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Frauenleiche in Erdloch vergraben - Ehemann gesteht Tötung

Mann soll die Frau im Streit erwürgt und dann in Koffer gesteckt haben - 06.12.2019 22:22 Uhr

Die Polizei hat in einem Wald in Duisburg die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ihr Ehemann hat gestanden, sie bei einem Streit erwürgt und dann vergraben zu haben. © ANC-NEWS/dpa


Wenn aus einem Vermisstenfall ein Mordfall wird: Drei Monate lang gab es keine Spur von der Duisburgerin Mine O. (26). Am Donnerstagabend bewahrheiteten sich dann die schlimmsten Befürchtungen: Am Rand einer umzäunten Industriebrache im Duisburger Stadtteil Meiderich fand die Polizei ihre Leiche, vergraben in einem Erdloch, umgeben von Gestrüpp - nur wenige Meter neben einem Gehweg, wo auch Schulkinder laufen. Mine O. hinterlässt einen fünfjährigen Sohn. Tatverdächtig ist ihr 28 Jahre alter Ehemann. Er hat gestanden, seine Frau nach einem Streit erwürgt zu haben. Ein Richter erließ Haftbefehl wegen Totschlags.

Rückblick: Samstag, der 7. September. An diesem Tag will der 28-Jährige seine Frau gegen 21 Uhr zuletzt gesehen haben, wie er der Polizei erzählt. Den Ermittlern sagt er, dass sie bei einer Freundin übernachten wollte. Doch schnell weiß die Kripo, dass diese Freundin bereits seit längerer Zeit nicht mehr in Deutschland lebt. Gut sechs Wochen später veröffentlicht die Polizei ein Foto der Vermissten und bittet die Bevölkerung um Hinweise. Europaweit wird gefahndet. In der Beschreibung der Vermissten heißt es, dass sie am linken Handgelenk innen den Namen ihres Mannes als Tätowierung trägt.

Bei ihren Ermittlungen nahm die Polizei auch die Ehe der beiden unter die Lupe. Dabei sei bekannt geworden, dass es zwischen Mine O. und ihrem Mann Beziehungsstreitigkeiten gab, erklärte Polizeisprecher Stefan Hausch am Freitag.

Die Ermittlungen gingen weiter. Zunehmend geriet der Ehemann in den Fokus. Ein Gericht erlaubte schließlich die Durchsuchung der Wohnung. Dort fanden die Beamten Hinweise auf die Garage, die in einem anderen Stadtteil liegt. Der 28-Jährige hatte sie Tage nach dem Verschwinden seiner Frau angemietet. In der Garage fand die Polizei Kleidung und den Ausweis der Vermissten. Ein auf Datenträger abgerichteter Spürhund erschnüffelte schließlich das Handy der Duisburgerin. Auch ein Leichenspürhund schlug in der Garage an. Für die Ermittler war damit klar: In dieser Garage wurde zumindest vorübergehend ein Leichnam gelagert.

Tote zunächst in Garage gelagert

Der 28-Jährige wurde am Donnerstag verhört - und gestand den Ermittlern zufolge, seine Frau am 7. September nach einem Streit in der gemeinsamen Wohnung getötet zu haben. Anschließend habe er ihren Leichnam in einen Koffer gepackt und diesen in sein Auto geladen. Wenig später habe er die Garage angemietet "und die Tote dort gelagert", hieß es am Freitag in einer Mitteilung der Polizei. Eine Woche später habe er sie dann vergraben. Er nannte der Polizei die genaue Stelle. Wenig später am Donnerstagabend wurden die Ermittler dort fündig.

In der Nähe des Fundorts stehen Altkleider- und Altglascontainer. Auf der anderen Straßenseite befindet eine von vielen Wohnhäusern gesäumte Grünanlage: Die Arbeit der Spurensicherung am Donnerstag bekamen viele Nachbarn mit. Ein 40-Jähriger, der nur 50 Meter entfernt wohnt, zeigte sich am Freitag noch immer betroffen. Er entzündete ein Grablicht und stellte es hinter einen Container. "Das alles berührt einen schon", sagte er. Später stellte auch eine 56 Jahre alte Nachbarin ein Grablicht direkt an das Erdloch, in dem die Leiche lag. Sie wolle damit ihr Mitgefühl mit der Familie der Frau ausdrücken, sagte sie: "Es ist unfassbar, dass so etwas hier passiert. Es ist einfach traurig."

Über die Getötete wurde am Freitag zunächst nicht viel bekannt. Sie soll die deutsche und afghanische Staatsangehörigkeit besessen haben und erst vor Kurzem eine Ausbildung zur Arzthelferin abgeschlossen haben. Der 28-Jährige soll Deutscher mit türkischen Wurzeln sein. Er wurde noch am Freitag einem Richter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen. Der Vorwurf lautet auf Totschlag. "Mordmerkmale", wie es im Juristendeutsch heißt, habe man zunächst keine ausmachen können, so die Staatsanwaltschaft. So hatte der Ehemann seine Tat offenbar nicht geplant - sondern seine Frau nach einem Streit attackiert. Die Obduktion deckte sich laut Staatsanwaltschaft mit den Angaben des Mannes: Er hatte seine Frau erwürgt.

Wegen des fünfjährigen Sohnes ist die Polizei im Kontakt mit dem Jugendamt, um eine Lösung für seine Unterbringung zu finden. Er hatte nach dem Verschwinden der Mutter bei dem Vater gelebt.

dpa

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