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Kippa nur als Experiment: Attackierter Mann ist kein Jude

Video sorgt weltweit für Empörung - Maas verurteilt Tat als "unerträglich" - 18.04.2018 21:37 Uhr

Der in Berlin attackierte junge Mann ist gar kein Jude. Er trug die Kippa als Experiment, um den immernoch gegenwärtigen Antisemitismus in Deutschland zu präsentieren.

18.04.2018 © Screenshot YouTube


Ein Freund habe ihn gewarnt, man sei in Deutschland nicht sicher, wenn man eine Kippa trage. Das habe er nicht geglaubt, erklärte der Mann weiter. Drei Männer beleidigten ihn und seinen 24 Jahre alten deutschen Begleiter, der ebenfalls eine Kippa trug, am Dienstagabend in Prenzlauer Berg heftig. Einer der Männer schlug schließlich mit einem Gürtel auf den 21-Jährigen ein.

Der Attackierte filmte den Angriff. "Ich wollte einen Beweis für die Polizei haben und, dass die Deutschen sehen, ja im Grunde, dass die Welt sieht, wie schrecklich es ist, in diesen Tagen als Jude durch Berlins Straße zu laufen." Dem israelischen Fernsehen erzählte der 21-Jährige am Mittwoch, sie seien "ganz normal auf der Straße gegangen - wir haben mit niemandem gesprochen". Drei Männer hätten sie plötzlich beschimpft. Der Freund habe ihnen gesagt, sie sollten damit aufhören. "Dann wurden sie sauer, einer von ihnen rannte auf mich zu." In diesem Moment beginnt das Video. "Mir war sofort klar, dass es wichtig ist, das zu filmen", sagte er. Er hoffe, dass die Polizei den Mann so finden könne.

 

Polizei sucht nach dem Täter

 

Die Polizei bestätigte den Vorfall. Nach dem ersten Angriff mit dem Gürtel habe sich die Gruppe der drei aggressiven Männer entfernt, sei jedoch von dem 21-Jährigen verfolgt worden. Daraufhin habe der Schläger versucht, den Verfolger mit einer Flasche zu attackieren. Eine Zeugin ging dazwischen. Der 21-Jährige wurde leicht verletzt. Die Polizei sucht nun nach dem Täter. Der regionale Dialekt des Arabisch sprechenden Täters war nicht klar zu erkennen - das Opfer sagte, er habe mit einem syrischen Dialekt gesprochen.

Der Angriff fällt in eine Zeit, in der sich Berichte über antisemitische Vorfälle häufen. In Berlin wurde eben erst der Fall einer Schülerin bekannt, die von muslimischen Mitschülern wegen ihrer jüdischen Religion beschimpft wurde. Im Dezember wurde ein jüdischer Restaurantbesitzer von einem Deutschen antisemitisch beleidigt. Arabische Demonstranten verbrannten bei einer Kundgebung israelische Flaggen. Die Berliner Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) zählte im vergangenen Jahr 18 Angriffe und 23 konkrete Bedrohungen. Die Jüdische Gemeinde schätzt, dass 20 000 Juden in der Hauptstadt leben.

"Das ist eine Schande für unser Land"

Am Mittwoch trafen sich die deutschen Kultusminister mit dem Zentralrat der Juden zu Beratungen über Übergriffe in Schulen. Zentralrats-Präsident Josef Schuster sprach von einem "Bedrohungspotenzial" vor allem in Städten.

Außenminister Heiko Maas und Justizministerin Katarina Barley (beide SPD) verurteilten die neue Tat als "unerträglich". Maas sagte der Funke Mediengruppe: "Juden dürfen sich bei uns nie wieder bedroht fühlen." Barley meinte: "Das ist eine Schande für unser Land." Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: "Antisemitismus gehört nicht zum Berlin, in dem wir leben wollen."

dpa

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