Hyänenfleisch ist "halal" und darf in Somalia verzehrt werden

21.8.2012, 17:25 Uhr
Trotz der ablehnenden Haltung vieler Muslime in der Region, erlauben die Rebellen der Al-Schabaab-Miliz in Somalia neuerdings den Verzehr von Hyänenfleisch.

Trotz der ablehnenden Haltung vieler Muslime in der Region, erlauben die Rebellen der Al-Schabaab-Miliz in Somalia neuerdings den Verzehr von Hyänenfleisch. © dpa

Hyänen haben ein miserables Image. Sie fressen Aas und Knochen, gelten als feige und gemein und ihr hinterhältiges Lachen jagt Safari-Touristen in Afrika einen kalten Schauer über den Rücken. Umso erstaunlicher ist es, dass die radikalislamische Miliz Al Schabaab in Somalia das Fleisch der Raubtiere neuerdings als "halal" - also zulässig - auf den Speiseplan der Muslime gestellt hat.

Die Jagd und der Verzehr von Hyänenfleisch seien mit der islamischen Gesetzgebung Scharia ganz und gar vereinbar, erklärten die Rebellen, die noch immer große Gebiete und deren Bewohner im Zentrum und Süden des Krisenlandes kontrollieren. Was die Al Schabaab sagt, ist hier Gesetz. In Kismayo in der Provinz Lower Juba werden die Innereien der unbeliebten Tiere bereits auf den Märkten feilgeboten.

Süßes Fleisch mit angeblichen Heilkräften

Unter den Bürgern sind hingegen heiße Diskussionen über das Hyänen-Fleisch entbrannt. Abdi Dahir ist einer, der es probiert hat. "Hyänen schmecken süß und sehr lecker, fast wie Kamele oder Ziegen, die Somalier ja seit jeher essen", sagt der Mann aus Kismayo. Viele seiner Landsleute sind hingegen schockiert und können sich kaum vorstellen, das Fleisch zu testen.

Selbst die islamischen Führer des Landes am Horn von Afrika sind sich nicht ganz einig, was der Koran denn nun genau über die Zubereitung von Hyänen sagt. Gewiefte Händler wittern hingegen das große Geschäft. Wie so oft in Afrika machen sie bereits Werbung mit all den wundersamen Heilkräften des Hyänenfleischs, das angeblich die unterschiedlichsten Krankheiten kuriert.

Jagt auf die Hyänen

Deshalb kommen die Raubtiere auch nicht billig über die Ladentheke: Ein Kilogramm kostet rund vier Euro - eine stolze Summe für ein Land, in dem das durchschnittliche Jahreseinkommen bei unter 250 Euro liegt. "Es ist wirklich teuer, teurer als Kamelfleisch", sagt Sahra, eine Frau aus Kismayo, und fügt hinzu, dass viele Bürger mittlerweile schon selbst Hand anlegen und auf Hyänenjagd gehen, um sich eine Scheibe vom Gewinn abzuschneiden.

Und auch die Viehbesitzer in der Region sind den Al-Schabaab-Rebellen dankbar, mussten sie doch bisher stets fürchten, dass ihre Tiere von den lachenden Aasfressern gerissen werden. «Hyänen sind sehr gefährliche Tiere, die unser Vieh töten», sagt der Hirte Ali Guret. «Sie jagen nicht nur andere Tiere, sondern auch Menschen. Deshalb sind wir froh, dass wir jetzt die Hyänen jagen dürfen.»

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