macht den Unterschied - 12.04.2015 21:39 Uhr

Es gibt nur zwei Dinge, welche die Menschen bewegen: die Liebe und der Tod.

24.02.2015 © BR/Felix Cramer


Die Geschichte ist so alt wie der deutsche Gartenzwerg: Christian Ranstedt (Philippe Brenninkmeyer), Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, liegt mit zwei Kugeln im Körper über dem Lenkrad seines Wagens mitten in einem Nürnberger Wald. Kurz vor seinem Tod hatte er Sex. Nur nicht mit seiner Frau.

Eifersucht als Motiv, doch die Kommissare Ringelhahn (Dagmar Manzel) und Voss (Fabian Hinrichs) finden keinen Tatverdächtigen, der dazu passen würde. Stattdessen entdecken sie, dass die amerikanische Rüstungsindustrie die Uni Erlangen mit Forschungsgeldern zur Entwicklung von Waffen unterstützt. Allerdings nicht der Zuständigkeitsbereich der beiden Ermittler, weswegen dieser Faden ins Leere läuft. Ist ja auch irgendwie nicht so wichtig.

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Voting zum Franken-Tatort: Ein Franke macht das Rennen

Im ersten Franken-Tatort musste das Ermittler-Team so einige Hürden meistern. Und stellte sich dabei nicht einmal so schlecht an - finden die Teilnehmer unserer Online-Umfrage, die die Leistung der Schauspieler durchschnittlich mit der Note 2,2 bewerteten. Wie sie die einzelnen Schauspieler bewertet haben, und wer den ersten Platz belegt, verrät unsere Bildergalerie.


Denn das Treiben von Ranstedt können die beiden Ermittler schnell dem Lieben der Nachbarin Charlotte Pahl (Ulrike C.Tscharre) zuordnen. Ihr Mann könnte der Täter sein, doch er erweist sich als Jammerlappen, der seine sexuelle Frustration lieber beim Tennis-Doppel am Wochenende auslebt.

Femme fatale auf dem Balkon

Also, weiter kein Tatverdächtiger für Ringelhahn und Voss. Aber immerhin eine Femme fatale, welche die Männer anscheinend zu sich zieht, während sie auf ihrem Balkon des Einfamilienhauses in Erlangen steht.

Eine große Intrige decken die Ermittler am Ende nicht auf, die Geschichte lebt von ihren Charakteren. "Prostitution, Raub, Drogen, nicht besonders kompliziert", beschreibt Ringelhahn die Kriminalität in Nürnberg. Und auch der Tod von Christian Ranstedt ist kein schwerwiegender Fall, sondern einfach ein ziemlich klassischer Krimi.

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"Färberböck wagt Revolution": Presseschau zum Franken-Tatort

Nicht nur ganz Franken ist gespannt auf den ersten, eigenen Tatort. Mancher befürchtet peinliche Franken-Klischees und Mundart-Gebrabbel, während andere endlich die Chance sehen, sich angemessen in der Republik repräsentieren. Doch was sagen die Kritiker zum fränkischen Krimi?


Der Ton von Regisseur Färberböck macht den Unterschied. Die Leichtigkeit der ersten Minuten verfliegt im Verlauf mehr und mehr. Zum Glück. Denn das Ankommen von Voss in Nürnberg bestätigt jede üble Vorahnung: Dialoge passen nicht, sowohl in ihrer Form als auch im Inhalt.

Doch dann steigt Voss direkt am Tatort im Nürnberger Reichswald in seine Arbeit ein. Man begrüßt sich mit Handschlag, lockerer Arbeitsalltag. Besonders Matthias Egersdörfer gibt einen tollen Leiter der Spurensicherung, der Färberböcks Spiel der Leichtigkeit und Schwere verschieben kann.
Am Ende des Tages sitzt Voss in seiner Wohnung, die er sich unbesehen besorgt hat. Wie schlimm kann es schon werden? Sehr schlimm. Schimmel, Ranz und Kargheit lassen Nürnbergs neuen Kommissar kurz verzweifeln.

Erzählerische Kraft

Wie viel Potenzial diese Besetzung noch hat, zeigen die wenigen Momente, in denen eine Kollegin von Voss ein Haus in der Dämmerung nahe des Tatorts findet - augenscheinlich verlassen. Als der Wagen wieder vom Hof fährt, hält die Kamera drauf. Und drauf. Und drauf. Während sich das Auge schon Gestalten hinter den Fenster halluziniert, geht im Erdgeschoss auf einmal das Licht an. So eine Einstellung findet sich kaum in dem Sonntagabendkrimi.

Diese Momente lassen hoffen, dass Färberböck auch mit den Fällen aus Franken die gleiche erzählerische Kraft wie bei seinem Münchener "Tatort" erreicht. Denn da konnte er ohne die Einführung der Kommissare agieren, konnte in die Tiefe der Schwärze einsteigen, das deutsche Eichenholz im Wohnzimmer zur undurchdringlichen Wand werden lassen.

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Premiere des Franken-Tatort: Die Promis auf dem Roten Teppich

Die komplette Schauspielerriege, Regisseur Max Färberböck und Hunderte Tatort-Fans trafen sich auf dem Roten Teppich vor der Premiere des Franken-Tatort. In zwei Kinosälen des Cinecittà wird der erste fränkische Tatort als Preview gezeigt.


Noch ist der Franken-Tatort durchschaubar, das Herz der Finsternis von Nürnberg hat Färberböck nicht gefunden. Allerdings deutet seine Suche in eine gute Richtung. Es gibt nur zwei Dinge, welche die Menschen bewegen: die Liebe und der Tod. Wer von den großen Themen nicht erzählen mag, kann es gleich bleiben lassen, sagte der Schriftsteller Thomas Glavinic. Umso schöner, wenn Nürnberg die Kulisse für diese Themen ist. Denn auch ein fränkisches Einfamilienhaus hat seine Abgründe.

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Nürnberg, Erlangen, Fürth und einige Örtchen aus der Umgebung sind Schauplatz des ersten Franken-Tatorts. Neben einigen Privatimmobilien kommen auch viele bekannte Plätze vor. Wir zeigen Ihnen die wichtigsten Drehorte.


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Dieses Gespann sucht im Franken-Tatort den Mörder

Diese Fünf ermitteln im Franken-Tatort: Hauptkommissar Felix Voss hat zusammen mit Hauptkommissarin Paula Ringelhahn das Zepter in der Hand. Unterstützt werden sie von den beiden Kommissaren Wanda Goldwasser und Sebastian Fleischer. Am Tatort selbst geht Michael Schatz auf Spurensuche.


Björn Bischoff

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