Donnerstag, 12.12.2019

|

zum Thema

Hochwasser in Venedig erreicht Markusdom

Kulturdenkmäler durch Fluten beschädigt - 14.11.2019 09:23 Uhr

Der Markusdom wurde vom schmutzigen Salzwasser in Mitleidenschaft gezogen. Am Donnerstag soll das historische Gebäude überprüft werden. © Andrea Merola, dpa


Venedig kämpft mit den Folgen des verheerenden Hochwassers. Der italienische Zivilschutz warnte vor neuen Unwettern mit starkem Wind in der Region Venetien. Der Wasserstand sollte allerdings bei weitem nicht das Rekord-Niveau wie in der Nacht zu Mittwoch erreichen. Das Kulturministerium will am Donnerstag den Markusdom auf Schäden prüfen. Ministerpräsident Giuseppe Conte kündigte bei einem Besuch in der Lagunenstadt an, dass die Regierung den Notstand für die Unesco-Welterbestadt ausrufen wird. Gestritten wurde wieder heftig um das skandalgeplagte Flutschutzprojekt.

Der Wasserstand war getrieben durch heftige Winde in der Nacht zu Mittwoch auf 187 cm über dem Meeresspiegel gestiegen - das ist der höchste Wert seit einer verheerenden Flut im Jahr 1966. Für Donnerstag wurden 130 cm erwartet. Wissenschaftler führen die zunehmenden Fluten in Venedig auch auf den Klimawandel zurück, der den Meeresspiegel ansteigen lässt.

Der Markusplatz und der Dom wurden überflutet, genauso wie Hotels, Geschäfte und Wohnhäuser. Schiffe gingen unter, Gemäuer wurden zerstört. Ein Mensch starb.

Bilderstrecke zum Thema

Katastrophale Verwüstungen: Hochwasser überschwemmt Venedig

Sogar der Eingang des Markusdoms ist überflutet: Das Hochwasser erreichte am Dienstag einen Höchststand von 1,87 Meter. Der Bürgermeister von Venedig spricht von einer "Katastrophe", fast das komplette historische Zentrum steht unter Wasser. Gondeln und Boote wurden aus ihren Vertäuungen gerissen und trieben durch die Kanäle.


Kulturminister Dario Franceschini sprach von einem "Notfall". Kulturdenkmäler seien durch salziges und schmutziges Wasser in Mitleidenschaft gezogen worden. Kunstwerke in Sammlungen oder Material in Archiven und Bibliotheken seien aber nach ersten Erkenntnissen nicht beschädigt worden.

Schulen und Kindergärten sollten auch am Donnerstag geschlossen bleiben, der Schiffsverkehr war extrem eingeschränkt. Die Oper La Fenice sagte Aufführungen ab. Die Kunst-Biennale erklärte dagegen, wieder zu öffnen, nachdem das Gelände am Mittwoch gesperrt war und die Kunstwerke auf Schäden überprüft wurden.

Während Touristen Selfies von den Wassermassen machten, waren die Bewohner geschockt. "So was habe ich noch nicht gesehen. Es ist eine Katastrophe. Es ist wie ein Krieg. Wir habe es gewusst", sagte der Venezianer Ezio Toffolutti der Deutschen Presse-Agentur. Läden und Supermärkte seien alle im Erdgeschoss, die habe es deshalb schlimm erwischt. Gefährlich seien die elektrischen Leitungen. "Eine schreckliche Zeit."

Bilderstrecke zum Thema

Zwölf Dinge, die der Klimawandel in Bayern verändert

Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Bis zum Jahr 2100 soll es bis zu 4,5 Grad wärmer werden. Das hat gravierende Auswirkungen auf das Leben im Freistaat.


Er kritisierte das Milliarden-Flutschutzsystem "Mose", das die Stadt mit ausfahrbaren Barrieren vor Hochwasser schützen soll. Das Projekt sei "dumm". "Jeder, der die Lagune kennt, weiß, dass man die Lagune nicht mir Beton zumachen kann." Viele Venezianer werfen Politikern vor, die Stadt an Tourismus- und Kreuzfahrtunternehmen verkauft zu haben und sich nicht wirklich um den Schutz zu kümmern.

Bürgermeister Luigi Brugnaro dringt darauf, das skandalgeplagte Flutschutz-Vorhaben fertigzustellen. Er ist der Meinung, dass Katastrophen wie das jetzige Hochwasser mit "Mose" vermieden werden können. Jedoch verzögert sich der Bau, der rund sechs Milliarden Euro verschlungen haben soll, seit Jahren wegen Korruptionsskandalen und auch Kritik von Umweltschützern. Medien nennen das Projekt "die große Unvollendete".

Regierungschef Conte erklärte nun, der Bau sei zu "92 bis 93 Prozent" fertig. "Venedig ist ein Kulturerbe Italiens und der Menschheit. Es ist notwendig, dass eine Serie von historischen Problemen gelöst wird."

dpa

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Panorama