Nur Trash? Zehn Gründe, warum das Dschungelcamp Spaß machen darf

8.1.2021, 20:39 Uhr
Im Dezember erhellte das Christkind die Dunkelheit, im Januar erhellt Moderatorin Sonja Zietlow die triste Mattscheibe. Und zwar nicht nur mit ihrem Blondhaar-Schopf, sondern im Duo mit Daniel Hartwich und einem Arsenal an scharfzüngigen Witzen. Dafür wurde die Show 2013 sogar für den Grimme-Preis nominiert. Kritiker witterten da schon den Untergang des Abendlandes. Der Preis ging dann nicht an die Show und das Autorenteam. Das Abendland war außer Gefahr. Bitterböse und genial werden die Insassen kommentiert:
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Die Lichtgestalten

Im Dezember erhellte das Christkind die Dunkelheit, im Januar erhellt Moderatorin Sonja Zietlow die triste Mattscheibe. Und zwar nicht nur mit ihrem Blondhaar-Schopf, sondern im Duo mit Daniel Hartwich und einem Arsenal an scharfzüngigen Witzen. Dafür wurde die Show 2013 sogar für den Grimme-Preis nominiert. Kritiker witterten da schon den Untergang des Abendlandes. Der Preis ging dann nicht an die Show und das Autorenteam. Das Abendland war außer Gefahr. Bitterböse und genial werden die Insassen kommentiert: "Da kommen manche extra in den Dschungel, um trocken zu werden. Und dann so was!", lästerte Zietlow angesichts einer Regenphase im Camp. Fies, aber lustig. Tagesaktuell sind die Gags oft, kommentieren auch mal politisches Geschehen. Bei der "Heute Show" darf man darüber lachen, beim Dschungelcamp nicht? Das ist Schubladendenken. Und Humor rangiert gern außerhalb. © Stefan Gregorowius, RTL

Das Dschungelcamp ist doof, sagen Kritiker. Falsch. Beim Dschungelcamp machen, Gott sei Dank, viele Doofe (Kandidaten) mit. Aber die Sendung selbst ist intelligent gemacht. Weil sie sich selbst nicht ernst nimmt — einzigartig im Privatfernsehen.
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Selbstironie

Das Dschungelcamp ist doof, sagen Kritiker. Falsch. Beim Dschungelcamp machen, Gott sei Dank, viele Doofe (Kandidaten) mit. Aber die Sendung selbst ist intelligent gemacht. Weil sie sich selbst nicht ernst nimmt — einzigartig im Privatfernsehen. "Ich gucke diese Sendung nicht. Trash! Trash ist das!", rief einst Daniel Hartwich. Die Show lästert quasi mit den Zuschauern gemeinsam über sich. Und bindet sie noch enger an sich. Ein Trick, na klar. Aber ein intelligenter. Wer das nicht kapiert, der ist, Verzeihung, selber siehe oben... © picture alliance / Stefan Menne/MG RTL D /dpa

Die gesellschaftliche Vereinzelung droht! Weil keiner mehr das gute alte Fernsehen schaut, sondern nur noch Bezahl-Angebote im Internet wie Netflix oder Amazon Prime. Das Dschungelcamp schafft Abhilfe und bringt die Vergangenheit zurück. Zwei Wochen lang verfolgt die Nation, jedenfalls immer noch ein großer Teil davon (2019 waren es 5,3 Millionen), dieselbe Sendung zur selben Zeit. Wie einst
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Gemeinsam am Lagerfeuer

Die gesellschaftliche Vereinzelung droht! Weil keiner mehr das gute alte Fernsehen schaut, sondern nur noch Bezahl-Angebote im Internet wie Netflix oder Amazon Prime. Das Dschungelcamp schafft Abhilfe und bringt die Vergangenheit zurück. Zwei Wochen lang verfolgt die Nation, jedenfalls immer noch ein großer Teil davon (2019 waren es 5,3 Millionen), dieselbe Sendung zur selben Zeit. Wie einst "Dallas" oder "Der Denver-Clan" ist das Dschungelcamp am nächsten Tag Gesprächsstoff. Die Menschen kommen wieder am Lagerfeuer Fernseher zusammen. Wenigstens 16 Tage lang. Das schafft so schnell keine andere Sendung. Wetten, dass ...? © TVNOW

