Potenzieller Kollisionskurs

Kürzlich entdeckter Asteroid: Könnte er schon im Juli 2023 auf der Erde einschlagen?

30.6.2022, 15:55 Uhr
Das Handout-Foto der European Space Agency (ESA) zeigt die im Rahmen der Mission Asteroid Impact simulierte Begegnung von Asteroiden mit der Erde.

© -, dpa Das Handout-Foto der European Space Agency (ESA) zeigt die im Rahmen der Mission Asteroid Impact simulierte Begegnung von Asteroiden mit der Erde.

Es waren Wissenschaftler des Catalina Sky Survey, die mit dem Mount Lemmon Survey den Asteroiden 2022 AE1 entdeckt haben. Die Datenbank der NASA listet Objekte auf, die potenziell auf der Erde einschlagen könnten - und der Asteroid lag zunächst auf dem ersten Platz.

Der Asteroid mit einem Durchmesser von etwa 70 Meter könnte laut Berechnungen (Stand Januar) im Juli 2023 oder im Juli 2028 mit der Erde kollidieren. Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies zutrifft? Laut Astronomen lag sie zu diesem Zeitpunkt bei 1 zu 1500. Zudem wurden unterschiedliche Skalen verwendet, die das Risiko einschätzen.

Palermo-Skala

Die Skala kumuliert unterschiedliche Faktoren in einem Wert: zum Beispiel die Einschlagwahrscheinlichkeit, kinetische Energie und die verbleibende Zeit bis zu einer potenziellen Kollision. Wen der Wert zwischen 0 und -2 liegt, sind Folgen durch eine Kollision auf der Erde unwahrscheinlich. Der Asteroid 2022 AE1 lag auf der Palermo-Skala bei -0,89 - das Risiko eines Einschlags wurde als gering eingestuft. Dennoch: Das hatte es seit mehr als zehn Jahren nicht gegeben, berichtet Deutschlandfunk.

Turiner Skala

Diese Skala fasst verschiedene Parameter in Klassen zusammen: Die Klasse 0 bedeutet ein geringes Risiko - Klasse 10 dagegen bedeutet, dass eine Kollision zu einer globalen Katastrophe führen würde, heißt es bei Forschung und Wissen. Das Ergebnis für den Asteroiden 2022 AE1: Klasse 1.

Die Forscher beobachteten weiter

Eine längere Beobachtung führt zu genaueren Daten. Das Ergebnis: Nach zwei Wochen zeigte sich, dass von diesem Asteroiden keine Gefahr ausgeht. Am 4. Juli 2023 wird er die Erde um Millionen Kilometer verfehlen - das Objekt wurde wieder von der Risiko-Liste der NASA gestrichen. Doch bleiben Asteroiden eine Gefahr?

Zwei bekannte Ereignisse zeigen die Folgen

In unserem Sonnensystem existieren nach Angaben der US-Raumfahrtagentur Nasa über eine Million bisher bekannte Asteroiden, von denen mehr als 20 000 sogenannte Near Earth Objects (NEO) sind, die während ihres Umlaufs unsere Erdumlaufbahn kreuzen. Was solche Brocken anrichten können, zeigen zwei bekannte Ereignisse: Am 30. Juni 1908 fegt - wahrscheinlich - die Druckwelle einer Asteroidenexplosion Millionen Bäume in Tunguska in Sibirien auf einer Fläche fast so groß wie das Saarland um. Mit Blick auf dieses Ereignis rufen die Vereinten Nationen später den 30. Juni zum Internationalen Asteroidentag aus. Im Februar 2013 explodiert ein etwa 20 Meter großer und 66 000 Kilometer pro Stunde schneller Asteroid über der Millionenstadt Tscheljabinsk. Durch die Druckwelle werden rund 1500 Menschen verletzt, meist von splitterndem Fensterglas. Tausende Gebäude wurden beschädigt.

Experten sehen "Beobachtungslücken"

Sie sind übriggebliebene Brocken aus der Entstehungszeit unseres Sonnensystems. Die Menschheit wäre ohne sie womöglich nicht entstanden - ist aber auch durch sie bedroht: Asteroiden brachten möglicherweise die Grundlagen allen Lebens zur Erde - ein Einschlag heute aber könnte verheerende Folgen haben. Schutzlos ist die Menschheit allerdings nicht. "Das ist die einzige Naturkatastrophe, die wir vorausberechnen können", sagt Detlef Koschny, Asteroiden-Experte der europäischen Raumfahrtagentur Esa im niederländischen Noordwijk, zum Internationalen Asteroidentag am 30. Juni. Ein Beschuss von Asteroiden wie in Blockbustern ist längst keine reine Fiktion mehr. Bei bestimmten Brocken allerdings gibt es immense Beobachtungslücken.

Wir brauchen weltraumbasierte Teleskope

Koschny und Moissl zufolge laufen die Beobachtungen derzeit noch fast ausschließlich von der Erde aus. "Wir brauchen in der Zukunft weltraumbasierte Teleskope, um ein besseres Frühwarnsystem zu haben", sagt Moissl. "Wir müssen Beobachtungslücken schließen." Die ganz dicken Brocken sind nicht das Problem. "Die Objekte, die meinen wir alle zu kennen", sagt Koschny. "Was schon eine existierende Bedrohung ist, das ist eben der Größenbereich von 20 bis 40 Metern." Bei einem 40-Meter-Objekt über einer größeren Stadt müsste man diese evakuieren - und in diesem Größenbereich kenne man nur ein paar Prozent der möglichen Kandidaten.
Angst und bange müsse den Menschen aber zur Zeit nicht sein. "Eine zivilisationsbedrohende Gefahr kann ich ausschließen im Moment", sagt Koschny. Und auch Moissl sieht derzeit nichts Gravierendes auf die Erde zurasen. "Im Moment kann ich eigentlich sehr gut schlafen."