Genitalverstümmelung: Über 20.000 Mädchen in Deutschland bedroht

17.6.2020, 11:13 Uhr
Waris Dirie hat mit ihrem Buch

Waris Dirie hat mit ihrem Buch "Wüstenblume" auf das grausame Ritual aufmerksam gemacht. Es wurde verfilmt und mittlerweile gibt es sogar ein Musical davon. © Gian Ehrenzeller, dpa

2019 waren laut der Dunkelzifferstatistik 70.218 in Deutschland lebende Frauen betroffen. In diesem Jahr ist die Zahl auf 74.899 gestiegen, berichtet die Organisation. Bedroht sind 20.182 in Deutschland lebende Mädchen. Auch diese Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (17.691). Es gab auch im Jahr zuvor einen Anstieg der Zahlen.

Terre des Femmes befürchtet, dass die Corona-Pandemie zu einem weiteren Anstieg der Fälle führen könnte. "Gerade in Krisenzeiten und in Zeiten sozialer Distanzierung appellieren wir an Behörden und Politik, Mädchen, die von Genitalverstümmelung bedroht sind, nicht fallen zu lassen!", sagt Christa Stolle, die Bundesgeschäftsführerin.


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Bei der weiblichen Genitalverstümmelung werden die weiblichen Geschlechtsorgane von Frauen und Mädchen teilweise oder ganz beschnitten. Hauptgründe, warum die Praktik durchgeführt wird, sind zum Beispiel der Glaube an eine Tradition, die Unterdrückung der weiblichen Sexualität und dem Festhalten an einer "sozialen Norm".

Obwohl vor allem Länder wie Somalia oder Eritrea für diese Art der weiblichen Genitalverstümmelung bekannt sind, handelt es sich laut Terre des Femmes um ein globales Problem, welches nicht zuletzt auch Deutschland betrifft. Da in den vergangenen Jahren mehr Menschen aus diesen Ländern hierher kamen, sind hierzulande auch Frauen und Mädchen betroffen.

Um den gegenzuwirken, will Terre des Femmes eine bessere Sensibilisierung von medizinischem Personal zum Thema erwirken und außerdem Aufklärungsarbeit in der Politik und Gesellschaft leisten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit 200 Millionen beschnittene Mädchen und Frauen leben.

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