Das ist doch alles Voyeurismus, heißt es. Na und? Wie man aus unveröffentlichten und nie durchgeführten Studien (Achtung, Witz!) mit Omas, die aus Fenstern schauen, weiß, war das Interesse an den Anderen schon immer hoch. Menschen interessieren sich für Menschen. Und ist es nicht eine viel schamlosere Neugier, auf dem Fensterkissen lehnend die Nachbarn auszuspionieren, als ein paar gut bezahlten Fremden in einem australischen Camp zuzuschauen? Also bitte.
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Diese Neugier tut nicht weh

Das ist doch alles Voyeurismus, heißt es. Na und? Wie man aus unveröffentlichten und nie durchgeführten Studien (Achtung, Witz!) mit Omas, die aus Fenstern schauen, weiß, war das Interesse an den Anderen schon immer hoch. Menschen interessieren sich für Menschen. Und ist es nicht eine viel schamlosere Neugier, auf dem Fensterkissen lehnend die Nachbarn auszuspionieren, als ein paar gut bezahlten Fremden in einem australischen Camp zuzuschauen? Also bitte. © MG RTL D

Jedenfalls ziemlich. Wie schon die NN-Feuilleton-Redakteurin Susanne Helmer darauf hinwies, werden hier keine ahnungslosen Bauern oder Schwiegertöchter in spe verheizt. Arme Würstchen, die oft nicht wissen, was ihnen passiert. Im Dschungel treten medienerfahrene und kamerageile Profis an, die Geld und einen Raum für Selbstdarstellung brauchen. Woraus die wenigsten Kandidaten einen Hehl machen. Was die Show, im Gegensatz zu vielen anderen zu Tode gescripteten Formaten, auch ehrlich macht. Wir dürfen also über die Insassen ruhig lachen. Denn sie wissen, was sie tun.
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Der Dschungel ist ehrlich

Jedenfalls ziemlich. Wie schon die NN-Feuilleton-Redakteurin Susanne Helmer darauf hinwies, werden hier keine ahnungslosen Bauern oder Schwiegertöchter in spe verheizt. Arme Würstchen, die oft nicht wissen, was ihnen passiert. Im Dschungel treten medienerfahrene und kamerageile Profis an, die Geld und einen Raum für Selbstdarstellung brauchen. Woraus die wenigsten Kandidaten einen Hehl machen. Was die Show, im Gegensatz zu vielen anderen zu Tode gescripteten Formaten, auch ehrlich macht. Wir dürfen also über die Insassen ruhig lachen. Denn sie wissen, was sie tun. © RTL

Diesen Spruch hört man als Dschungel-Fan am häufigsten:
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Helden aus dem Nichts

Diesen Spruch hört man als Dschungel-Fan am häufigsten: "Da geht’s doch nur um Känguru-Hoden, igitt!" Ja, Teile der Sendung können Spuren von Tier-Hoden enthalten. Das stimmt. Aber dass es nur um Ekel-Überwindung geht, stimmt nicht. Sie ist nur ein Teil der Mutproben, mit denen sich die Kandidaten beweisen. Und hier steckt die eigentliche Faszination. Unterschätzten Personen dabei zuzusehen, wie sie über sich hinauswachsen. Als Zimperliese kategorisierte Menschen wie Erotikmodel Micaela Schäfer oder ewige Loser wie DSDS-Wiedergänger Menderes Bagci zeigen plötzlich Kampfgeist. Aus Verlierern werden Helden. Der Entwicklungsroman in der Literatur basiert auf demselben Prinzip. Okay, mit Protagonisten, die sich etwas gewählter ausdrücken... © rtl

Sie machen den Moderatoren an Komik Konkurrenz. Nur eben unfreiwillig. Was es noch witziger macht. Wer bei Sänger Marc Terenzis Kauderwelsch-
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Die Sprüche der Kandidaten

Sie machen den Moderatoren an Komik Konkurrenz. Nur eben unfreiwillig. Was es noch witziger macht. Wer bei Sänger Marc Terenzis Kauderwelsch-"Dschörman" nicht lachen musste, wird es in seinem Leben auch nicht mehr tun. Oder bei Thorsten-"Augen-Aufreiß"-Legat, dessen Sprach-Repertoire Daniel Hartwich so zusammenfasste: "Er hat’s gerne einfach, auch sprachlich. Die Inuit haben angeblich über 100 Begriffe für das Wort Schnee. Thorsten Legat hat für über 100 Emotionen nur ein Wort: ,Kasalla!’" Fußballer-Sprüche sind Kult, die der Dschungel-Kandidaten haben auch das Zeug dazu. Ein bisschen Unsterblichkeit bitte auch für sie. Und für paradoxe Knaller wie der von Joey Heindle: "Ich hab keinen Bock, dass ich morgen tot aufwache!" © RTL

