"Kuschel-Söder": Markus Lanz stichelt gegen CSU-Chef

Tarik Vahle
Tarik Vahle

Online-Redakteur

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29.3.2019, 01:46 Uhr
Markus Lanz hatte am Donnerstag unter anderem Markus Söder zu Gast in seiner Show.

Markus Lanz hatte am Donnerstag unter anderem Markus Söder zu Gast in seiner Show. © Screenshot/ZDF

Die Runde ist bunt durchgemischt. Da wäre einmal Laura Karasek, Kolumnistin für stern.de, der weltweit bekannte DJ Paul van Dyk, die Chefredakteurin der Wirtschaftswoche Elisabeth Niejahr, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder und natürlich Moderator Markus Lanz, der direkt zu Beginn den Vogel abschießt.

"Er soll 12 Nürnberger Rostbratwürstchen auf einmal verputzt haben", liest Lanz bei der Vorstellung des CSU-Chefs vor, Söder bleibt nichts anderes übrig, als seine Lippen zu einem gezwungenen Lächeln zusammenzupressen. In der Folge wird deutlich, dass sich Bayerns Ministerpräsident, trotz aller Bemühungen des ZDF-Moderators, keinerlei Schwächen anmerken lässt, jegliche Provokation cool kontert. "Gut", lautet die Antwort Söders auf die Frage, wie es sich denn anfühle, Parteivorsitzender zu sein. Das lässt den Moderator kurz sprachlos erscheinen.

Wenig später packt Lanz aber die schwereren Geschütze aus: "Ich habe das Gefühl, sie sind so ein Kuschel-Söder geworden." Söder entgegnet: "Hier nicht." Und wenn es dann doch einmal so weit ist, dass der gebürtige Nürnberger in die Ecke gedrängt wird, weiß er sich mit den altbekannten Floskeln "Nein im Ernst…" und Fußball-Vergleichen aus der Affäre zu ziehen. Da fällt auch Elisabeth Niejahr, wahrlich kein Söder-Fan, nicht mehr viel zu ein – die Journalistin stimmt Söder an diesem Abend meistens zu, die zu erwartenden hitzigen Debatten bleiben komplett aus.

Selbst die kritischste Anmerkung Niejahrs ist in diesem Gesprächsverlauf als Kompliment zu werten: "Er benutzt Wörter, von denen Ich nicht wusste, dass die zu seinem Wortschatz gehören."

Die Themen, darunter Innenpolitik, Sozialleistungen, Wohnraum und Europa arbeitet Söder nacheinander extrem souverän ab. Kurios wird es bei der Frage nach den Verhandlungsgesprächen kurz nach der Landtagswahl im vergangenen Jahr. Söder: "Ich habe versucht, die SPD zu erreichen. Es ging keiner ran." Lanz reagiert verdutzt: "Es ging keiner ans Telefon?" Söder: "Sie wissen doch, wie Telefon funktioniert." 

Es sind die kleinen Nicklichkeiten zwischen Lanz und Söder, die die Sendung an diesem Abend interessant machen. Zum Abschluss stellt der Moderator fest: "So ein bisschen Darth Vader ist da noch drin. Nach außen sind sie Mutter Theresa, doch innen drin sind sie ein bisschen Darth Vader." Und auch hier kontert Söder einmal mehr: "Die CSU ist immer die helle Seite der Macht."

Van Dyks schlimmer Unfall

Dann wird es hochemotional. Der weltberühmte Star-DJ Paul van Dyk erzählt von seinem dramatischen Unfall, als er im Februar 2016 von einer sechs Meter hohen Bühne in Utrecht gestürzt ist. Was vor wenigen Minuten noch ein lockerer Polit-Talk war, hat sich zu einem sensiblen Gespräch, welches Gänsehaut hervorruft, entwickelt.

Was Lanz im ersten Moment großartig miteinander kombiniert, nämlich verschiedene Gefühlswelten innerhalb einer Sendung verschmelzen zu lassen, vernichtet er wenig später mit der Frage danach, wie das Koma für van Dyk gewesen sei. Der Musiker antwortet gefasst, stellt heraus, dass es sich lohnt für etwas zu kämpfen.

Trotzdem lässt Lanz hier jegliches Taktgefühl vermissen, zumal es offensichtlich ist, dass es van Dyk nicht leicht fällt, über die Zeit nach dem Unfall zu sprechen. "Aufgeben ist keine Option", sagt van Dyk, auch für Lanz nicht, denn schließlich wartet ja noch ein Gast.

Karasek darf auch noch 

Laura Karasek, die bis dato nur mit ihrer hautengen Lederhose und riesigen Kreolen-Ohrringen für Aufmerksamkeit sorgt, darf auch noch etwas sagen – sie entscheidet sich, nachdem sie im Schnelldurchlauf ihren beruflichen Wandel von der Anwältin zur Kolumnistin darlegt, für das Thema Feminismus. Was das denn für sie bedeute, fragt Lanz. "Feminismus bedeutet für mich, Freiheit der Wahl", antwortet Karasek und erhält Zustimmung von, na klar, Elisabeth Niejahr. Lanz bricht ab, ermöglicht Karasek noch kurz Werbung für ihren anstehenden Fernsehauftritt zu machen, dann ist Schluss. 

Was nach diesem Abend bleibt? Ein Kuschel-Söder, eine zahme Chefredakteurin, ein bemerkenswerter Kampf zurück ins Leben und eine hautenge schwarze Lederhose. Und natürlich Markus Lanz.

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