Faktencheck

Nürnberger Kodex und die Corona-Impfung: Was es mit dem Impfgegner-Argument auf sich hat

Eva Orttenburger
Eva Orttenburger

Online-Redaktion

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14.1.2022, 19:45 Uhr
Gegner der Corona-Impfung argumentieren gern mit dem Nürnberger Kodex - doch die Impfstoffe wurden in mehreren Studien klinisch geprüft und sind daher kein

Gegner der Corona-Impfung argumentieren gern mit dem Nürnberger Kodex - doch die Impfstoffe wurden in mehreren Studien klinisch geprüft und sind daher kein "Experiment". © imago images/agrarmotive

Der Nürnberger Kodex stammt aus dem Jahr 1947 und ist eine ethische Richtlinie zur Durchführung medizinischer oder psychologischer Experimente an Menschen. Bei solchen Versuchen sei die "freiwillige Zustimmung der Versuchsperson unbedingt erforderlich", heißt es in der Richtlinie. Gewalt, Betrug, Druck oder Zwang sind dabei nicht zulässig. Die betroffene Person muss ebenso juristisch in der Lage sein, ihre Zustimmung zu geben.

Entstanden ist der Nürnberger Kodex nach der Zeit des Nationalsozialismus, in der es "medizinischen Verbrechen gegen die Menschlichkeit" sowie Zwangssterilisationen gab. Ärzte standen damals im Nürnberger Justizpalast vor Gericht, weil sie KZ-Gefangene zu Versuchszwecken mit Fleckfieber infizierten. Bei anderen Versuchen mussten die Menschen Salzwasser trinken oder wurden starker Kälte ausgesetzt. Tausende starben daran. Nach diesen Taten wurde der Nürnberger Kodex während des Ärzteprozesses 1947 in Nürnberg beschlossen, daher stammt auch der Name.

Impfgegner und Verschwörungstheoretiker ziehen den Kodex gern heran, um die Pläne zur Einführung einer Corona-Impfpflicht als juristisch unmöglich abzutun oder als zutiefst unethisch darzustellen. Doch dies ist ein Trugschluss. Denn die Corona-Impfung ist ein zugelassenes medizinisches Verfahren, das nicht mit einem Versuch oder einem Experiment gleichzusetzen ist.

Alle Impfstoffe wurden in klinischen Studien geprüft und von der Arzneimittelbehörde EMA in Europa zugelassen. An den Studien haben die Probandinnen und Probanden freiwillig teilgenommen und wurden zuvor über mögliche Risiken aufgeklärt. Zudem wurden die Stoffe zuvor an Tieren getestet, um deren Verträglichkeit sicherzustellen. Erst nach einem langwierigen Genehmigungsverfahren wurden die Impfstoffe zugelassen, somit handelt es sich dabei nicht um ein "Massenexperiment".