Wer wird sich als gute Seele des Camps herausstellen? Wer als absolutes Lästermaul? Der Dschungel ist auch eine Charakterstudie. Mit Kandidaten, die oft Überraschungseier sind. Und die wir auch übertragen können. Kennen wir nicht auch so einen, der immer ausflippt wie Legat? Oder eine, die sich immer vorm Geschirrabräumen drückt?
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Unser aller Thorsten Legat

Wer wird sich als gute Seele des Camps herausstellen? Wer als absolutes Lästermaul? Der Dschungel ist auch eine Charakterstudie. Mit Kandidaten, die oft Überraschungseier sind. Und die wir auch übertragen können. Kennen wir nicht auch so einen, der immer ausflippt wie Legat? Oder eine, die sich immer vorm Geschirrabräumen drückt? © RTL

Weihnachten ist längst vorbei, Fasching und Ostern sind noch fern, was gibt’s zu tun? Nichts. Draußen ist es kalt und trist, die gesellschaftliche Event-Dichte auf dem Nullpunkt. Das Dschungelcamp liegt in der perfekten Jahreszeit. Im kalten Januar lässt es ein bisschen Buntes über die Mattscheibe flimmern. Ein kleines Sommerfeeling im Winter. Und wenn den Kandidaten die Haare auf der verschwitzen Stirn kleben und das Make-up zerläuft, gefällt es uns mit der Decke auf dem Sofa plötzlich ein bisschen besser. Oder wir buchen spontan eine Reise in wärmere Gefilde. 
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Die perfekte Jahreszeit

Weihnachten ist längst vorbei, Fasching und Ostern sind noch fern, was gibt’s zu tun? Nichts. Draußen ist es kalt und trist, die gesellschaftliche Event-Dichte auf dem Nullpunkt. Das Dschungelcamp liegt in der perfekten Jahreszeit. Im kalten Januar lässt es ein bisschen Buntes über die Mattscheibe flimmern. Ein kleines Sommerfeeling im Winter. Und wenn den Kandidaten die Haare auf der verschwitzen Stirn kleben und das Make-up zerläuft, gefällt es uns mit der Decke auf dem Sofa plötzlich ein bisschen besser. Oder wir buchen spontan eine Reise in wärmere Gefilde.  © RTL

16 Tage lang verräumt uns der Dschungel ähnlich wie die Fußball-WM. Jeden Tag um 22.15 Uhr haben wir ein Date mit dem Fernseher. Andere Verpflichtungen und Sorgen können kurz zur Seite geschoben werden. Mitschauer sind willkommen. Solange sie die Grundregeln kennen und angesichts von Kakerlaken nicht ausflippen. Das zu tun, ist, wie bei der WM
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Simplify your life

16 Tage lang verräumt uns der Dschungel ähnlich wie die Fußball-WM. Jeden Tag um 22.15 Uhr haben wir ein Date mit dem Fernseher. Andere Verpflichtungen und Sorgen können kurz zur Seite geschoben werden. Mitschauer sind willkommen. Solange sie die Grundregeln kennen und angesichts von Kakerlaken nicht ausflippen. Das zu tun, ist, wie bei der WM "Wer spielt?" oder "Was ist Abseits nochmal?" zu fragen. © RTL

Das Dschungelcamp ist keine Hochkultur, niemand muss es anschauen. Aber Spaß daran zu haben, ist okay. Und ja, es soll Menschen geben, die sich darüber amüsieren und gleichzeitig gerne gute Literatur lesen. Beides ist möglich. Irre. Oder um es mit Dschungelkönigin Brigitte Nielsen zu sagen:
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Dschungelcamp: Fazit

Das Dschungelcamp ist keine Hochkultur, niemand muss es anschauen. Aber Spaß daran zu haben, ist okay. Und ja, es soll Menschen geben, die sich darüber amüsieren und gleichzeitig gerne gute Literatur lesen. Beides ist möglich. Irre. Oder um es mit Dschungelkönigin Brigitte Nielsen zu sagen: "Was geht los das rein?!"