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Kreis Leer: In Restaurant wurden offenbar Corona-Regeln missachtet

In rund 70 Fällen wurde eine häusliche Quarantäne angeordnet - 23.05.2020 18:57 Uhr

"Leider hat auch uns die Corona Pandemie erreicht." steht vor dem Restaurant "Alte Scheune". Nach dem Besuch des Lokals im Landkreis Leer sind mehrere Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden.

© Lars-Josef Klemmer, dpa


Nach einem Restaurantbesuch in Niedersachsen sind mindestens zehn Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Darunter ist auch der Inhaber des Lokals. Der Landkreis geht davon aus, dass sich die Menschen in der Gaststätte in Moormerland angesteckt haben. "Die Infektionen stehen vermutlich in Zusammenhang mit einem Besuch in einem Lokal", so der Kreissprecher. Es seien inzwischen elf Infektionen bekannt, sagte er am Samstag. Demnach waren zehn betroffene Personen am 15. Mai in dem Lokal. Eine weitere Person aus einem anderen Landkreis habe sich in der Folge angesteckt.

Das Gesundheitsamt hat weitere Kontaktpersonen der Infizierten ermittelt. "Insgesamt wurde bislang in rund 70 Fällen eine häusliche Quarantäne angeordnet", hieß es. Einige der Frauen und Männer zeigten bereits Symptome, so dass weitere Infektionsfälle im Zusammenhang mit dem Ausbruch nicht auszuschließen seien.

Für den Betreiber der Gaststätte "Alte Scheune" in der Gemeinde Moormerland im Kreis Leer ist die Entwicklung fatal. Monatelang hatte er das Restaurant renoviert und sich auf die Eröffnung vorbereitet, wie er der Deutschen Presse-Agentur erzählte. Der erste Abend sollte rund 40 ausgewählten Gästen gehören - darunter Vertreter von Firmen, die ihn unterstützt hatten. Der Inhaber stand zunächst als Koch in der Küche. Später gesellte er sich nach eigenen Angaben zu den Gästen, um mit ihnen anzustoßen. Die Abstands- und Hygieneregeln seien eingehalten worden, sagt der Mann, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte.

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Inzwischen kennt er vier Gäste, die wie er positiv getestet wurden. Bei drei Freunden von ihm sei das Virus ebenfalls nachgewiesen worden. Ob sich das Virus am 15. Mai beim Eröffnungsabend für Unterstützer seines Lokals verbreitet habe, wisse er nicht. Es sei auch möglich, dass sich die Menschen vor oder nach dem Abend infiziert hätten. Eine Party sei der Abend sicher nicht gewesen, sondern eine Art Testlauf für ihn und sein Team. Denn am kommenden Tag öffnete das Restaurant regulär.

Der Landkreis prüft, ob die Vorgaben zu Abstand und Hygiene am 15. Mai eingehalten wurden. Demnach wurden inzwischen alle an dem Abend anwesenden Gäste befragt. "Aus den Hinweisen, die uns vorliegen, ergeben sich Indizien, dass am Abend des 15. Mai möglicherweise gegen Corona-Regeln verstoßen worden ist", sagte Landrat Matthias Groote (SPD). Ob dies der Fall war, müsse das Ordnungsamt in einem Ordnungswidrigkeiten-Verfahren klären.

Der NDR berichtet derweil schon jetzt unter Berufung auf Zeugen, dass es Anhaltspunkte für Verstöße wie Händeschütteln, Verzicht auf Mundschutz und Nichtbeachtung des Mindestabstands gegeben haben soll. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) teilte mit, in der Gastwirtschaft sei „offenbar eine private Party gefeiert“ worden.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga zeigte sich bestürzt über den Corona-Ausbruch. Eine Sprecherin sagte NDR 1 Niedersachsen, durch das Hygiene- und Abstandskonzept, das der Verband erarbeitet habe, seien Neuinfektionen in Restaurants eigentlich nicht möglich.

Nun bleibt die "Alte Scheune" im Landkreis Leer erst einmal geschlossen.

© Lars-Josef Klemmer, dpa


Aus Sicht von Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) verdeutlichen die neu aufgetretenen Infektionen im Landkreis Leer einmal mehr, dass das Virus nicht besiegt ist. "Es ist noch da und wir müssen weiterhin sehr wachsam sein, um die großen Fortschritte der letzten Wochen nicht zu gefährden." Sie forderte alle auf, die Lage weiterhin ernst zu nehmen und sich an die Abstands- und Hygieneregeln sowie die geltenden Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung zu halten. "Insbesondere an Orten, an denen nun wieder mehr Publikumsverkehr möglich ist, gilt es für uns alle, besonders vorsichtig und umsichtig zu sein."

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Die "Alte Scheune" hat der Betreiber vorsorglich geschlossen. Nach seiner Quarantäne will er am 4. Juni wieder öffnen. "Vorausgesetzt alle Tests sind negativ", sagte er. "Ich möchte auf Nummer sicher gehen." Um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren, braucht es aus seiner Sicht mehr Tests. Hätte ein Gast des Abends sich nicht umgehend testen lassen, hätte er von seiner Infektion wahrscheinlich nichts mitbekommen, erzählt der Inhaber. Diesem einen Gast sei es zu verdanken, dass die anderen Infektionen entdeckt wurden.

dpa

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