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Kommentar: Das Rauchverbot ist zuviel des Guten

Orte, an denen sich ohnehin nur Raucher versammelt haben, sind quasi ausgestorben - 01.08.2020 12:31 Uhr

Eine Frau raucht in Havanna (Kuba) eine Zigarre. (Symbolbild)

© Abel Padrón Padilla/ACN (dpa)


Wissen Sie noch? Damals, als nach dem Besuch im Restaurant gefühlte zehn Liter Waschmittel nötig waren, um den Gestank von Zigarettenrauch wieder aus seiner Kleidung zu entfernen? Oder als man nach der Disco dankbar sein musste, keine Brandlöcher in Jeans oder T-Shirt zu haben, weil irgendwer auf der Tanzfläche seine Kippe in der falschen Höhe gehalten hatte? Und erinnern Sie sich nicht auch noch daran, wie es war, am nächsten Morgen in einer Wolke kalten Rauchs aufzuwachen, weil Sie nach dem Tanzen völlig kaputt waren und einfach keine Lust mehr hatten, noch mal schnell vor dem Schlafen die Haare zu waschen? Mal ganz im Ernst: War das nicht einfach grauenvoll?

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Nebulös: Wo früher überall geraucht wurde

Es galt als Angriff auf die bayerische Volksseele: Vor zehn Jahren, im Juli 2010, sorgte der Volksentscheid zum Nichtraucherschutz dafür, dass die rauchschwadengeschwängerte Gemütlichkeit aus Kneipen und Gaststätten verbannt wurde. Ein (nur ein klein wenig nostalgischer) Blick zurück in eine Zeit, in der die Zigarette in der Hand so selbstverständlich war, wie heute das Smartphone.


Ich kann gar nicht sagen, wie froh und dankbar ich bin, dass in Discos, Restaurants oder Bars nicht mehr geraucht werden darf. Ja, man konnte plötzlich riechen, dass Menschen beim Tanzen tatsächlich schwitzen, aber egal. Kein Gestank mehr, keine brennenden Augen, keine Hustenanfälle - wunderbar. Nur gibt es da leider ein Problem: Das Rauchverbot ist eine dieser Ideen, die im Kern zwar gut sind, dabei aber massiv über das Ziel hinausschießen.

Denn auf der Strecke blieben die Genussraucher. Ja, die gibt es wirklich. Und nein, ich meine damit nicht die bedauernswerten Zeitgenossen, die während des Kneipenabends alle 30 Minuten zum Rauchen vor die Tür müssen, weil sie sonst das Zittern bekommen (oder wenigstens schlechte Laune). Sondern beispielsweise die Liebhaber von Zigarren und Pfeifen. Menschen wie mich.


Zehn Jahre Rauchverbot: Europa hat ausgeraucht


Wehmütige Erinnerungen an "Rauchkultur"

Für Zigaretten habe ich nichts übrig, aber ich liebe Zigarren - und ich kann mich nicht erinnern, wie viele Abende ich früher im Casa del Puro, Nürnbergs schönster Zigarrenlounge direkt am Hauptmarkt, verbracht habe. Dunkles Holz, schwere Ledersessel, ein guter Scotch oder Rum, dazu eine kubanische Zigarre, der Blick über das Gewusel auf dem Christkindlesmarkt - das war einfach herrlich.

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In französischen, südafrikanischen und auch in britischen Autos darf nicht mehr geraucht werden, wenn Kinder an Bord sind. Sollte Deutschland mitziehen? Und wenn ja, wäre ein Rauchverbot im Pkw überhaupt zu kontrollieren? Dazu haben die Nürnberger unterschiedliche Meinungen.


Bitte nicht falsch verstehen: Ich kritisiere nicht den Schutz der Gesundheit von Nichtrauchern. Im Gegenteil. Die “wen der Rauch stört, der soll halt gehen”-Mentalität diverser Raucher ist nichts anderes als zutiefst asozial. Doch durch die völlige Kompromisslosigkeit des Rauchverbots sind selbst die Orte ausgestorben, an denen es nicht einmal ansatzweise um Nichtraucherschutz ging, weil ein Nichtraucher ohnehin nie auf die Idee gekommen wäre, sie zu besuchen. Und das ist eine Schande. Denn so bleibt mir nur die wehmütige Erinnerung daran, dass es tatsächlich mal Orte gab, an denen “Rauchkultur” nicht nur eine hohle Phrase war.

Pro: Darum gibt es am Rauchverbot nichts zu rütteln


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