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Krieg in Syrien: Katzen-Asyl in Aleppo bombardiert

Ein Mann füttert in Aleppo zurückgelassene Tiere - 18.11.2016 06:00 Uhr

Seine Freunde sind längst geflohen, er blieb zurück: Mohammad Alaa Aljaleel kümmert sich in der Hölle von Ost-Aleppo um zahlreiche von Flüchtlingen zurückgelassene Katzen. "Sie sind jetzt meine Freunde", sagt er. © Foto: rtr


Fast all seine Freunde sind aus Aleppo geflüchtet, einige sind Opfer dieses brutalen Krieges geworden. Doch Mohammad Alaa Aljaleel hat sich und allen Menschen- und Katzenfreunden geschworen, zu bleiben. Die Hoffnung will der gelernte Elektriker nicht aufgeben. Seit 2011 kümmert sich der syrische Familienvater, der drei Kinder hat, täglich unter Einsatz seines Lebens als Rettungssanitäter um Schwerstverletzte mitten in der Hölle von Ost-Aleppo

.In seiner "Freizeit", so man davon im Krieg sprechen kann, sorgt er sich um Waisenkinder und Familien mit Behinderten. Und um Straßenkatzen, für die er mithilfe der Italienerin Alessandra Abidin ein Notasyl namens "Haus der Katzen Ernesto" geschaffen hat. Dort füttert er auch dank Unterstützern aus Europa die Tiere, zurückgelassen von geflüchteten Menschen. "Der Katzenmann von Aleppo" wird er genannt, vorgeschlagen ist der furchtlose Mann für den Friedensnobelpreis 2017.

Im Krieg flüchteten Menschen aus Syrien - und ließen ihre Haustiere zurück. © AFP


Am Mittwoch wurde das Gelände, auf dem er täglich inzwischen über 150 herrenlose Katzen, einige Hunde und ein paar Gänse füttert, bombardiert. Ausgerechnet der schwarze Mischlingshund "Hope" (Hoffnung), der Talisman des Zufluchtsorts, der so freundlich zu Katzen und Menschen war, kam dabei ums Leben. Und mindestens zwei Katzen. Eine davon gehörte tragischerweise einem in die Türkei geflohenen Mädchen. Sie hatte Alaa ihren geliebten Stubentiger vor der Flucht unter Tränen anvertraut – und er musste ihr versprechen, sich so lange um ihn zu kümmern, bis der Krieg vorbei ist und sie zurückkommt. Regelmäßig hat er ihr Fotos von der getigerten Katze geschickt.

Große Anhängerschaft in sozialen Netzwerken

Auf Facebook bekunden die Unterstützer Alaas (so nennt er sich selbst) ihr Mitgefühl und sind erschüttert. Aber sie sind auch sehr erleichtert, dass Alaa und seiner Familie nichts zugestoßen ist. Allerdings wurde sein Rettungsfahrzeug zerstört – und Teile des gemauerten Katzenheims.

Über 12.000 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe "ll gattaro D‘ Aleppo", welche von der Italienerin Alessandra Abidin gegründet wurde. Die Violonistin leitet an den furchtlosen und "nur an Menschen und Tieren interessierten, aber unpolitischen" Syrer persönliche Nachrichten und Spenden weiter. Da sie gebürtige Libanesin und ihre Muttersprache Arabisch ist, kann sie jederzeit einfach mit ihm kommunizieren, sofern dies technisch möglich ist. Sie versucht, täglich Kontakt zu halten und die Unterstützer über Neuigkeiten zu informieren und Fotos in der Facebook-Gruppe und auf Twitter zu posten ("Il Gattaro D' Aleppo").

 

 

Es fiel ihr schwer, dass sie am Mittwoch Fotos der getöteten Tiere und des teils zerstörten Geländes posten musste. In den Videos sind verschreckte Katzen zu sehen, die den Bomben getrotzt haben. Die Angst, dass dort erneut etwas passiert, ist groß. Doch Alaa gibt nicht auf. Er kann allerdings nicht mehr für die Tiere tun als Reis zu kochen und ein wenig Fleisch zu organisieren.

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Es gibt keinen Tierarzt, der die Katzen sterilisieren könnte, wie einige Tierfreunde fordern. Angesichts der Tragödie, die sich in Aleppo abspiele, sei es ein Wunder, die Katzen einigermaßen satt zu bekommen, so Abidin. Auch die Organisation "Frieden für Pfoten" mit Sitz in Berlin unterstützt das "Haus der Katzen Ernesto".

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Stephanie Rupp

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