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Mordfall Susanna: Tatverdächtiger wieder freigelassen

Ein weiterer möglicher Täter befindet sich noch auf der Flucht - 07.06.2018 19:47 Uhr

Das polizeiliche Fahndungsfoto zeigt Ali Bashar. Der 20-jährige Iraker gilt im Fall Susanna als dringend tatverdächtig.

07.06.2018 © Polizei Wiesbaden/dpa


Die in Wiesbaden vermisste Jugendliche Susanna ist einem Verbrechen zum Opfer gefallen. Bei der am Mittwoch entdeckten Leiche handele es sich um die sterblichen Überreste der 14-Jährigen aus Mainz, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstag in Wiesbaden.

Die 14-jährige Susanna ist nach Angaben der Ermittler durch Gewalteinwirkung gegen den Hals getötet worden. Das sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Achim Thoma am Donnerstag in Wiesbaden. Eine DNA-Überprüfung habe zweifelsfrei ergeben, dass es sich um die Leiche von Susanna handele.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist das Mädchen Opfer eines Sexual- und Gewaltdelikts geworden. Das sagte Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Donnerstag. Es gebe zwei Beschuldigte, einen 20 Jahre alten Iraker und einen 35 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen. Der 35-Jährige sei festgenommen worden, der 20-Jährige auf der Flucht. 

Der 35-Jährige Tatverdächtige ist wieder auf freiem Fuß. Wie Oberstaatsanwalt Oliver Kuhn am Donnerstagabend in Frankfurt sagte, besteht nach neuesten Ermittlungserkenntnissen kein dringender Tatverdacht mehr gegen den 35-jährigen Asylbewerber mit türkischer Staatsangehörigkeit. Er habe das Justizgebäude bereits wieder verlassen und könne sich frei bewegen. Weitere Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler nun durch die Obduktion der Leiche der 14-Jährigen und der Auswertung von DNA-Spuren.

Fahndung nach Flüchtigem Ali B.

Die Polizei fahndet nun nach dem Flüchtling aus dem Irak. Ali B. steht unter Verdacht, mit dem Verschwinden der Jugendlichen in Verbindung zu stehen. Das Fahndungsbild der Polizei zeigt einen jungen Mann mit Dreitagebart, der Jeans und eine weiße Jacke trägt. 

Der 20 Jahre alte irakische Tatverdächtige im Fall Susanna ist vermutlich am vergangenen Donnerstag mit seiner gesamten Familie überhastet abgereist. Das sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Stefan Müller. Die Familie aus Vater, Mutter und sechs Kindern lebte nach Angaben der Ermittler zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim. 

Sie sei nach bisherigen Erkenntnissen von Düsseldorf aus nach Istanbul und von dort aus weiter ins irakische Erbil geflogen. Auf den Flugtickets seien andere Namen angegeben gewesen als auf den ebenfalls am Flughafen vorgelegten Aufenthaltspapieren für Deutschland, sagte Müller.

Die Gruppe habe aber auch sogenannte Laissez-passer-Dokumente – eine Art Passierschein – in arabischer Sprache mit Passbildern dabei gehabt, die von der irakischen Botschaft ausgestellt worden seien. Am Flughafen seien nach den bisherigen Erkenntnissen die Passfotos, aber nicht die Namen abgeglichen worden.

Ali B. ist nach Angaben der Ermittler vermutlich im Oktober 2015 nach Deutschland eingereist. Er sei mit dem damals großen Flüchtlingszustrom über die Türkei und Griechenland gekommen, sagte der Präsident des Polizeipräsidiums Westhessen, Stefan Müller, am Donnerstag in Wiesbaden. Zunächst seien er und seine Familie in der hessischen Erstaufnahme in Gießen untergebracht gewesen, im März 2016 seien sie dann nach Wiesbaden gekommen.

Susanna war seit Mai vermisst

Die 14-jährige Susanna war am 22. Mai als vermisst gemeldet worden. Sie war mit Freunden in der Wiesbadener Innenstadt unterwegs gewesen und abends nicht wie abgesprochen nach Hause zurückgekehrt. Bei der Polizei gingen daraufhin mehrere Zeugenhinweise ein, die auf ein Verbrechen hindeuteten. Nach längerer Suche fand die Polizei dann am Mittwochnachmittag in einem schwer zugänglichen Gelände bei Wiesbaden-Erbenheim eine weibliche Leiche.

In der Umgebung des Ortes hatten die Beamten schon in den Tagen zuvor nach der vermissten Jugendlichen gesucht. Die Ermittler gingen aufgrund der Spuren sofort von einem Gewaltverbrechen aus. Sie wollten aber anfangs nicht bestätigen, dass es sich um die vermisste Jugendliche handelte.

Einen entscheidenden Hinweis auf das Verbrechen bekamen die Ermittler nach eigenen Angaben von einem 13-jährigen Kind, das ebenfalls ein Flüchtling sei. In welcher Verbindung es zu den beiden Verdächtigen steht, ist unklar. 

Der Verdächtige hat nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zuletzt in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden-Erbenheim gewohnt. Der 20-Jährige soll nun untergetaucht und gemeinsam mit seiner Familie vor einigen Tagen in den Irak zurückgereist sein.


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Dieser Artikel wurde am 7. Juni um 19.47 Uhr aktualisiert.

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