Grünes Kleid für Eiserne Dame

3.12.2011, 00:00 Uhr

Wenn es eines Beweises bedarf, dass eine raffinierte Stahlkonstruktion so faszinierend sein kann, dass sie pro Jahr sieben Millionen Menschen aus aller Welt anzieht, dann ist er es: der Eiffelturm. Oder vielmehr sie – die „Eiserne Dame“, wie Nostalgiker das berühmte Wahrzeichen von Paris nennen.

Und doch soll diese zeitlos schöne alte Dame nun für vier Jahre in ein ganz neues Kleid gehüllt werden. Und zwar ein nachhaltiges grünes Kleid, bestehend aus 600000 Pflanzen, das aus dem Eiffelturm den größten Baum der Welt macht.

Das „verrückte Projekt“ hat nun die Tageszeitung Figaro enthüllt. Zwar dementierten die Stadt und die Betreibergesellschaft Sete des größten Touristenmagneten Frankreichs die Meldung umgehend: Die „Existenz eines Begrünungs-Projektes des Eiffelturms“ sei ihnen nicht bekannt.

Das Pariser Ingenieurbüro Ginger hingegen bestätigt die Planungen: „Ja, es gibt das Projekt, wir arbeiten seit zwei Jahren daran.“ Laut Darstellung des Figaro werden bis Juni nächsten Jahres die entsprechenden Pflanzen gezogen und dann nach und nach in Jute-Taschen an einem Netz aus Hanf-Seilen am Turm angebracht. Im Juli 2016 soll das Pflanzenkleid wieder abgenommen werden.

Positive Ökobilanz

Ausschlaggebend für die Begrünungs-Idee, die laut Figaro 72 Millionen Euro kosten soll, ist das Bemühen, Paris naturnäher zu machen. Die Öko-Bilanz des grünen Kleides sei positiv, weil es mehr Kohlendioxid schlucke aus ausstoße, heißt es. Dazu sollen insgesamt 600 neue Bäume zwischen der Seine und der Militärschule gegenüber dem Eiffelturm gepflanzt werden.

Ein heikler Punkt ist noch das Gewicht von 378 Tonnen, die zusätzlich auf der Turmkonstruktion lasten. Um Problemen vorzubeugen, unterzieht das Ingenieurbüro Ginger einer Modell-Konstruktion außerhalb von Paris derzeit entsprechende Tests.

Künftig soll der Eiffelturm, den die Unesco zum Weltkulturerbe erklärt hat, als „grüne Lunge“ auch als Aushängeschild für Frankreichs Bestreben dienen, sich in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit hervorzutun. Die französischen Banken und Großkonzerne, die die Finanzierung sichern, dürften sich wohl auch ein umweltfreundliches Image durch die aufsehenerregende Aktion erhoffen.

Im Internet häufen sich schon die Protest-Kommentare gegen einen begrünten Eiffelturm. Ob die Pariser und die Touristen ein verändertes Antlitz der Eisen-Dame akzeptieren werden — an die sie sich in 122 Jahren so sehr gewöhnt haben?

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