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Missbrauch in Lügde: 130 weitere Verdächtige

Anklage gegen einen Bekannten der Täter und viele neue Ermittlungsverfahren - 04.08.2020 17:14 Uhr

Die Ermittlungen zum Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz von Lügde führen zu vielen weiteren Verdächtigen. Ein 48-jähriger Bekannter der bereits verurteilten Täter muss nun vor Gericht.

© Friso Gentsch, dpa


Bei den Ermittlungen zum hundertfachen Missbrauch auf einem Campingplatz im westfälischen Lügde sind die Fahnder auf einen weiteren mutmaßlichen Täter gestoßen. Der 48 Jahre alte Bekannte der Lügde-Täter sei wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Besitzes von Kinderpornografie angeklagt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Göttingen am Dienstag mit. Zu den Taten soll es nicht auf dem Campingplatz, sondern an anderen Orten gekommen sein. Der Mann aus dem südniedersächsischen Kreis Northeim soll sieben Kinder und Jugendliche missbraucht und sich mit weiteren Tätern ausgetauscht haben. Zu den Vorwürfen äußerte der Angeschuldigte sich bisher nicht, ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe.


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Im Zuge der Ermittlungen gegen den 48-Jährigen seien gegen 130 weitere Personen Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchs und Vergewaltigung von Kindern sowie Besitzes von Kinderpornografie eingeleitet worden. 32 der Beschuldigten hätten inzwischen identifiziert werden können. Dabei handele es sich überwiegend um professionell agierende Täter, die sich mit Pseudonymen oder Fake-Personalien im Internet bewegt hätten, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Videobefragungen der Opfer

Bei einer Hausdurchsuchung bei dem 48-Jährigen im März stießen die Fahnder auf 43 Datenträger. Aufgefundene Videos und Bilder erhärteten den Verdacht gegen den Angeschuldigten, mehrere Kinder und Jugendliche missbraucht zu haben, so die Staatsanwaltschaft. Videobefragungen der Opfer, die von speziell geschultem Personal vorgenommen wurden, ergaben zudem weitere Anhaltspunkte auf regelmäßige sexuelle Übergriffe.


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Im Missbrauchsfall Lügde waren im Herbst 2019 am Landgericht Detmold zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Sie hatten auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen 32 Kinder jahrelang schwer sexuell missbraucht. Unter den Opfern war auch eine Pflegetochter des Haupttäters. Der Düsseldorfer Landtag beschäftigt sich im Rahmen eines Untersuchungsausschusses mit der Rolle von Polizei und Behörden bei dem Fall.

dpa

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