Mangelndes Vertrauen

Microsoft-Studie zeigt: Homeoffice sorgt für "Produktivitätsparanoia"

Svenja Strunz

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27.9.2022, 12:17 Uhr

© Sina Schuldt/dpa

Für eine Studie zum Thema Hybrid-Work hat Microsoft 20.000 Menschen in 11 Ländern befragt sowie "Billionen von Microsoft 365-Produktivitätssignalen analysiert, zusammen mit LinkedIn-Arbeitstrends und Glint People Science-Ergebnissen." Dabei geht es vor allem darum, wie sich ein Hybrid zwischen Homeoffice und der Arbeit im Büro auf den Arbeitsalltag auswirkt und wie Führungskräfte mit der neuen Situation umgehen können.

"Produktivitätsparanoia"

Die Analyse zeigt, dass sich die Meinungen über das Thema Produktivität im Homeoffice zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber spalten. Während die Mehrheit der Mitarbeiter, etwa 87 Prozent, angeben, bei der Arbeit produktiv zu sein, sagen 85 Prozent der Führungskräfte, dass die Umstellung auf hybride Arbeit es schwierig gemacht hat, darauf zu vertrauen, dass Mitarbeiter ihre beste Arbeit leisten.

Grund dafür sind vor allem die fehlenden visuellen Hinweise. Führungskräfte können nicht länger "sehen", wer konzentriert und hart arbeitet. Sie haben somit weniger Einblick in die Arbeit ihrer Mitarbeiter. Dies wiederum führt zu einer "digitalen Überforderung", da Arbeitnehmer mehr Druck verspüren, zu beweisen, dass sie tatsächlich arbeiten.

Führungskräfte sollten sich laut Microsoft jedoch nicht darauf konzentrieren, wie produktiv ihre Mitarbeiter sind, sondern sie dabei unterstützen. Um dies zu erreichen, könnten sie klare Ziele und Prioritäten setzen und eine Kultur schaffen, in der die Wirkung der Mitarbeiter belohnt wird.

Was Mitarbeiter dazu motiviert ins Büro zu gehen

Was die Daten ebenfalls zeigen, ist, dass Mitarbeiter einen guten Grund brauchen, um ins Büro zu kommen. Tatsache ist, dass die Menschen jetzt Flexibilität und Autonomie in Bezug darauf erwarten, wie, wann und wo sie arbeiten. Denn die Pandemie hat ihnen in vielen Fällen gezeigt, dass sie ihre Arbeit auch von zu Hause erledigen können. Demnach gaben 73 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie einen besseren Grund brauchen, um ins Büro zu kommen, als nur die Erwartungen des Unternehmens zu erfüllen. Ein solcher Grund könnten beispielsweise andere Mitarbeiter sein. Demnach gaben 84 Prozent an, dass sie der Kontakt zu Kollegen dazu motivieren würde, ins Büro zu gehen. Weitere 85 Prozent könnten Führungskräfte durch Wiederaufbau und Stärkung von Teambindungen motivieren.

Mitarbeiter wollen sich weiterbilden

Außerdem hat die Analyse der Daten ergeben, dass Menschen, die in ihrem Unternehmen nicht gefördert werden, dazu neigen, häufig ihre Arbeitsstelle zu wechseln. Demnach gaben 55 Prozent der Befragten an, dass mangelnde Chancen an Weiterbildungen und internen Beförderungen dazu führen, dass sie die Erfüllung dieser Aspekte durch einen Wechsel zu einem anderen Unternehmen erreichen wollen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Mitarbeiter eher im Unternehmen bleiben, wenn dieses sie bei der Weiterbildung unterstützt. 76 Prozent sagen demnach, sie würden länger in ihrem Unternehmen bleiben, wenn sie mehr von Lern- und Entwicklungsunterstützung profitieren könnten. Eine Mehrheit der Generation-Z und Millennials gaben zudem an, sie würden länger bei einem Unternehmen bleiben, wenn sie dort die Möglichkeit hätten, an einem Nebenprojekt zu arbeiten, um Geld dazu zu verdienen.

Microsoft empfiehlt Führungskräften deshalb, ihren Mitarbeitern Optionen zu geben, ihr Wissen zu erweitern und in der Unternehmenshierarchie aufzusteigen. Bereits 2019 hatte Microsoft außerdem ein Experiment mit der 4-Tage-Woche gewagt und ein Plus von 40 Prozent hinsichtlich der Produktivität festgestellt.

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